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An Ita denken
Ob Costa Cordalis bei seinem Schlager-Hit "Anita" auch immer an Pasta, Dolce Vita und Ita denken musste? Wahrscheinlich eher kaum.
Lufthansa-Group-CEO Carsten Spohr dürfte momentan wohl sehr oft an Ita denken. Der Juni der Entscheidungen steht bevor. Lufthansa muss dann entscheiden, ob sie die nächsten Anteile übernehmen möchte. 49 Prozent für 325 Millionen Euro, zuzüglich einer möglichen Bonuszahlung von 100 Millionen Euro.
Zugegeben: Die Bonuszahlung liegt noch in weiter Zukunft. Aber ob die derzeitige Lage die Shoppingpläne von Lufthansa und Co. eventuell durchkreuzt? Mittlerweile reiht sich Krise an Krise, und das in einem Tempo wie nie zuvor gesehen. Da zählt jeder Euro, vor allem wenn gleichzeitig die Kerosinpreise immens steigen.
Und genau hier wird eine Ironie der jüngeren Lufthansa-Geschichte besonders deutlich. Bislang hieß es immer, dass der Lufthansa Flugzeuge fehlen würden, um der großen Nachfrage trotz all der Krisen in dieser Welt gerecht werden zu können. Darum werden aktuell alle A380 auf neue Business-Class-Sitze umgerüstet, darum fliegen die A340 noch immer und die 787 lange Zeit – fast – ohne Business Class. Auf der Mittelstrecke war es nicht anders: Lufthansa konnte gar nicht genug darauf hinweisen, dass Flugzeuge Mangelware waren – und dass die Hersteller Schuld daran waren, dass Lufthansa nicht so viel fliegen konnte, wie sie eigentlich wollte.
Nun, diese Zeiten scheinen dann jetzt wohl wieder vorbei zu sein.
Zwar hat Lufthansa ihren neuen, erweiterten Sommerflugplan vorgestellt. Doch der kommt mit der Fußnote, dass man aufgrund der Situation am Kerosinmarkt nicht wirklich weiß, ob das auch alles so geflogen werden kann. Mehr noch: Hinter den Kulissen werden bereits Grounding-Pläne für ganze Flottenteile vorbereitet. "Better safe than sorry" ist natürlich eine Herangehensweise, die sinnvoll sein kann. Doch erscheinen mir die Pläne momentan zumindest doch recht forsch. Es sei daran erinnert, dass Lufthansa während Corona eher zu viel als zu wenig abgebaut hatte. Und das hat sich dann sehr schnell als Nachteil herausgestellt. Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer.
Zu schnell geschrumpft ist auch verloren
Noch sind wir nicht so weit, aber die Erholungszyklen, die die weltweite Luftfahrt normalerweise nach Krisen durchläuft, sind relativ verlässlich. Demnach geht es meist recht schnell wieder rauf mit den Kapazitäten. Zu den Verlierern gehören dann diejenigen, die zu stark geschrumpft sind, um dann schnell genug wieder Momentum aufbauen zu können.
Das dürfte letztlich auch bei Tap gelten. Interessierte Investoren, Airlines und Konzerne mussten vor Ostern ihr Angebot abgeben. Zur Debatte stehen 44,9 Prozent – was wiederum ein neues Problem eröffnet.
Denn wenn kein Mehrheitsanteil in Aussicht steht und stattdessen dieser bei der jeweiligen Regierung verbleibt, macht das Konsolidieren nachvollziehbarerweise einfach weniger Spaß. Sollte Portugal von diesem Vorhaben also nicht abrücken, ergibt sich in der aktuellen Situation immerhin eine gute Ausrede, warum man Tap nun doch nicht übernehmen muss. IAG sah genau deshalb von einem Angebot ab.
Tipp: Noch mehr Gedankenflüge gibt es zum Hören: Den airliners.de-Podcast "Gedankenflüge" gibt es überall, wo es Podcasts gibt.