Die großen chinesischen Fluggesellschaften starten mit einem deutlich eingetrübten Ausblick in die Sommerreisesaison. Air China, China Eastern Airlines und China Southern Airlines warnten vor massiven Verlusten im ersten Halbjahr, während eine schwächere Nachfrage Zweifel daran weckt, ob die drei Konzerne die gestiegenen Treibstoffkosten in den umsatzstärksten Monaten der Branche auffangen können.
Air China, China Eastern Airlines und China Southern Airlines rechnen für das erste Halbjahr gemeinsam mit einem Nettoverlust von bis zu 9 Milliarden Yuan (rund 1,16 Milliarden Euro), wie die drei Unternehmen mitteilten. Das ist eine deutliche Kehrtwende gegenüber dem addierten Gewinn im ersten Quartal, der von der starken Nachfrage rund um das chinesische Neujahrsfest getragen worden war.
Die Verluste verdeutlichen das Dilemma, in dem sich Chinas Fluggesellschaften befinden: Erhöhen sie die Ticketpreise, um die gestiegenen Treibstoffkosten auszugleichen, drohen sie die ohnehin schwache Nachfrage weiter zu dämpfen. Halten sie die Preise dagegen niedrig, bleiben sie auf den Mehrkosten sitzen.
Parash Jain, globaler Leiter für Transport- und Logistikanalyse bei der HSBC, sagte, ein "negativer Vermögenseffekt" verändere angesichts des langsameren Wirtschaftswachstums das Reiseverhalten der chinesischen Verbraucher – und jede Ticketpreiserhöhung berge das Risiko einer sinkenden Nachfrage.
"Die steigenden Ticketpreise schwächen die Nachfrage und bringen mehr Menschen dazu, auf kürzeren Strecken den Hochgeschwindigkeitszug zu nutzen", sagte Jain. Auch Wetterstörungen und ein kleinerer Anteil an Kindern im Schulalter belasteten die Sommerreisenachfrage. "Der mit Abstand größte Grund für die schwächere Nachfrage sind aber die gestiegenen Ticketpreise."
Ungesicherte Treibstoffkosten belasten zusätzlich
Die HSBC-Analysten rechnen für das Gesamtjahr mit einem addierten Verlust der drei größten chinesischen Fluggesellschaften von rund 16,8 Milliarden Yuan. Der Marktkonsens hatte bislang noch einen gemeinsamen Gewinn von 1,3 Milliarden Yuan erwartet.
Air China erklärte in einer Mitteilung an die Börse, die hohen Treibstoffpreise hätten die Gewinnmargen der Fluggesellschaften "drastisch geschmälert".
Anders als viele asiatische Konkurrenten sichern Chinas Fluggesellschaften ihren Treibstoffbedarf kaum ab und sind dem Ölpreisanstieg infolge des Iran-Konflikts deshalb stärker ausgesetzt. Zwar sind die Kerosinpreise seit ihrem Höhepunkt im zweiten Quartal wieder gesunken, sie liegen aber weiterhin rund 50 Prozent über dem Niveau vor dem Konflikt.
"Da sich die Kerosinpreise nur langsam normalisieren dürften, bleibt die schwache Nachfrage das zentrale Risiko für die bevorstehende Sommerhochsaison", erklärten Analysten der Bank of America in einer Mitteilung.
Schwache Nachfrage bremst die Sommersaison
Das dritte Quartal ist für Chinas Fluggesellschaften traditionell das profitabelste des Jahres. Die Analysefirma Flight Master rechnet jedoch damit, dass die auf inländischen und internationalen Strecken beförderte Passagierzahl chinesischer Airlines im Juli und August im Jahresvergleich um 3,6 Prozent auf 142 Millionen sinkt – der erste Rückgang in der Hochsaison seit 2022.
Vom 1. bis 14. Juli sank die Zahl der täglichen Flüge im Jahresvergleich um 2,2 Prozent, wie Flight Master mitteilte. Inlandsflüge gingen um 1,8 Prozent zurück, internationale Flüge um 3,6 Prozent. Der durchschnittliche Economy-Class-Ticketpreis lag bei 831 Yuan – 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr und 6,1 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Die inländische Passagiernachfrage in China schrumpfte im Mai im Jahresvergleich um 6,2 Prozent, wie der internationale Luftverkehrsverband IATA mitteilte. Das ist die schwächste Entwicklung unter den großen Inlandsmärkten weltweit und der erste monatliche Rückgang in China seit der Pandemie, der nicht auf die Terminverschiebung des chinesischen Neujahrsfests zurückzuführen ist.
Die drei großen Fluggesellschaften erzielen rund 30 Prozent ihres Umsatzes auf internationalen Strecken. Seit Beginn des Iran-Konflikts verzeichneten sie eine steigende Nachfrage auf Europastrecken, da Reisende eingeschränkt operierende Drehkreuze im Nahen Osten meiden. Diese Zugewinne schmelzen laut Daten von Flight Master jedoch wieder dahin, weil Golf-Fluggesellschaften ihre Verbindungen wiederherstellen und günstigere Tarife anbieten.