Southwest Airlines tendiert Insidern zufolge zur Boeing 787. Die US-Airline wägt ab, ob sie internationale Langstreckenflüge aufnimmt. Das geht aus den Angaben von drei mit der Flottenplanung vertrauten Personen hervor.
Die Insider wollten wegen der vertraulichen Beratungen namentlich nicht genannt werden. Sie warnten, es sei noch keine endgültige Entscheidung über das Flugzeug gefallen. Sie liege letztlich beim Verwaltungsrat der Airline. Dieser hatte im vergangenen Jahr einen Ausschuss zur Flottenaufsicht (Fleet Oversight Committee) gebildet, der die Strategie für den Kauf neuer Flugzeuge begleiten soll.
Eine der Personen sagte, Southwest habe eine Flotte von Dutzenden 787 in Betracht gezogen. Welche Variante der 787 die Airline erwägt, ist unklar.
Southwest ging nicht direkt auf Fragen zur 787 ein. Die Airline erklärte, es habe keine Neuigkeiten zu seinen Flottenplänen in Aussicht. Boeing verwies bei Fragen zu den Plänen auf die Airline. Airbus erklärte, man äußere sich nicht zu Gesprächen mit Fluggesellschaften.
Southwest hat bislang öffentlich kein Flugzeugmuster für die Langstrecke genannt. Im September sagte Finanzvorstand Tom Doxey, internationale Langstreckenflüge zählten zu mehreren Optionen, die geprüft würden. Eine Entscheidung sei aber nicht gefallen.
Airbus wirbt um Southwest
Southwest fliegt derzeit ausschließlich mit einer Boeing-737-Flotte. Airbus wirbt nach Angaben mit den Gesprächen vertrauter Personen aber offensiv um die Airline, während diese ihren künftigen Flottenbedarf prüft. Der Airbus A321 XLR und der Airbus A330 Neo könnten den Langstreckenbedarf decken. Die kleinere A220 sei für andere Teile des Netzes angeboten worden.
Eine Entscheidung für Airbus würde bedeuten, dass Southwest ihre Flotte diversifizieren müsste. Die 787 habe in den Gesprächen offenbar die stärkere Position, sagten die Personen.
Die Pilotengewerkschaft Southwest Airlines Pilots Association hat öffentlich angedeutet, dass mehr als ein Weg geprüft wird. An ihrer Spitze steht Jody Reven. In einem kürzlich veröffentlichten Podcast der Gewerkschaft sagte Reven, Southwest habe sowohl über ein großes Flugzeug als auch über ein Schmalrumpfflugzeug für die Langstrecke gesprochen.
Verfügbarkeit bestimmt den Zeitplan
Über die Langstreckenpläne sei in einem Zeitrahmen von etwa drei Jahren gesprochen worden, sagte eine der Personen. Die Verfügbarkeit der Flugzeuge könne den Zeitpunkt aber beeinflussen. Boeing hat erklärt, die 787 sei bis zum Ende des Jahrzehnts ausverkauft.
Southwest habe geprüft, wie schnell sie an Flugzeuge kommen könnte, auch über Leasinggeber oder den Gebrauchtmarkt, so zwei der Personen. Eine der Personen sagte, die Airline habe erkundet, einen Teil der "Dreamliner" über Leasinggeber zu beziehen. Das könnte einen früheren Start ermöglichen. Eine andere Person sagte, für die erste Flotte seien auch Flugzeuge vom Gebrauchtmarkt erwogen worden. Ob bereits Leasingvereinbarungen getroffen wurden, ist unklar.
Ein Großraumflugzeug wie die 787 wäre ein größeres Vorhaben als der Ausbau des bestehenden 737-Betriebs. Southwest erklärte, ein neuer Flugzeugtyp könne neue Wartungs- und Schulungsprogramme, behördliche Genehmigungen und Verhandlungen mit den Gewerkschaften über Bezahlung und Arbeitsregeln erfordern.
Neue Phase im Umbau der Airline
Die Überlegungen würden den Umbau von Southwest in eine neue Phase führen. Die Airline hat zugewiesene Sitzplätze und Sitze mit mehr Beinfreiheit eingeführt und Flughafenlounges sowie eine Premium-Kreditkarte angekündigt. Damit will sie zahlungskräftigere Reisende gewinnen.
Eine Großraumflotte würde Southwest in den Langstreckenverkehr und in direktere Konkurrenz zu größeren US-Wettbewerbern bringen. Die Airline hat den Ausbau der Langstrecke öffentlich als Teil eines breiteren Vorhabens dargestellt. Kunden sollen weniger Gründe haben, bei Wettbewerbern zu buchen. Zugleich will Southwest das Vielfliegerprogramm Rapid Rewards und das Geschäft mit Co-Branding-Kreditkarten stärken.
Vorstandsvorsitzender Bob Jordan erklärte, Southwest brauche kein Langstreckennetz wie das von Delta Air Lines, United Airlines oder American Airlines. Im Mai sagte er, acht bis zwölf Langstreckenziele könnten einen Großteil dessen abdecken, wohin die Kunden von Southwest reisen wollten.
