Der britische Billigflieger Easyjet will sich einer Übernahme durch den US-Investor Castlelake grundsätzlich nicht mehr in den Weg stellen. Nach wochenlangem Ringen erklärten beide Seiten, sie hätten eine Grundsatzvereinbarung geschlossen, die Easyjet mit bis zu 5,5 Milliarden Pfund (6,4 Milliarden Euro) bewerte.
Dafür stockte Castlelake seine Offerte abermals auf und bietet nun 6,90 Pfund je Easyjet-Aktie. Der Easyjet-Verwaltungsrat erklärte, er sei geneigt, den Aktionären die Annahme zu empfehlen. Castlelake hat nun bis zum 3. August Zeit, ein verbindliches Angebot vorzulegen.
Castlelake hatte anfangs 6,25 Pfund und dann 6,50 Pfund je Aktie geboten, war damit aber bei Easyjet auf Ablehnung gestoßen. Um Castlelake zu einer Aufstockung zu bewegen, hatte Easyjet dem Interessenten Zugang zu Geschäftsinformationen gewährt. Dies war an der Börse als positives Signal gewertet worden. Der nun gebotene Preis von 6,90 Pfund entspricht einem Aufschlag von 73 Prozent auf den Schlusskurs vom 29. Mai, als das Interesse des Investors erstmals öffentlich wurde.
Castlelake wollte sich über die gemeinsame Mitteilung hinaus nicht äußern.
EU-Eigentumsregeln erfordern Partner
Ein Verkauf an den US-Investor könnte auf regulatorische Hürden stoßen: Nach EU-Recht müssen Fluggesellschaften, die in der Staatengemeinschaft operieren, mehrheitlich im Besitz von EU-Bürgern sein und von diesen kontrolliert werden. Um diese Anforderung zu erfüllen, hatte Castlelake früher erklärt, lediglich 49 Prozent an der Gesellschaft halten zu wollen, die Easyjet übernehmen soll. Die restlichen Anteile sollen an den ehemaligen Easyjet-Manager Peter Bellew und den Branchenexperten Mark Breen gehen, die beide EU-Bürger sind.
Easyjet wurde 1995 von dem britisch-zypriotischen Unternehmer Stelios Haji-Ioannou gegründet, der mit seiner Familie noch rund 15 Prozent der Anteile hält.
Castlelake ist ein Investor in der Luftfahrtbranche, der Vermögenswerte von rund 38 Milliarden Dollar verwaltet.
Die Branche kämpft weltweit mit hohen Treibstoffkosten und Margendruck infolge des Iran-Konflikts. Easyjet steht zudem in hartem Wettbewerb mit der Rivalin Ryanair, gilt aber wegen ihrer wertvollen Start- und Landerechte an Flughäfen wie London-Gatwick, Paris und Genf schon länger als Übernahmeziel.
Zeitleiste: Der Weg zur Übernahme
1995: Gründer Stelios Haji-Ioannou startet Flüge vom Flughafen London-Luton nach Glasgow und Edinburgh und fordert etablierte Fluggesellschaften mit niedrigen Preisen heraus.
2002: Übernahme der Rivalin Go Fly.
2007: Übernahme der Rivalin GB Airways.
2011 bis 2013: Kauf von 135 Airbus-Flugzeugen zur Flottenmodernisierung.
2020: Die Corona-Pandemie erzwingt 4500 Stellenstreichungen und eine Verkleinerung der Flotte.
2021: Easyjet weist ein Übernahmeangebot von Wizz Air zurück und nimmt 1,7 Milliarden Dollar von bestehenden Aktionären auf.
Februar bis März 2026: Der Iran-Konflikt belastet Fluggesellschaften weltweit, Easyjet warnt vor höheren Preisen und Treibstoffengpässen.
29. Mai 2026: Der in Minneapolis ansässige Luftfahrtinvestor Castlelake teilt mit, ein Angebot für Easyjet zu prüfen.
12. Juni 2026: Castlelake legt vertraulich ein Übernahmeangebot von 5,60 Pfund je Aktie vor.
16. Juni 2026: Easyjet lehnt das Angebot ab.
17. Juni 2026: Castlelake bietet erneut, diesmal 6,00 Pfund je Aktie.
20. Juni 2026: Der Easyjet-Verwaltungsrat lehnt das zweite Angebot ab, Castlelake erhöht daraufhin auf 6,25 Pfund je Aktie.
21. Juni 2026: Easyjet weist das dritte Angebot als „zu günstig" zurück.
22. Juni 2026: Castlelake macht sein Angebot von 6,25 Pfund je Aktie öffentlich und erklärt, die Struktur erfülle die EU-Mehrheitseigentumsregeln.
23. Juni 2026: Castlelake legt vertraulich ein viertes Angebot von 6,50 Pfund je Aktie vor, wie Easyjet später mitteilt.
25. Juni 2026: Easyjet lehnt auch dieses Angebot ab, gewährt Castlelake aber Einblick in interne Daten und setzt eine Frist bis zum 5. Juli.
5. Juli 2026: Easyjet und Castlelake verkünden eine grundsätzliche Einigung bei 6,90 Pfund je Aktie, die die Fluggesellschaft auf vollständig verwässerter Basis mit 5,5 Milliarden Pfund bewertet.