Die Europäische Union bereitet eine Überprüfung der Eigentümerregeln für Fluggesellschaften vor, um zu verhindern, dass ausländische Investoren die tatsächliche Kontrolle über europäische Airlines erlangen. Das sagte ein EU-Beamter der Nachrichtenagentur "Reuters". Der bislang unbekannte Vorstoß könnte US-Gebote für die Billigfluglinie Easyjet erschweren.
Die Überprüfung solle die "strategische Autonomie" schützen und sicherstellen, dass die Kontrolle über regionale Fluggesellschaften innerhalb der EU verbleibe, sagte der Beamte. Sie erfolgt inmitten eines Bieterwettstreits zweier US-Investmentfirmen um die Kontrolle bei Easyjet, der die Grenzen der EU-Regel austesten dürfte, wonach mindestens 51 Prozent einer Fluggesellschaft in EU-Hand bleiben müssen.
"Es geht darum sicherzustellen, dass ausländische Investoren nicht die volle Kontrolle erhalten", sagte der Beamte, der wegen der Sensibilität des Themas nicht namentlich genannt werden wollte. "Wir müssen sicherstellen, dass wir bei der Kontrolle ausreichend Spielraum haben."
Easyjet hatte Anfang des Monats ein Angebot von Apollo Global Management in Höhe von 5,7 Milliarden Pfund (rund 6,7 Milliarden Euro) unterstützt. Es übertraf ein früheres Gebot von Castlelake über 5,5 Milliarden Pfund. Wie Easyjet die Mehrheitsanforderungen der EU erfüllen will, erklärte das Unternehmen bislang nicht – eine zentrale Hürde für jede Übernahme einer europäischen Fluggesellschaft durch einen Käufer von außerhalb der EU.
Möglicher Präzedenzfall für die Luftfahrtbranche
Käme der Deal zustande, könnte er einen wichtigen Präzedenzfall für europäische Fluggesellschaften schaffen und Private-Equity-Übernahmen in einer streng regulierten Branche den Weg ebnen, in der Übernahmen bislang meist von einer anderen Fluggesellschaft ausgingen, häufig mit staatlicher Unterstützung im Rücken.
Die Überprüfung solle voraussichtlich im Herbst stattfinden und klären, welche Unternehmensstrukturen erlaubt seien, insbesondere mit Blick auf Kontrolle und Eigentümerschaft, sagte der Beamte.
Apollo, Castlelake und Easyjet hätten bislang nicht mit den europäischen Regulierungsbehörden über die Details ihrer geplanten Übernahmen gesprochen, sagte der Beamte weiter. Easyjet und Apollo lehnten eine Stellungnahme ab, Castlelake reagierte zunächst nicht auf eine entsprechende Anfrage.
"Die Sorge besteht darin, dass die Branche einem Irrtum aufsitzt und denkt, wir würden die Regeln nicht mehr streng durchsetzen. Die Menschen schlagen den falschen Weg ein, weil es eine falsche Wahrnehmung gibt", fügte der Beamte hinzu.