Die weiter eskalierende militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran hat die Ölpreise kräftig steigen lassen und die Aktien von Fluggesellschaften unter Druck gesetzt.
Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 5,2 Prozent, nachdem die USA zum zweiten Mal in Folge rund 90 militärische Ziele entlang der iranischen Küste bombardiert hatten – darunter Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen sowie Raketen- und Drohnenlager. Der Iran reagierte nach eigenen Angaben mit erneuten Angriffen seiner Revolutionsgarden auf US-Stützpunkte in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain.
Die Sorge vor steigenden Treibstoffkosten belastete an der Wall Street die Aktien der Fluggesellschaften United Airlines und Delta Air Lines. Zusätzlich drückte auf die Stimmung, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum erneut senkte – auf ein Plus von drei Prozent – und dabei ausdrücklich vor den anhaltenden Risiken durch den Krieg im Nahen Osten warnte.
US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit noch heftigeren Angriffen. Die Attacken des US-Militärs seien Vergeltungsmaßnahmen für vom Iran beschossene Schiffe, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. "Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!" Das zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte in den frühen Morgenstunden, die neue Angriffswelle sei abgeschlossen. Bereits am Rande des Nato-Gipfels in Ankara hatte Trump die Waffenruhe mit dem Iran offen infrage gestellt und Zweifel an einer Fortsetzung der Verhandlungen mit Teheran geäußert: "Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum."
Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb auf der Plattform X, Amerika habe noch immer nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr folgenlos blieben: "Wenn ihr zuschlagt, werdet ihr selbst getroffen." Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, es werde keine Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges geben, solange die Drohungen andauerten.
Straße von Hormus im Zentrum des Konflikts
Im Zentrum des Konflikts steht die Straße von Hormus, die für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger zentrale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) schätzt, dass der Iran bereit sei, sich auf einen umfassenden Konflikt mit den USA einzulassen, sollte dies zur Sicherung seiner Kontrolle über die Meerenge nötig sein. Die Wiederöffnung der Straße von Hormus ist ein zentrales Element des Rahmenabkommens, auf das sich Washington und Teheran Mitte Juni verständigt hatten – der entsprechende Passus lässt jedoch Interpretationsspielraum, und der Iran pocht darauf, laut Abkommen allein für die Verwaltung der Meerenge verantwortlich zu sein.
Nach Informationen des US-Nachrichtenportals "Axios" bereitet sich das Weiße Haus auf eine mögliche mehrtägige oder sogar mehrwöchige militärische Auseinandersetzung mit dem Iran in der Meerenge vor. Die Dauer und Intensität der Angriffe hingen von den nächsten Schritten Teherans ab, hieß es unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Nach Trumps Darstellung wolle der Iran dennoch weiterhin ein Friedensabkommen: "Sie haben vor kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein Abkommen abschließen", sagte er auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel. Er sei sich aber nicht sicher, ob die iranische Führung eines Abkommens würdig sei.
Iranische Medien berichteten von Explosionen in mehreren Küstengebieten, unter anderem bei der Großstadt Bandar Abbas, der Hafenstadt Buschehr und der Insel Abu Musa. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna wurden zudem Gebäude am Flughafen der Stadt Iranschahr beschädigt sowie eine Eisenbahnbrücke in der Provinz Golestan getroffen. Kuwait geriet nach eigenen Angaben in der zweiten Nacht in Folge unter Raketen- und Drohnenbeschuss, die Luftabwehr habe die Angriffe abgewehrt. Auch in Bahrain heulten erneut die Alarmsirenen. Beide Golfstaaten beherbergen US-Militärbasen, die nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt liegen.
Waffenruhe seit April steht auf der Kippe
Die erneute Eskalation erfolgte während der Trauerfeiern für Irans früheres Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei, der mehr als vier Monate nach seiner Tötung durch einen israelischen Luftangriff in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden sollte. Nach Chameneis Tötung hatten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran geführt, bis im April eine Waffenruhe vereinbart wurde. Der Vermittlerstaat Pakistan rief beide Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf und forderte sie auf, ihren Verpflichtungen aus dem Rahmenabkommen nachzukommen, das eine endgültige Einigung innerhalb von 60 Tagen vorsieht.
Eine nächste Verhandlungsrunde wäre demnach wieder in Pakistan möglich, auch die katarische Hauptstadt Doha gilt als mögliche Option.