Emirates drängt weiter auf Zugang zum Berliner Flughafen. Obwohl die Fluggesellschaft aus Dubai nach Angaben ihres Präsidenten Tim Clark bereits Slots am Airport gesichert hat, fehlt bislang die behördliche Genehmigung für den Betrieb. Emirates kämpft seit langem um Präsenz in der deutschen Hauptstadt.
Mit einem flankierenden Investitionsversprechen erhöht die Airline nun den Druck. Die Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sei bereit, jährlich mehr als 100 Millionen Euro in tägliche Linienflüge nach Berlin und Stuttgart zu investieren – vorbehaltlich einer Genehmigung des Bundesverkehrsministeriums, teilte Emirates am Montag mit. Clark gab sich in einem parallelen Mediengespräch entschlossen: "Wir werden das bekommen. Wir sind fest entschlossen. Und wir werden gewinnen", sagte er.
Geplant sind nach Angaben von Emirates tägliche Umläufe mit Boeing 777-300ER in Vier-Kabinen-Konfiguration mit First Class, Business Class, Premium Economy und Economy. Im Mediengespräch skizzierte Clark einen konkreten Flugplan für Berlin: Abflug gegen 8 Uhr in Dubai, Ankunft am BER zwischen 11 und 12 Uhr im Winter, im Anschluss der Rückflug nach Dubai. Berlin habe Nachfrage in allen Klassen, getrieben durch Diplomatie, Geschäftsreisen und Verwandtenbesuche.
Den Status quo am Berliner Flughafen bewertete Clark als nicht hauptstadtwürdig. Bei seiner Anreise habe er fast ausschließlich Single-Aisle-Maschinen gesehen. "Das ist kein Hauptstadtflughafen wie Paris, London, Peking oder Sydney – das ist eine wirklich traurige Situation", sagte der Emirates-Präsident. Mit Ausnahme der Qatar Airways komme praktisch kein interkontinentaler Carrier nach Berlin. Den katarischen Wettbewerber wertet Clark dabei aber nicht als zentrales Hindernis: Mehr Angebot schaffe mehr Nachfrage, es gebe genug Märkte von und nach Berlin.
Clark wirft Lufthansa "Star-Alliance-Kartell" vor
Schärfer geht Clark mit der Lufthansa ins Gericht. Die deutsche Konkurrentin operiere "innerhalb des Star-Alliance-Kartells", sagte er. Die Lufthansa habe "fast wie einen Schutzschild" Austrian, Swiss, Brussels Airlines und ITA Airways um sich versammelt und sei dabei, ihre Marketingmacht in Europa zu stärken.
Die Lufthansa argumentiert seit Jahren, Golf-Carrier genössen in Europa einen ungerechtfertigten regulatorischen Vorteil. Clark hält davon wenig: "Es ist ein börsennotiertes Unternehmen, das seinen eigenen Kampf führen sollte, ohne zur Regierung zu gehen und sich hinter deren Rockzipfeln zu verstecken", sagte er.
Emirates-Präsident Tim Clark spricht im Vorfeld der ILA 2026 in Berlin vor Journalisten. : Tim Clark sitzt an einem gedeckten Tisch vor Emirates-Bannern und spricht mit Journalisten. Auf dem Tisch stehen Wasserflaschen, Gläser und ein Flugzeugmodell; draußen ist helles Tageslicht zu sehen. © airliners.de
Auch die Bundesregierung selbst attackierte Clark. Welchen Wert es habe, ausländische Carrier vom deutschen Markt fernzuhalten – gerade in wirtschaftlich angespannter Lage –, fragte er sinngemäß.
Clark verwies in diesem Zusammenhang auf eine Zusage von Altkanzlerin Angela Merkel an den Herrscher Dubais: Mit der Eröffnung des neuen Berliner Flughafens, so der damalige Tenor, dürfe Emirates dorthin fliegen. Clarks Kommentar dazu heute: "Aber das ist nicht passiert."
Clark zeigte sich unbeeindruckt vom finanziellen Druck durch den Krieg im Nahen Osten. Emirates habe keine Absicht, Kapazitäten zu reduzieren, sagte er. Die Airline leitet Passagiere weiterhin über Dubai zu Zielen wie Indien und Australien und greift dabei auf Vorsichtsmaßnahmen wie zusätzliche Treibstoffreserven zurück. Die Mehrkosten beunruhigten ihn nicht, so Clark.
Ausbau in Deutschland und Starlink-Rollout
Über Berlin hinaus strebt Emirates eine breitere Expansion in Deutschland an. Zuletzt hatte die Merz-Reise in die Golfstaaten neue Perspektiven für zusätzliche Verbindungen eröffnet, auch Stuttgart steht als möglicher weiterer Anflugpunkt im Raum.
Stuttgart als Wirtschaftsmotor Baden-Württembergs sei bei Langstreckenverbindungen unterversorgt, heißt es in der Emirates-Mitteilung. Hersteller, Zulieferer und Handelspartner aus einem der exportstärksten Bundesländer Deutschlands seien auf entsprechende Anbindung angewiesen. Derzeit werde Stuttgart nur saisonal und mit Schmalrumpfgerät direkt mit Dubai verbunden.
Die neuen Verbindungen würden den Verkehr deutscher Fluggesellschaften nicht kannibalisieren, sondern eine Lücke schließen, argumentiert Emirates. Die Airline verbinde Deutschland bereits mit 50 Zielen in Afrika, Nahost, Südostasien und Australasien, die von keiner deutschen Fluggesellschaft direkt bedient würden.
Parallel rollt Emirates auf möglichst vielen Flugzeugen kostenloses Starlink-Internet aus – trotz begrenzter Verfügbarkeit der Hardware.
Emirates hat die Luftfahrtmesse ILA regelmäßig als Plattform genutzt, um auf ihren Beitrag zur deutschen Wirtschaft hinzuweisen. Das reicht zurück bis zu einer Bestellung von 32 weiteren Airbus A380 im Jahr 2010, mit der tausende deutsche Arbeitsplätze gesichert wurden. Die Kampagne um mehr Zugang zum deutschen Markt läuft seit Jahren – mit wechselndem Erfolg.