Öl wird teuer und damit auch das Kerosin. Der Kerosinpreis ist im Laufe des Tages auf über 1500 Dollar je Tonne gestiegen. Damit nähert er sich erneut dem Allzeithoch von 1633 Dollar, das erst am Montag für Kerosin in Nordeuropa verzeichnet worden war.
Auslöser der Preisspirale ist der anhaltende Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite. Die Blockade der Straße von Hormus – eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt – hat die Handelsschifffahrt in der Region nahezu zum Erliegen gebracht. Der Brent-Rohölpreis stieg auf nahezu 100 Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022.
Selbst die historisch einmalige Freigabe von 400 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven der Internationalen Energieagentur (IEA) – der größte derartige Schritt in der Geschichte der Behörde – konnte den Anstieg nicht stoppen: Der Ölpreis legte am Mittwoch trotzdem um fünf Prozent zu.
Treibstofflager in Flammen
Der Iran nimmt im Rahmen seiner Kriegsstrategie gezielt die Energieinfrastruktur der Golfregion ins Visier. In Bahrain griffen iranische Streitkräfte nach Angaben örtlicher Behörden Treibstofflager nahe dem internationalen Flughafen an. Unklar war zunächst, ob es sich dabei um die Kerosindepots des Flughafens am Rande der Hauptstadt Manama oder eine andere Einrichtung handelte. Die Bevölkerung in Flughafennähe wurde aufgefordert, zu Hause zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten.
Im Oman wurden Treibstofftanks im Hafen von Salala von Drohnen getroffen. Auf einem vom Fernsehsender "Al Jazeera" veröffentlichten Video war zu sehen, wie ein großer Feuerball über einem der Tanks aufsteigt. Ein Sprecher der iranischen Militärführung wies eine Verantwortung für den Angriff zurück. Der Vorfall im "befreundeten, benachbarten und brüderlichen Land Oman" erscheine verdächtig, sagte er.
Mit diesen Attacken verfolgt die Regierung in Teheran das Ziel, die wirtschaftlichen Kosten einer Fortsetzung des Krieges für die Gegenseite in die Höhe zu treiben. US-Präsident Donald Trump stellte unterdessen ein baldiges Ende des Konflikts in Aussicht: Es gebe "praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte", wurde er vom US-Nachrichtenportal "Axios" nach einem Telefoninterview zitiert. Das israelische Militär hingegen erklärte, es habe noch eine umfangreiche Liste an Zielen im Iran.
Airlines reagieren mit Zuschlägen und Preiserhöhungen
Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Luftfahrtbranche sind erheblich. KLM, die niederländische Tochtergesellschaft von Air France-KLM, kündigte am Donnerstag an, die Preise für Langstreckenflüge anheben zu müssen. Eine konkrete Höhe nannte die Airline nicht; die Aufschläge variierten je nach Ziel und Buchungsklasse.
Pakistan International Airlines (PIA) erhöht angesichts um 34 Prozent gestiegener Treibstoffkosten den Kerosinzuschlag auf Inlandsstrecken um 20 Dollar sowie auf internationalen Strecken um bis zu 100 Dollar, wie ein Sprecher der Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte.
Srilankan Airlines passt ihre YQ-Zuschläge für neue Buchungen ab Freitag, dem 14. März, an: Der einfache Zuschlag steigt von 222 auf 297 Euro, der Hin- und Rückflug-Zuschlag von 444 auf 594 Euro. Die in Deutschland durch Aviareps vertretene Fluggesellschaft verwies auf die "aktuelle Marktlage".
Hedging: Wer ist gut aufgestellt – und wer nicht
Wie stark eine Airline die Kostensteigerungen abfedern kann, hängt entscheidend von ihrer Absicherungsstrategie ab. Eine Reuters-Übersicht offenbarte erhebliche Unterschiede in der Branche.
Lufthansa hatte zum Jahresende 2024 rund 76 Prozent ihres prognostizierten Treibstoffbedarfs für 2025 abgesichert – für 2026 jedoch nur rund 28 Prozent.
Ryanair ist für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr zu etwa 77 Prozent zum Durchschnittspreis von rund 761 Dollar je Tonne gehedgt; für das kommende Geschäftsjahr hat die irische Billigairline bereits 80 Prozent des Bedarfs auf Basis eines Rohölpreises von 67 Dollar je Barrel gesichert. Easyjet ist für das erste Halbjahr 2026 zu 84 Prozent, für das zweite Halbjahr zu 62 Prozent abgesichert. Air France-KLM erhöhte seine Absicherungsquote nach eigenen Angaben zuletzt auf 87 Prozent des Jahresbedarfs.
Am anderen Ende der Skala steht die skandinavische Fluggesellschaft SAS: Das Unternehmen hat seine Hedging-Politik vorübergehend ausgesetzt und ist derzeit für die kommenden zwölf Monate zu null Prozent abgesichert. Besonders exponiert sind auch die US-amerikanischen Airlines, die die Praxis der Treibstoffabsicherung nach früheren Verlusten weitgehend aufgegeben haben – und damit das volle Risiko steigender Kerosinpreise tragen.
Air New Zealand streicht Flüge
Dramatische Folgen zeigen die steigenden Treibstoffkosten bereits bei Air New Zealand: Die neuseeländische Fluggesellschaft kündigte am Donnerstag an, in den kommenden zwei Monaten fünf Prozent ihrer Flüge streichen zu wollen, hauptsächlich auf Inlandsstrecken. Als Grund nannte die Airline die steigenden Kerosinkosten. Die Airline gehörte zu den ersten, die am Dienstag Ticketpreiserhöhungen angekündigt hatte.
Neuseeland ist stark von Treibstoffimporten abhängig. Die Benzinpreise sind seit Kriegsbeginn Ende Februar um fast zehn Prozent gestiegen, Diesel nach Angaben des Preisvergleichsdienstes Gaspy sogar um mehr als 20 Prozent. Finanzministerin Nicola Willis sagte am Donnerstag, die Regierung diskutiere die Anwendung eines Gesetzes aus dem Jahr 1979 zur Einschränkung des Treibstoffverbrauchs.
Dieses sieht vor, dass Fahrzeughalter einen Tag pro Woche festlegen, an dem sie ihr Auto nicht benutzen – andernfalls drohen hohe Geldstrafen. Solche Beschränkungen seien jedoch nur dann nötig, wenn es tatsächlich "erhebliche Versorgungsengpässe" geben sollte, schränkte Willis ein. Nach Angaben von Energieminister Shane Jones befinden sich derzeit Treibstoffvorräte für etwa 50 Tage in Neuseeland oder sind auf dem Weg dorthin.