Singapurs Regierung hat im Parlament die Beteiligung von Singapore Airlines an Air India verteidigt. Verkehrsminister Jeffrey Siow sagte, die Fluggesellschaft müsse im Ausland expandieren, um weiter zu wachsen. Der Politiker begündete dies damit, dass es nur begrenzt Menschen gebe, die von und nach Singapur fliegen würden. Über den Erfolg der Investition müssten das Unternehmen und seine Aktionäre selbst urteilen.
Die Aussagen markieren den vorläufigen Höhepunkt von zwei Wochen öffentlicher Debatte über eine Anfrage der Air India nach zusätzlichem Eigenkapital von rund 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) von den Eigentümern Tata Sons und Singapore Airlines.
Siow sagte im Parlament, die Fluggesellschaft sei ein börsennotiertes Unternehmen, das Investitionen aus der eigenen Bilanz finanziere. Sie habe von den Aktionären kein zusätzliches Kapital angefordert.
Der Aufbau international wettbewerbsfähiger Unternehmen bedeute, so Siow, in schwierige Märkte einzutreten, in denen andere Wettbewerber schon aktiv seien. Auch in stürmischen Zeiten müsse ein Unternehmen dort Kurs halten. Beides zugleich sei nicht möglich. Ein Land könne seine Unternehmen nicht zum Auslandsgeschäft ermuntern und ein schwieriges Jahr im Ausland anschließend als Beleg dafür werten, dass sie besser zu Hause geblieben wären.
Air-India-Beteiligung belastet Bilanz von Singapore Airlines
Die Beteiligung an Air India belastet die Ergebnisse von Singapore Airlines. Der Verlust der Air-India-Gruppe weitete sich im Geschäftsjahr bis März auf 2,33 Milliarden US-Dollar aus – mitten in einem mehrere Milliarden US-Dollar schweren Sanierungsprogramm, das bis zu einem Jahrzehnt dauern könnte.
Siow sagte, viele Auslandsinvestitionen brächten nicht sofort Erträge. Ob sich die Investition in Air India als wertvoll erweise, sei allein Sache der Singapore Airlines und ihrer Aktionäre.
Singapore Airlines teilte mit, Investitionen in Indien seien und würden weiterhin aus eigenen Mitteln finanziert, vorbehaltlich der Zustimmung des Verwaltungsrats und eines disziplinierten Kapitalallokationsrahmens. Die Transformation von Air India sei ein komplexes, mehrjähriges Programm, das nicht linear verlaufe. Die Investition sei eine langfristige strategische Verpflichtung im Rahmen der Multi-Hub-Strategie des Konzerns.
Chronik: Singapore Airlines' bisherige Beteiligungen an anderen Fluggesellschaften
Air India fordert von ihren Eigentümern Singapore Airlines und Tata Sons zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Singapore Airlines hält 25,1 Prozent an der indischen Fluggesellschaft. Singapurs Verkehrsminister sagte, Singapore Airlines müsse im Ausland expandieren, um weiter wachsen zu können.
1999: Singapore Airlines erwarb für 600 Millionen britische Pfund einen 49-Prozent-Anteil an Virgin Atlantic. Die Fluggesellschaft erhoffte sich davon eine Genehmigung für Transatlantikflüge ab London. Diese Genehmigung blieb aus. 2012 verkaufte Singapore Airlines die Beteiligung für 224 Millionen britische Pfund an Delta Air Lines.
2000: Singapore Airlines übernahm einen 25-Prozent-Anteil an Air New Zealand. Nachdem die neuseeländische Regierung die Fluggesellschaft gestützt und 2001 die Mehrheit übernommen hatte, wurde die Beteiligung verwässert. 2004 zog sich Singapore Airlines aus dem verbliebenen 6,3-Prozent-Anteil zurück, zu Kosten von rund 336 Millionen US-Dollar.
2007: Die zu 49 Prozent an Singapore Airlines beteiligte Tiger Airways gründete Tiger Airways Australia. Die Tochter schrieb über Jahre hinweg Verluste. 2013 übernahm Virgin Australia 60 Prozent von Tiger Airways Australia, ehe sie 2014 den Rest für einen australischen Dollar erwarb.
2012: Singapore Airlines erwarb für 105 Millionen australische Dollar einen Zehn-Prozent-Anteil an Virgin Australia. 2013 kam ein weiterer 9,9-Prozent-Anteil für 122,6 Millionen australische Dollar hinzu. Nachdem Virgin Australia 2020 im Zuge der Corona-Pandemie ein Sanierungsverfahren nach australischem Recht (voluntary administration) durchlaufen hatte, schrieb Singapore Airlines die Beteiligung vollständig ab.
2014: Scoot, die Billigflug-Tochter von Singapore Airlines, gründete mit der thailändischen Nok Air ein Gemeinschaftsunternehmen. Es erwirtschaftete nie einen Gewinn und wurde 2020 während der Corona-Pandemie liquidiert. Singapore Airlines verbuchte dafür eine einmalige Abschreibung von 123,6 Millionen Singapur-Dollar.
Vorwurf von Rassismus überschattet die Debatte
Premierminister Lawrence Wong verurteilte zuvor rassistische Anfeindungen im Internet im Zusammenhang mit der Debatte. Tags zuvor hatte Senior Minister K. Shanmugam die Polizei aufgefordert, rassistische Kommentare zur Air-India-Investition sowie zu vermissten Singapurern bei den Sturzfluten in Nepal zu prüfen.
Shanmugam sagte, Temasek erwarte als Aktionär der Singapore Airlines verantwortungsvolle Investitionsentscheidungen des Unternehmens. Diese Entscheidungen treffe aber das Unternehmen selbst. "Diese Nachricht hat im Internet eine ganze Reihe anti-indischer, rassistischer Tiraden ausgelöst", sagte Shanmugam. Der Vorstandsvorsitzende und die Führungsriege von Temasek seien wegen ihrer ethnischen Herkunft angegriffen worden, fügte er hinzu. Eine Stellungnahme von Temasek zu den Aussagen blieb zunächst aus.
Der Oppositionsabgeordneten Kenneth Tiong sagte vor dem Parlament, er weise Rassismus und Fremdenfeindlichkeit kategorisch zurück. Seine Fragen hätten sich auf eine rein kommerzielle Angelegenheit bezogen.
Auslöser der Parlamentsdebatte war ein Vorstoß von Tiong (Workers' Party). Er hatte im vergangenen Monat gefordert, keine Mittel des Staatsfonds Temasek zur Stützung von Air India zu verwenden. Temasek, das die Mehrheit an Singapore Airlines hält, äußerte sich daraufhin öffentlich unterstützend zu der Fluggesellschaft, die ihrerseits 25,1 Prozent an der Air India hält.