Die weitere militärische Eskalation in Nahost hat eine der schwersten Störungen des weltweiten Flugverkehrs seit Jahren ausgelöst.
Der Iran greift im Rahmen seiner Gegenangriffe US-Verbündete und amerikanische Stellungen im Nahen Osten an. Die Flughäfen unter anderem in Dubai und Abu Dhabi meldeten Raketeneinschläge.
In Dubai wurden nach Angaben des Medienbüros der Stadt vier Menschen am Dubai international Flughafen verletzt. Zudem wurden dort das bekannte Hotel Burj Al Arab und der Hafen Dschabal Ali in Mitleidenschaft gezogen.
Die Flughafenbetreiber setzten daraufhin alle Flüge an beiden Airports – Dubai International und Al Maktoum International – bis auf Weiteres aus und forderten Passagiere auf, nicht zu den Flughäfen zu kommen.
Am Flughafen von Abu Dhabi wurde dem Betreiber zufolge bei einem Angriff ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt. Der Iran hatte Raketen und Drohnen auf Abu Dhabi, Dubai und Doha abgefeuert.
Auch in Bahrain traf eine Drohne den internationalen Flughafen nahe der Hauptstadt Manama. Das bahrainische Innenministerium bestätigte Sachschaden, meldete aber keine Todesopfer. Das Gelände wurde gesichert. Bahrain ist der Hauptsitz der US-Marine im Nahen Osten, dort ist die sogenannte Fünfte Flotte stationiert.
Golf-Carrier: Betrieb vollständig eingestellt
Emirates hat in der Folge alle Flüge von und nach Dubai bis mindestens 15 Uhr Ortszeit am 2. März ausgesetzt. Etihad, staatliche Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, stellte ihren Betrieb in Abu Dhabi bis 14:00 Uhr Ortszeit am Sonntag ein. Flydubai hat alle Flüge von und nach Dubai bis 15:00 Uhr Ortszeit am Sonntag suspendiert.
Auch Qatar Airways hat sämtliche Flüge vorläufig eingestellt und angekündigt, bis 9:00 Uhr Ortszeit am Montag ein weiteres Update bereitzustellen. Am Hamad International Airport in Doha waren die Flugsteige nach Angaben eines Reuters-Augenzeugen nahezu leer, während gestrandete Passagiere Schlange standen, um Hotelzimmer zu organisieren.
Flugzeug von Emirates, in Hintergrund eine Rauchsäule. : Ein Emirates-Großraumflugzeug mit weißer Lackierung und goldenem Schriftzug steht auf dem Vorfeld nahe einem Gate. Im Hintergrund ist über dem Flughafengelände eine dunkle Rauchsäule sichtbar; der Himmel ist überwiegend blau mit leichter Dunstlage. © DPA / Altaf Qadri/AP
Weltweite Auswirkungen: Engere Korridore, gestrandete Passagiere und Crews
Der Luftraum über dem Iran, dem Irak, Kuwait, Israel, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar blieb am Sonntagmorgen nahezu vollständig leer, wie Karten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 zeigten. Eine neue "Notice to Airmen" (NOTAM) verlängerte die Sperrung des iranischen Luftraums bis mindestens 8:30 Uhr GMT am 3. März. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) empfahl Fluggesellschaften, den von der Militäraktion betroffenen Luftraum zu meiden.
Ian Petchenik, Kommunikationsdirektor von Flightradar24, sieht das Risiko einer langanhaltenden Störung als das größte Problem. Die Sperrungen zwängen Airlines in immer engere Korridore. Hinzu komme das Konfliktrisiko zwischen Pakistan und Afghanistan.
"Jede Eskalation in dem Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan, die zur Sperrung des dortigen Luftraums führt, hätte drastische Konsequenzen für den Reiseverkehr zwischen Europa und Asien", warnte Petchenik.
Dubai und das benachbarte Doha fungieren als zentrale Drehscheiben des Ost-West-Flugverkehrs. Mit dem Ausfall beider Hubs blieben Flugzeuge und Crews weltweit falsch positioniert – was Störungen auf die Flugpläne zahlreicher Airlines rund um den Globus hat.
Der Verlust der iranischen und irakischen Überflugstrecken verschärfe die Lage damit auch für europäische Airlines zusätzlich, da diese Routen seit dem Russland-Ukraine-Krieg erheblich an Bedeutung gewonnen hätten.
Eric Schouten, Leiter der Luftfahrtsicherheitsberatung Dyami, prognostizierte eine länger anhaltende Störung: "Passagiere und Fluggesellschaften können davon ausgehen, dass der Luftraum für eine ganze Weile gesperrt bleiben wird."
Airlines streichen Flüge weltweit
Emirates-Passagiere stehen um einen Emirates-Mitarbeiter. : Innenaufnahme im Flughafen: mehrere Emirates-Passagiere stehen dicht um einen uniformierten Emirates-Mitarbeiter am Customer-Services-Schalter. Auffällige pink-weiße Emirates-Werbung im Hintergrund; Gepäckwagen und Trolleys am Boden sichtbar. Gesichter zeigen Besorgnis und Aufmerksamkeit. © DPA / Firdia Lisnawati/AP
Neben den Golf-Carriern haben Dutzende weiterer Fluggesellschaften reagiert. Turkish Airlines strich Flüge nach Katar, Kuwait, Bahrain, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Oman am Samstag sowie alle Verbindungen in den Libanon, nach Syrien, in den Irak, in den Iran und nach Jordanien bis 2. März.
Die Lufthansa hat alle Flüge in die Region bis 8. März ausgesetzt. Verbindungen nach Dubai fallen bis einschließlich 4. März aus. Die Airline meidet zudem den israelischen, libanesischen, jordanischen, irakischen und iranischen Luftraum.
KLM strich Flüge von und nach Dubai, Dammam und Riad an diesem Wochenende und zog die bereits angekündigte Aussetzung der Verbindung Amsterdam–Tel Aviv vor. Air France strich Flüge von und nach Tel Aviv und Beirut am Samstag.
British Airways hat Verbindungen nach Tel Aviv und Bahrain bis 3. März sowie den Flug nach Amman am Samstag gestrichen. Virgin Atlantic meidet den irakischen Luftraum und strich ihren Flug von London Heathrow nach Dubai am Samstag.
Wizz Air hat mit sofortiger Wirkung alle Flüge nach Israel, Dubai, Abu Dhabi und Amman bis 7. März eingestellt. Norwegian Air suspendiert alle Verbindungen nach Dubai bis 4. März.
Lot Polish Airlines hat die Verbindung nach Tel Aviv bis 15. März ausgesetzt, Flüge nach Dubai und Riad bis 2. März gestrichen und die Flüge von Warschau nach Dubai nach Warschau zurückbeordert.
Ita Airways hat Flüge von und nach Tel Aviv ausgesetzt und meidet den Luftraum Israels, des Libanons, Jordaniens, des Iraks und des Irans bis 7. März. Aegean Airlines stellt Verbindungen nach Tel Aviv, Beirut und Erbil bis 2. März ein. Air Europa strich Flüge nach Tel Aviv für Sonntag und Montag. Iberia Express strich einen Tel-Aviv-Flug am Samstag. Scandinavian Airlines suspendierte den Tel-Aviv-Flug von Kopenhagen am Samstag.
Hintergrund: Kriegsgeschehen und politische Entwicklungen
Auslöser der Krise waren amerikanisch-israelische Luftangriffe am Samstag, bei denen der iranische Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde.
US-Präsident Donald Trump hatte Chameneis Tod noch vor den iranischen Staatsmedien auf seiner Plattform Truth Social verkündet: "Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot." Dies sei die "größte Chance für das iranische Volk, sein Land zurückzuerobern."
Israels Verteidigungsminister Israel Katz kommentierte den Tod Chameneis: "Er, der Israel vernichten wollte, ist vernichtet worden." In der irakischen Hauptstadt Bagdad versuchten Demonstranten, in das streng gesicherte Regierungsviertel und zur US-Botschaft vorzudringen. Sicherheitskräfte lösten die Menge gewaltsam auf und setzten dabei Schlagstöcke, Tränengas, Wasserwerfer und scharfe Munition ein.
Die iranische Regierung kündigte 40 Tage öffentliche Trauer und sieben Feiertage an. Während iranische Staatsmedien Trauernde zeigten, berichteten Bewohner Teherans von spontanem Jubel auf den Straßen.
Irans Revolutionsgarden reagierten mit Gegenschlägen: Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim seien 27 US-Stützpunkte in der Region sowie das israelische Armeehauptquartier und ein Rüstungskomplex in Tel Aviv ins Visier genommen worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Israel startete seinerseits am Sonntag eine weitere Angriffswelle gegen den Iran und setzte seine Schläge gegen iranische Raketenbasen und Luftabwehrsysteme fort. Nach Armeeangaben handelt es sich um den bisher größten Einsatz der israelischen Luftwaffe in ihrer Geschichte.
In Tel Aviv kam in der Nacht eine Frau beim Einschlag einer Rakete in einem Wohnblock ums Leben, Dutzende Menschen wurden verletzt. Am Sonntagmorgen heulten erneut die Sirenen, die Abwehrsysteme wurden aktiviert, kurz darauf gab es Entwarnung. In den vergangenen 24 Stunden mussten Millionen Menschen nach Armeeangaben bereits rund 20 Mal wegen Angriffen in Schutzräume eilen.
Trump warnte den Iran auf Truth Social vor weiteren Gegenschlägen: "Das sollten sie besser nicht tun." Sollte dies geschehen, werde man zurückschlagen "mit einer Stärke, die man noch nie vorher gesehen hat." Gleichzeitig kündigte er an, die Bombardierungen im Iran würden so lange weitergehen, bis Frieden in der Region und in der Welt einkehre.