Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) rechnet auch in den kommenden sechs Monaten nicht mit einem signifikanten Wachstum im Luftverkehrsangebot von und nach Deutschland.
Mit 129 Millionen Sitzen im Zeitraum von August bis Januar 2027 prognostiziert der BDL nur ein Prozent mehr Angebot als im Vorjahreszeitraum. Die übrigen europäischen Länder würden ihr Angebot im gleichen Zeitraum dagegen um sechs Prozent ausbauen.
Der deutsche Luftverkehr erreicht damit laut BDL erst 92 Prozent des Niveaus von 2019. Europa insgesamt liegt bei 111 Prozent, das übrige Europa ohne Deutschland sogar bei 116 Prozent. Der Abstand zwischen Deutschland und den anderen europäischen Märkten beträgt damit im Schnitt 24 Prozentpunkte. Als Grund nennt der Verband die Doppelbelastung durch hohe Kerosinpreise und überdurchschnittlich hohe staatliche Standortkosten in Deutschland.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückstand laut BDL bei den Punkt-zu-Punkt-Airlines. Im übrigen Europa erreichen sie 143 Prozent des Niveaus von 2019 und kommen auf einen Marktanteil von 44 Prozent. In Deutschland liegt ihre Erholung dagegen nur bei 88 Prozent, bei einem Marktanteil von 28 Prozent. Das Sitzplatzangebot der Lowcost-Airlines von und nach Deutschland liegt damit 55 Prozentpunkte hinter dem der übrigen europäischen Länder zurück.
Auch die europäischen und die außereuropäischen Netzwerk-Airlines bauen ihr Angebot in Deutschland laut BDL in den kommenden sechs Monaten weiter ab, um vier beziehungsweise um zwei Prozent. Ihre Erholung gegenüber 2019 liegt bei 79 und 94 Prozent. Einzig die touristischen Airlines wachsen deutlich: Sie legen um elf Prozent zu und erreichen 149 Prozent des Vorkrisenniveaus. Sie kommen aber lediglich auf einen Marktanteil von 18 Prozent.
Nahost, Westeuropa und Inlandsverkehr schrumpfen
Deutlich rückläufig entwickelt sich das Angebot Richtung Mittlerer Osten und Zentralasien. Wegen des Kriegs in der Region kürzen die Fluggesellschaften auch in den kommenden sechs Monaten ihre Kapazität dorthin im Vorjahresvergleich um neun Prozent auf 4,5 Millionen Sitzplätze.
Doch auch die für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtigen Strecken nach Westeuropa schrumpfen. Das Angebot sinkt um fünf Prozent auf 16,3 Millionen Sitzplätze. Das entspricht 78 Prozent des Niveaus von 2019.
Auch der innerdeutsche Verkehr schrumpft laut BDL weiter um sieben Prozent auf acht Millionen Sitzplätze und erreicht damit nur noch 47 Prozent des Niveaus von 2019. Besonders betroffen sind dezentrale Strecken ohne Anbindung an die Drehkreuze Frankfurt und München, die nur noch auf 20 Prozent des einstigen Angebots kommen. Auf den Drehkreuzverbindungen selbst sinkt die Zahl der angebotenen Sitze um acht Prozent auf 59 Prozent des Niveaus von 2019.