Der eskalierte Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat Airline-Aktien weltweit unter massiven Druck gesetzt. Der Ölpreis sprang am Montag um 20 Prozent auf den höchsten Stand seit Juli 2022 – getrieben von Befürchtungen über Angebotsengpässe und anhaltende Störungen der Lieferketten. Für die Luftfahrtbranche, die ohnehin unter geschlossenen Lufträumen und tausenden Flugausfällen leidet, verschärft der Preisanstieg die Lage erheblich.
Allein in Asien verloren die Aktien von Qantas Airways, Air New Zealand, Cathay Pacific, Japan Airlines, Korean Air sowie der chinesischen Airlines China Southern und China Eastern zwischen vier und mehr als zehn Prozent. Indische Carrier wurden ebenfalls hart getroffen: Indigo verlor 7,5 Prozent, Spicejet 5,6 Prozent. Seit Beginn des Konflikts am 28. Februar bis zum 8. März wurden nach Daten des Luftfahrtanalyseunternehmens Cirium mehr als 37.000 Flüge von und nach dem Nahen Osten annulliert.
Treibstoff ist nach den Personalkosten der zweitgrößte Kostenblock für Airlines – er macht in der Regel ein Fünftel bis ein Viertel der Betriebsausgaben aus. Die Kerosinpreise sind innerhalb einer Woche um 15 Prozent gestiegen. Am US-Golfküstenmarkt wurde am vergangenen Donnerstag ein Spotpreis von 4,12 Dollar je Gallone verzeichnet – der höchste Stand seit Juni 2022, wie der Datenanbieter Platts, eine Einheit von "S&P Global Energy", mitteilte. Im Durchschnitt kostet Kerosin laut dem Oil Price Information Service derzeit 2,83 Dollar je Gallone.
"Wenn der Rohölpreis um 20 Prozent steigt, steigt Kerosin ein Vielfaches davon, da es noch knapper ist – das verursacht erhebliche Mehrkosten zusammen mit den Besatzungsressourcen, die durch längere Flugzeiten bei gesperrtem Luftraum strapaziert werden", sagte Subhas Menon, Vorsitzender der Vereinigung der Asia-Pacific-Airlines.
US-Carrier ohne Absicherung – Europa und Asien besser aufgestellt
Während europäische und asiatische Gesellschaften wie Air France-KLM und Cathay Pacific aktive Kerosin-Hedging-Bücher unterhalten, haben US-amerikanische Airlines diese Praxis in den vergangenen zwei Jahrzehnten weitgehend aufgegeben. Southwest beendete das Hedging zuletzt 2025 und bezeichnete es als kostspielig und unzuverlässig.
Beim Hedging sichern sich Airlines über derivative Finanzkontrakte gegen Kerosinpreisanstiege ab. Das Instrument kann jedoch auch zum Nachteil werden, wenn die Preise fallen und die Carrier durch Swap-Kontrakte über Marktpreisen einkaufen müssen.
Ohne diese Absicherung sind US-Carrier einem anhaltenden Preisanstieg direkt ausgesetzt. Delta Air Lines bezifferte in seinem Jahresbericht, dass ein Cent mehr je Gallone die jährlichen Treibstoffkosten um rund 40 Millionen Dollar erhöht. Bei American Airlines beläuft sich dieser Wert auf rund 50 Millionen Dollar, bei Southwest auf 22 Millionen Dollar. Für United Airlines schätzte das Analysehaus TD Cowen den Gewinn je Aktie im laufenden Quartal auf nur noch fünf bis 22 Cent – deutlich unter der eigenen Januarprognose von 1,00 bis 1,50 Dollar. In Summe drohen den vier großen US-Carriern bei anhaltend hohen Preisen laut Reuters-Berechnungen zusätzliche Treibstoffkosten von insgesamt 5,8 Milliarden Dollar.
Delta verfügt über einen teilweisen Puffer: Eine konzerneigene Raffinerie in Pennsylvania mit einer Tageskapazität von rund 190.000 Barrel deckt nahezu drei Viertel des Delta-Kerosinbedarfs ab. Sie schützt den Konzern vor dem Raffinierungsaufschlag, nicht jedoch vor Schwankungen im Rohölpreis.
Betrieb unter erschwerten Bedingungen
Airlines sehen sich mit erheblichen operativen Mehrbelastungen konfrontiert: Flugzeuge müssen umgeleitet werden, größere Treibstoffreserven für mögliche Ausweichmanöver mitführen oder zusätzliche Zwischenstopps einplanen. Gemeinsam befördern Emirates, Qatar Airways und Etihad normalerweise rund ein Drittel aller Passagiere auf Strecken von Europa nach Asien sowie mehr als die Hälfte aller Passagiere von Europa nach Australien, Neuseeland und die Pazifikinseln, wie Cirium-Daten zeigen.
Turkish Airlines sowie die Schwestergesellschaften Ajet, Pegasus und Sun Express haben Flüge nach Irak, Syrien, Libanon und Jordanien bis zum 13. März annulliert, wie der türkische Verkehrsminister Abdülkadir Uraloglu am Sonntag mitteilte. Air India hat dagegen Dutzende zusätzliche Flüge nach Europa und Nordamerika bis zum 18. März eingerichtet, um die durch den gesperrten Nahost-Luftraum gestiegene Nachfrage nach Direktverbindungen zu bedienen.
Mit der Eskalation des Konflikts wächst auch der Druck auf das fliegende Personal. Piloten berichteten "Reuters", dass die Häufung von Konflikten – von der Ukraine über Afghanistan bis zum Nahen Osten – die psychische Belastung erhöhe, da sie zunehmend enges Luftraummanagement und eine wachsende Zahl militärischer Drohnen bewältigen müssten.