Die US-Billigflieger verlangsamen ihr Kapazitätswachstum, um ihre Preissetzungsmacht angesichts der nachlassenden Nachfrage nach Inlandsreisen zu schützen. Gleichzeitig treiben höhere Lohn- und Treibstoffkosten sowie Triebwerksprobleme ihre Kosten in die Höhe und schmälern ihre Gewinne, so die Fluggesellschaften.
Southwest Airlines, die größte inneramerikanische Fluggesellschaft, erwartet für das Januar-März-Quartal ein Kapazitätswachstum von zehn bis zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt damit unter ihrer vorherigen Schätzung von 14 bis 16 Prozent. Außerdem hat das Unternehmen seine Pläne für das Kapazitätswachstum bis 2024 gesenkt, um sie besser an die aktuellen Nachfragetrends anzupassen.
Das in Dallas ansässige Unternehmen erklärte, dass die Gesamtnachfrage nach Reisen zwar stabil bleibe, die Buchungen im August und September jedoch geringer als erwartet ausgefallen seien.
Für das Dezemberquartal prognostiziert Southwest einen Rückgang des Umsatzes pro verfügbarer Sitzmeile um neun bis elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, da die Kapazitäten über dem saisonalen Durchschnitt liegen.
Spirit im Spagat zwischen Verlusten und Jetblue-Übernahme
Unabhängig davon erklärte die Ultra-Low-Cost-Fluggesellschaft Spirit Airlines, dass sie angesichts der schwächeren Nachfrage ihr Wachstumsprofil überprüfe.
"Leider haben wir nicht die erwartete Rückkehr zu einem normalen Nachfrage- und Preisumfeld für die Haupturlaubszeiten erlebt", so Spirit.
Das in Florida ansässige Unternehmen hat für das Märzquartal 2024 ein jährliches Kapazitätswachstum von sieben Prozent prognostiziert, was unter dem geschätzten Wachstum von 14 Prozent im laufenden Quartal liegt.
Jetblue möchte Spirit Airlines übernehmen, hat jedoch mit Vorbehalten der US-Regierung zu kämpfen. Nach Ansicht der Politik würde der Zusammenschluss weniger Angebot bei gleichzeitig höheren Preisen bedeuten. Jetblue möchte dafür Zugeständnisse machen und Slots von Spirit abgeben.
Beide Fluggesellschaften sind der Ansicht, dass sie nur zusammen konkurrenzfähig gegenüber den Legacy-Carriern bleiben können. Die vier größten Fluggesellschaften des Landes – American Airlines, Delta Air Lines, United Airlines und Southwest – teilen sich 80 Prozent des Marktes. Mit dem Zusammenschluss von Jetblue und Spirit würden beide gemeinsam zur fünftgrößten Fluggesellschaft des Landes aufsteigen.
Spirit Airlines hat bereits seit geraumer Zeit mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Ultra-Low-Cost-Carrier macht seit drei Jahren keinen Gewinn mehr.
Triebwerksprobleme treffen vor allem Spirit
Der Konkurrent Frontier Airlines gab keine Schätzung für das erste Quartal ab, aber das Kapazitätswachstum wird im laufenden Quartal voraussichtlich um bis zu neun Prozentpunkte geringer ausfallen als im Vorquartal.
Der CEO von BOC Aviation, Robert Martin geht im Interview mit "Flight Global" davon aus, dass die US-amerikanischen Low-Cost-Carrier vor größeren Herausforderungen stehen als die Full-Service-Carrier in den USA. Die Ergebnisse des dritten Quartals zeigen eine Zweiteilung zwischen Netzwerk-Carriern und Low-Cost-Carriern, wobei die Netzwerk-Carrier besser abschneiden.
In der Zwischenzeit treiben die knapperen Rohölvorräte und die höheren Lohnkosten die Treibstoff- und Lohnkosten in die Höhe. Southwest prognostiziert für das nächste Jahr einen stärkeren Kostenanstieg.
Bei Spirit Airlines hat ein Problem mit den "Pratt & Whitney"-Geared-Turbofan-Triebwerken (GTF) von RTX die betrieblichen Herausforderungen noch verschärft. Spirit Airlines ist der größte Betreiber von GTF-getriebenen Airbus-A320-Neo-Flugzeugen in den Vereinigten Staaten.
Pratt & Whitney habe Spirit vor kurzem mitgeteilt, dass alle GTF-Triebwerke der A320-Neo-Teilflotte, einschließlich der Triebwerke, die für künftige Flugzeugauslieferungen vorgesehen sind, in einem potenziellen Pool zur Überprüfung und zum möglichen Austausch stehen.
Spirit geht davon aus, dass im Dezemberquartal durchschnittlich zehn Flugzeuge am Boden bleiben werden, was sich auf die Margen in diesem Quartal auswirken wird. Es wird geschätzt, dass die Zahl der gegroundeten Flugzeuge im Jahr 2024 stetig steigen wird, von 13 im Januar auf 41 im Dezember.
Europa bestätigt den Trend nicht
Auch in Europa treffen die Triebwerksprobleme von Pratt & Whitney Airlines, allen voran Low-Cost-Carrier Wizz Air.
Von 179 Flugzeugen müssen im kommenden Jahr demnach 45 zur Wartung ausgemustert werden. Um das abzufedern, wird Wizz Air 18 bereits ausgemusterte A320 wieder einflotten, die Leasingvereinbarungen für 13 Bestandsmaschinen verlängern und 39 neue Flugzeuge übernehmen. Wizz Air wird damit ebenfalls nicht so wachsen können, wie zuvor prognostiziert.
Durchschnittlich bestätigen die europäischen Low-Cost-Carrier, zumindest im aktuellen Winterflugplan, jedoch nicht den US-amerikanischen Trend. Über alle Low-Cost-Anbieter hinweg wächst das Segment in Deutschland sogar mit leicht überdurchschnittlichen 14,2 Prozent.
Treiber im Punkt-zu-Punkt-Segment sind dabei neben Ryanair und Wizz Air vor allem Pegasus und Volotea.
Ryanair erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Rekordgewinn und setzt weiter auf Wachstum. Lediglich die vollen Auftragsbücher bei Boeing könnten den Iren einen Strich durch die Rechnung machen. Ryanair erwartet für das Geschäftsjahr bis März 2024 einen Anstieg des Verkehrsaufkommens um neun Prozent auf den Rekordwert von 183,5 Millionen Passagieren.