Air China, China Eastern und China Southern haben im ersten Halbjahr zusammen einen Nettoverlust von rund 8,2 Milliarden Yuan (rund 1,03 Milliarden Euro) ausgewiesen. Es ist das siebte Verlust-Halbjahr in Folge für die drei größten staatlichen Fluggesellschaften Chinas.
Hauptursache sind stark gestiegene Kerosinpreise. Hinzu kommt ein schwacher Ausblick für die Sommersaison. Die Aktien aller drei Gesellschaften gaben am Montag im Handel auf dem chinesischen Festland und in Hongkong nach.
Im ersten Quartal hatten die drei Fluggesellschaften dank starker Nachfrage rund um das chinesische Neujahrsfest noch einen kombinierten Gewinn von 4,82 Milliarden Yuan erzielt. Bereits im vergangenen Monat hatten sie vor Verlusten von bis zu neun Milliarden Yuan gewarnt.
Verluste bei allen drei Konzernen
Air China verzeichnete einen Nettoverlust von 2,3 Milliarden Yuan, nach einem Verlust von 1,81 Milliarden Yuan im Vorjahreszeitraum. China Eastern kam auf einen Verlust von 2,2 Milliarden Yuan, verglichen mit 1,43 Milliarden Yuan im Vorjahreszeitraum. China Southern verzeichnete mit 3,7 Milliarden Yuan den höchsten Verlust der drei Gesellschaften, nach 1,53 Milliarden Yuan im Vorjahreszeitraum.
Die schwachen Ergebnisse verdeutlichen die fortdauernde Verwundbarkeit der chinesischen Luftfahrtbranche nach der Pandemie. China Eastern beschrieb das Gewinnumfeld als "stark beeinträchtigt" durch gestörte internationale Strecken und anhaltend hohe Kerosinpreise infolge des Kriegs um den Iran.
Kaum Absicherung gegen Kerosinpreise
Die Treibstoffkosten stiegen bei allen drei Fluggesellschaften im ersten Halbjahr um 35 bis 38 Prozent. Anders als viele asiatische und europäische Wettbewerber sichern chinesische Fluggesellschaften ihren Kerosinbedarf kaum ab und sind Ölpreisschwankungen deshalb stärker ausgesetzt. China Southern erklärte in einer Pflichtmitteilung, es gebe derzeit "kein wirksames Mittel", um das Risiko aus schwankenden Kerosinpreisen zu steuern.
Die Kerosinpreise sind zwar seit ihrem Höchststand im zweiten Quartal gesunken, liegen aber weiterhin mehr als 50 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn.
Airbus A350 von Air China. : Ein Airbus A350 der Fluggesellschaft Air China befindet sich im Landeanflug. Das Flugzeug ist weiß mit blauen Streifen, trägt das rote Logo am Leitwerk und hebt sich deutlich vom hellblauen Himmel mit einigen Wolken im Hintergrund ab. Das Fahrwerk ist ausgefahren, das Flugzeug ist seitlich von links sichtbar. © AirTeamImages.com / Sierra Bravo
Umsatzwachstum trotz Verlusten
Der Umsatz wuchs bei allen drei Konzernen deutlich: bei Air China um 10,5 Prozent, bei China Eastern um 11,1 Prozent und bei China Southern um 9,7 Prozent. Treiber war vor allem die internationale Nachfrage. Besonders gefragt waren Europastrecken, da Reisende Nahost-Drehkreuze mieden, die durch den Krieg um den Iran beeinträchtigt waren.
Schwächere Konjunkturbedingungen und die Konkurrenz durch Hochgeschwindigkeitszüge und Autoreisen bremsten zudem die Preissetzung im Inlandsgeschäft. Anders als zuletzt US-Fluggesellschaften konnten die chinesischen Anbieter ihre Inlandspreise nicht spürbar anheben, ohne die Nachfrage zu dämpfen.
Taifun-Saison bremst drittes Quartal
Das dritte Quartal ist für chinesische Fluggesellschaften normalerweise das profitabelste des Jahres. In diesem Jahr bietet es bislang jedoch kaum Entlastung. Eine ungewöhnlich starke Taifun-Saison störte während der Sommer-Hauptreisezeit zahlreiche Inlandsstrecken. Nach meteorologischen Daten bildeten sich bislang 21 Taifune im Nordwestpazifik und im Südchinesischen Meer, neun mehr als im historischen Durchschnitt für denselben Zeitraum.
Das Luftfahrt-Datenunternehmen "Flight Master" rechnet damit, dass die Zahl der von chinesischen Fluggesellschaften auf Inlands- und internationalen Strecken beförderten Passagiere im Juli und August um 3,6 Prozent auf 142 Millionen sinkt. Das wäre der erste Rückgang in der Hauptreisezeit seit 2022, als große Teile Chinas wegen der Pandemie abgeriegelt waren.
Analysten der HSBC rechnen für die drei größten chinesischen Fluggesellschaften mit einem kombinierten Verlust von rund 16,8 Milliarden Yuan für das Gesamtjahr, während der Marktkonsens von einem kombinierten Gewinn von 1,3 Milliarden Yuan ausgeht. Die in Shanghai notierten Aktien aller drei Gesellschaften haben in diesem Jahr bereits mindestens 36 Prozent verloren, da die schwächere Inlandsnachfrage weiter auf den Gewinnaussichten lastet. Keine der drei Gesellschaften kündigte eine Zwischendividende an.
Wachsende C919-Flotten
Alle drei Konzerne bauten unterdessen ihre Flotten des chinesischen Baumusters Comac C919 aus. China Eastern erhöhte ihre Flotte des Schmalrumpfflugzeugs im ersten Halbjahr um drei ausgelieferte Maschinen auf 17 Exemplare. Air China und China Southern betrieben je elf C919, nachdem sie im gleichen Zeitraum zwei beziehungsweise drei weitere Maschinen übernommen hatten.
Der Air-China-Flug CA723 startet vom Beijing Capital International Airport in Peking. : Air-China-Flugzeug vom Typ COMAC C919 beim Start über dem Terminal. Die Maschine steigt bei bedecktem Himmel auf, darunter sind Flughafengebäude und Vorfeld zu sehen. © DPA / Tao Ran
China Eastern erklärte, zwischen 2026 und 2028 werde die Gesellschaft 13 C919 weniger übernehmen als bisher geplant. Air China hielt an ihre bisherigen Prognose fest, China Southern machte im Zwischenbericht keine Angabe zu künftigen Lieferungen.