Der US-Investor Castlelake prüft eine mögliche Übernahme des britischen Billigfliegers Easyjet. Die Überlegungen befänden sich in einem frühen Stadium, teilte Castlelake mit.
Ein formales Angebot sei bisher weder abgegeben noch mit dem Verwaltungsrat besprochen worden. Castlelake hält nach eigenen Angaben rund 2,14 Prozent des Easyjet-Aktienkapitals, entsprechend rund 16,2 Millionen Aktien.
Easyjet erklärte, keinerlei Kontakt mit Castlelake gehabt zu haben. Der Verwaltungsrat werde jedes Angebot prüfen, sei dabei aber besonders auf Bewertung und Umsetzbarkeit bedacht. Er verwies auf den "opportunistischen Zeitpunkt".
Der Aktienkurs stehe durch die Lage im Nahen Osten sowie deren Auswirkungen auf das Verbrauchervertrauen und die Treibstoffkosten unter Druck. Nach Bekanntwerden der Übernahmeüberlegungen stieg die Easyjet-Aktie in London um bis zu zehn Prozent.
Easyjet ist an der Börse derzeit mit rund drei Milliarden Pfund (rund 3,5 Milliarden Euro) bewertet. Auf Jahressicht hat die Aktie mehr als 22 Prozent verloren. Unter britischem Übernahmerecht muss Castlelake bis zum 26. Juni ein verbindliches Angebot vorlegen oder die Überlegungen beenden.
Schwieriges Marktumfeld
Die Übernahmeüberlegungen fallen in eine angespannte Geschäftsphase. Easyjet hatte Mitte April eine Gewinnwarnung veröffentlicht und für das Geschäftsjahr 2025/2026 bislang keine Prognose abgegeben.
Gestiegene Kerosinpreise infolge des Iran-Kriegs – Jet-Fuel verteuerte sich seit Ende Februar um mehr als 80 Prozent – und schwächere Buchungen belasten das Unternehmen. Für das Sommerquartal Juli bis September seien erst 40 Prozent der Tickets verkauft, drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.
Im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende März steigerte Easyjet den Umsatz um zwölf Prozent auf 3,95 Milliarden Pfund. Der saisontypische Vorsteuerverlust weitete sich wegen höherer Betriebskosten jedoch um 40 Prozent auf 552 Millionen Pfund aus.
Castlelake war Anfang des Jahres in Gespräche über eine Übernahme der insolventen US-Fluggesellschaft Spirit Airlines eingetreten, die später ihren Betrieb einstellte. 2024 gründete der Investor Merit AirFinance, eine auf Luftfahrtfinanzierung spezialisierte Plattform mit 1,8 Milliarden US-Dollar verfügbarem Kapital.
2021 hatte Easyjet ein Übernahmeangebot von Wizz Air abgelehnt und stattdessen 1,7 Milliarden Dollar frisches Kapital bei Aktionären eingesammelt.