Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan, reist in dieser Woche zu einem Staatsbesuch nach Berlin. Das berichtete die "Berliner Zeitung". Wie airliners.de aus Insiderkreisen erfuhr, steht bei dem Besuch tatsächlich auch der jahrelange Streit um zusätzliche Emirates-Flüge nach Deutschland auf der Agenda.
Im Gespräch ist laut "Berliner Zeitung" ein Kompromiss, der der Fluggesellschaft Emirates sieben zusätzliche wöchentliche Deutschland-Flüge und damit einen fünften Zielort neben Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg einbringen könnte.
Der Vorschlag würde die Wünsche der Airline nur zur Hälfte erfüllen. Emirates hatte zuletzt sowohl den Flughafen Berlin-Brandenburg als auch Stuttgart auf die Wunschliste gesetzt. Mit den zusätzlichen Frequenzen ließe sich aber immerhin ein fünfter deutscher Standort täglich mit einem Hin- und Rückflug bedienen.
Seit Jahrzehnten drängt Emirates auf mehr Flugrechte in Deutschland. Ein Luftverkehrsabkommen begrenzt die Airline bislang auf vier Zielorte. Schon im Februar hatte das Thema bei einer Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an den Golf eine Rolle gespielt.
Erst im Sommer hatten die Emirate den Wunsch bekräftigt, das Abkommen mit dem Bundesverkehrsministerium neu zu verhandeln. Emirates-Präsident Sir Tim Clark stellte im Juni konkrete Pläne für den Hauptstadtflughafen vor. Demnach soll eine Boeing 777-300ER täglich zwischen Dubai und Berlin verkehren, mit allen vier Komfortklassen der Airline und einer Frachtkapazität von 280 Tonnen pro Woche und Richtung. "Sieben Schritte nach vorn, fünf Schritte zurück", fasste Clark die Verhandlungen im Sommer zusammen, zeigte sich aber überzeugt, dass sich die Diskussion in die richtige Richtung bewege.
Widerstand bröckelt nur minimal
Bislang blockierten sowohl die Lufthansa als auch die Bundesländer Hessen und Bayern eine Ausweitung der Streckenrechte. Der Widerstand bröckelt jedoch nach Einschätzung von Beobachtern zunehmend. In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" forderte der Vizevorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Sepp Müller (CDU), ein Ende der aus seiner Sicht politisch verordneten Abschottung. Seit Jahren blockierten etablierte Anbieter mit Unterstützung einzelner politischer Akteure zusätzliche Landerechte am Hauptstadtflughafen und in Stuttgart, schrieb der Politiker aus Sachsen-Anhalt.
Vor dem Staatsbesuch meldete sich nun auch die European Cockpit Association (ECA) zu Wort. Der Dachverband, der nach eigenen Angaben mehr als 44.000 Piloten in Europa vertritt, forderte die Bundesregierung auf, der Emirates keine zusätzlichen Verkehrsrechte einzuräumen, solange keine fairen Wettbewerbsbedingungen bestünden. Zusätzliche Rechte könnten den Verkehr zwischen Europa und wichtigen internationalen Märkten dauerhaft umlenken, warnte der Verband. Würden mehr Passagiere über nichteuropäische Drehkreuze geführt, drohe Europa Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
Auch SPD-Fraktionsvize Armand Zorn sieht eine mögliche Ausweitung von Verkehrsrechten für Emirates kritisch. "Bevor wir zusätzliche Marktzugänge schaffen, müssen wir genau prüfen, unter welchen Bedingungen der Wettbewerb stattfindet und welche Auswirkungen das auf unsere Unternehmen und Beschäftigten hat", sagte Zorn der "Deutschen Presse-Agentur". "Zusätzliche Verkehrsrechte dürfen nicht dazu führen, dass Verkehre und Wertschöpfung verlagert werden und dadurch deutsche Drehkreuze und wichtige Zubringerverbindungen weiter unter Druck geraten."
Ob das Emirates-Thema beim Staatsbesuch diese Woche tatsächlich vertieft behandelt wird, gilt aktuell in Berlin allerdings wieder als offen. Nach den jüngsten Ergebnissen der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ist die politische Lage um Bundeskanzler Merz angespannt. Das könnte das Thema nach Einschätzung von Beobachtern wieder weiter nach hinten rücken.