Air France-KLM und die Lufthansa Group haben unverbindliche Angebote für eine Minderheitsbeteiligung an der portugiesischen Tap Air Portugal abgegeben. Damit sind zwei der drei großen europäischen Airline-Gruppen offiziell in den Privatisierungsprozess eingestiegen. IAG, der Mutterkonzern von British Airways und Iberia, gab kein Angebot ab, nachdem er zunächst Interesse bekundet hatte.
Ein Sprecher der Lufthansa Group bestätigte die Abgabe einer unverbindlichen Offerte für eine Minderheitsbeteiligung, ohne eine Summe zu nennen. Konzernchef Carsten Spohr hatte zuletzt erklärt, Tap passe gut zur Verstärkung des Angebots der Lufthansa-Gruppe, insbesondere bei Brasilienflügen. Langfristig strebt die Lufthansa eine Mehrheitsbeteiligung an: Spohr hatte erklärt, das Optimieren des Geschäftsmodells mit mehreren Drehkreuzen basiere darauf, hundertprozentige Beteiligungen von Airlines zu halten.
Air France-KLM hatte zuvor als erste der drei Gruppen ein Angebot eingereicht. "Unser Ziel ist es, den Betrieb in Lissabon zu stärken und gleichzeitig die Anbindung weiterer Städte im Land – darunter Porto – auszubauen", erklärte Konzernchef Benjamin Smith. "Tap ist eine natürliche Ergänzung der Multi-Hub-Strategie von Air France-KLM", so Smith.
Die Attraktivität von Tap liegt vor allem in den wertvollen Start- und Landerechten, die den Lissabonner Hub mit Brasilien, portugiesischsprachigen afrikanischen Ländern und den Vereinigten Staaten verbinden – Routen, die die portugiesische Regierung erhalten und ausbauen will.
Der spanisch-britische Konzern IAG verzichtete am Donnerstag nach eigenen Angaben auf ein Angebot. Im November hatte ein Sprecher noch erklärt, dass "TAP innerhalb der IAG ein erhebliches Potenzial birgt". Er fügte damals hinzu, es müssten "mehrere Bedingungen erfüllt sein, bevor die IAG eine Investition anbieten kann".
Portugal hatte die Privatisierung der 2020 in der Corona-Krise verstaatlichten Fluggesellschaft im Juli 2025 wieder aufgenommen. Geplant ist der Verkauf eines Anteils von 44,9 Prozent an einen strategischen Airline-Partner; weitere fünf Prozent sind für Tap-Mitarbeitende vorgesehen. Analysten bewerten den Anteil mit rund 700 Millionen Euro. Die Regierung behält sich vor, die verbleibenden 50,1 Prozent zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls an den Käufer der Minderheitsbeteiligung zu veräußern.
Abschluss für zweite Jahreshälfte erwartet
Tap betreibt eine Flotte von 99 Flugzeugen und beförderte 2025 rund 16,9 Millionen Passagiere – ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den ersten neun Monaten 2025 sank der Gewinn jedoch um 35,2 Prozent auf 55,2 Millionen Euro, während der Umsatz um 0,5 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro stieg.
Im nächsten Schritt hat die staatliche Beteiligungsgesellschaft Parpublica 30 Tage Zeit, einen Bericht über die Vorzüge jedes Angebots zu erstellen. Die Regierung wählt anschließend die geeignetsten unverbindlichen Angebote aus und fordert die jeweiligen Bieter auf, binnen 90 Tagen verbindliche Angebote vorzulegen. Der Abschluss der Privatisierung wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.