Der US-Flugzeughersteller Boeing hat prognostiziert, dass sich Afrikas kommerzielle Flugzeugflotte bis 2045 mehr als verdoppeln wird. Eine junge und zunehmend urbanisierte Bevölkerung treibe die Nachfrage nach Reisen innerhalb des Kontinents sowie in den Nahen Osten, teilte der Konzern in seiner jährlichen Marktprognose Commercial Market Outlook mit.
Afrikas Flotte soll demnach von 755 Flugzeugen im Jahr 2025 auf 1625 Flugzeuge im Jahr 2045 wachsen. Dafür seien in den kommenden zwei Jahrzehnten 1165 Flugzeugauslieferungen nötig.
Den Großteil davon machen Schmalrumpfflugzeuge aus, die vor allem auf Inlands- und Regionalstrecken eingesetzt werden. Auf sie entfallen 870 der prognostizierten Auslieferungen, etwa drei Viertel des Gesamtvolumens. Hinzu kommen nach Boeings Prognose 240 Großraumflugzeuge, die meist auf längeren internationalen Strecken fliegen, sowie 15 Frachtflugzeuge.
Der Passagierverkehr innerhalb Afrikas soll bis 2045 jährlich um 6,5 Prozent zulegen. Am stärksten wachse der Verkehr zwischen Afrika und dem Nahen Osten: Mit 7,1 Prozent pro Jahr verzeichne diese Verbindung die höchste Rate unter den wichtigsten Reisemärkten der Region. Der Verkehr zwischen Afrika und Europa soll dagegen um 3,4 Prozent jährlich zunehmen.
Frachtflotte soll sich mehr als verdoppeln
Afrikas Frachtflugzeugflotte soll laut Boeing von 60 auf 150 Frachter wachsen. Wachstum in der Logistikbranche, im Onlinehandel und beim Export stützten diese Entwicklung, hieß es in der Prognose.
Fluggesellschaften wie Ethiopian Airlines, Egyptair und Kenya Airways dominieren den afrikanischen Markt. Ihre Flotten bestehen überwiegend aus Boeing- und Airbus-Flugzeugen für Langstreckenverbindungen. Shahab Matin, bei Boeing als Managing Director Commercial Marketing für Afrika und den Nahen Osten zuständig, sagte: "Der afrikanische Markt tritt in eine Phase nachhaltigen Wachstums ein, angetrieben von einer besseren Anbindung, wachsendem Reiseverkehr innerhalb der Region und engeren wirtschaftlichen Beziehungen."
Auf Regionalstrecken setzen Afrikas führende Fluggesellschaften vor allem auf Flugzeuge von Embraer, ATR und De Havilland.
Boeing sieht wachsenden Bedarf an Personal und Wartungsdiensten
Der afrikanische Markt für Luftfahrt-Dienstleistungen – darunter Wartung, Instandhaltung, Überholung, Modifikationen und digitale Services – sei im Zeitraum von 2026 bis 2045 rund 140 Milliarden US-Dollar wert, schätzte Boeing.
Um das Wachstum zu bewältigen, seien 75.000 zusätzliche Fachkräfte in der Luftfahrt nötig, teilte Boeing mit. Dazu zählten 22.000 Piloten, 25.000 Techniker und 28.000 Kabinenbesatzungen.
Boeing wies darauf hin, dass es sich bei der Prognose um einen langfristigen Marktausblick handle, nicht um eine Bestellprognose.