Die Luftverkehrswirtschaft hat den Beschluss des CDU-Präsidiums zur Stärkung des Luftverkehrsstandorts Deutschland durch die Bank weg begrüßt. Airlines und Flughäfen mahnen nun aber eine schnelle Umsetzung an.
Das Präsidium der CDU hatte am Montag gefordert, die Flugsicherungsgebühren kurzfristig zu senken. Mittelfristig soll nach dem Willen des Gremiums zudem die Luftverkehrsteuer sinken. Beträge oder einen Zeitplan enthält der Beschluss nicht.
Nach Darstellung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) benennt die CDU damit wesentliche Gründe für die schwache Entwicklung des Standorts.
Als besonders dringlich bezeichnete der BDL den Inlandsverkehr. Dort fielen die hohen Standortkosten sowohl beim Hin- als auch beim Rückflug an. Viele Strecken rechneten sich deshalb nicht mehr. In der Folge schrumpfe das Angebot, und die Regionen seien schlechter an die Hubs in Frankfurt und München angebunden.
Nun sei die Bundesregierung am Zug, konkrete Schritte zu beschließen, so der BDL. "Weitere Absichtserklärungen halten keine Flugverbindung im Markt". Bereits Anfang 2027 müsse die Entlastung bei den Airlines spürbar sein. Die Regierung müsse die angestrebte Senkung der Flugsicherungsgebühren daher schnell im Bundeshaushalt 2027 festschreiben.
Niedrigere Flugsicherungsgebühren könnten aus Sicht des BDL aber nur ein Teil einer umfassenderen Strategie sein. Der Verband fordert außerdem eine deutliche Senkung der Luftsicherheitsgebühren. Für die Luftverkehrsteuer brauche es einen konkreten Plan, sie wettbewerbsfähig zu machen und langfristig ganz abzuschaffen. Zugleich dürften neue Kosten an anderer Stelle die Entlastung nicht wieder zunichtemachen.
Auch BDF und Flughäfen mahnen zur Eile
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) nannte eine konkrete Größenordnung. Die An- und Abfluggebühren müssten für 2027 um 100 bis 150 Millionen Euro sinken, sagte BDF-Geschäftsführer Michael Engel. Die Gebühren hätten sich in Deutschland in den vergangenen Jahren verdreifacht. "Die Umsetzung dieses Teils des Beschlusses muss nun sehr schnell kommen, denn die An- und Abfluggebühren für Deutschland werden bis spätestens Dezember für das kommende Jahr festgelegt", sagte Engel. Die Höhe der Gebühr bestimmt der Bundesverkehrsminister jedes Jahr per Kostenverordnung neu, jeweils mit Wirkung für das nächste Jahr.
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) wertete den Beschluss als gute Nachricht für Reisende. Mit einer niedrigeren Luftverkehrsteuer und geringeren Flugsicherungsgebühren benenne die CDU die entscheidenden Hebel, um Airlines wieder für die deutschen Flughäfen zu gewinnen. "Jetzt bedarf es einer gesicherten Finanzierung und einer schnellen Umsetzung im Gesetzgebungsverfahren", teilte der Flughafenverband mit.
Ryanair will Steuer ganz abschaffen
Ryanair begrüßte die Ankündigungen ebenfalls, will aber noch deutlich weiter gehen. "Die vom CDU-Präsidium angekündigte Reduzierung der Luftverkehrsteuer auf ein wettbewerbsfähiges Niveau darf aber nur eines heißen: komplette Abschaffung, und zwar nicht erst mittelfristig, sondern so rasch wie möglich", sagte ein Sprecher gegenüber airliners.de. Davon profitiere neben dem Inlandsverkehr die gesamte internationale Konnektivität. Die Bundesregierung solle die Rahmenbedingungen für den ganzen Markt verbessern, statt sich auf einzelne Strecken zu konzentrieren.
Ryanair hatte mit der Einführung der Luftverkehrsteuer ihre innerdeutschen Flüge eingestellt und zuletzt zahlreiche Verbindungen von und nach Deutschland gestrichen. Für den Fall einer deutlichen Entlastung hatte die Airline zuvor bereits versprochen, ihr Angebot in Deutschland zu verdoppeln.
Die Bundesregierung hatte die Luftverkehrsteuer zum 1. Juli bereits gesenkt. Für die Flugsicherung hatte die Koalition im November 2025 eine erste Gebührensenkung für 2026 angekündigt. Bis 2029 sollten die Gebühren demnach um deutlich mehr als zehn Prozent sinken.
Der innerdeutsche Luftverkehr hat sich von der Corona-Krise bislang nicht erholt. Für den Zeitraum von August bis Januar 2027 rechnet der BDL mit acht Millionen Sitzplätzen im Inlandsverkehr. Das sind sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 47 Prozent des Angebots von 2019.
