Das Sitzplatzangebot der Airlines auf allen Verbindungen von, nach und innerhalb Deutschland beläuft sich in den Monaten Mai bis Oktober auf insgesamt 147,6 Millionen Plätze. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das kein Wachstum – die angebotene Kapazität stagniert bei 93 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019.
Das geht aus der aktuellen Vorausschau des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hervor, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde.
Im übrigen Europa wächst das Angebot dagegen weiterhin dynamisch: um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 116 Prozent des Niveaus von 2019. Damit hat sich der Abstand zwischen dem deutschen Markt und dem Rest des Kontinents auf durchschnittlich 23 Prozentpunkte ausgeweitet.
Besonders deutlich wird die Schere bei den europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines – also Carriern wie Ryanair, Easyjet oder Wizz Air. Im restlichen Europa erreichen diese Gesellschaften 143 Prozent des Angebots von 2019 und halten 45 Prozent Marktanteil. In Deutschland liegt ihr Angebot 55 Prozentpunkte hinter diesem Wert zurück. Ihr Marktanteil beträgt hier lediglich 29 Prozent. Europäische Netzwerk-Airlines kommen von Deutschland aus nur auf 83 Prozent des Vorkrisenniveaus.
Besonders gravierend ist die Lage beim innerdeutschen Verkehr: Das dezentrale Streckennetz – Verbindungen, die weder Frankfurt noch München berühren – kommt noch auf 19 Prozent des Angebots von 2019. Im Vergleich zum Vorjahr verliert es weitere sechs Prozent. Verbindungen über die beiden Drehkreuze erreichen immerhin 67 Prozent und legen leicht zu.
Als Hauptursache für die schleppende Entwicklung in Deutschland nennt der BDL die nach wie vor sehr hohen staatlichen Steuern und Gebühren.
Westeuropa- und Nahost-Verbindungen unter Druck
Auf der Kurzstrecke fallen insbesondere die Verbindungen nach Westeuropa ins Gewicht: Routen in die Benelux-Staaten, nach Frankreich, ins Vereinigte Königreich und nach Irland schrumpfen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent – Verbindungen, die der BDL ausdrücklich als wirtschaftlich bedeutsam für den Standort Deutschland einordnet. Das Gesamtangebot auf europäischen Kurz- und Mittelstrecken von und nach Deutschland liegt mit 98 Prozent noch immer knapp unter dem Niveau von 2019.
Auf der Langstrecke verringert sich das Angebot in Richtung Mittlerer Osten und Zentralasien kriegsbedingt um acht Prozent, nachdem die Airlines in der Region Kapazitäten zurückgezogen haben. Das Angebot nach Nordamerika ist ebenfalls leicht rückläufig. Wachstum gibt es hingegen bei den Verbindungen nach Afrika (+19 Prozent) und Lateinamerika (+14 Prozent), wenngleich auf niedrigem absolutem Niveau.