Ryanair streicht im Winterflugplan 2026/27 in Deutschland insgesamt 700.000 Sitzplätze und schließt am 24. Oktober ihre Berliner Basis. Die Kapazität in Deutschland sinkt damit um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die Airline nun bestätigte. Sie begründet die Kürzungen mit hohen Standortkosten und forderte von der Bundesregierung, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen.
Am stärksten betroffen ist Berlin. Die Basis mit sieben Flugzeugen schließt am 24. Oktober, wie Ryanair bereits Ende April angekündigt hatte. Die Kapazität am Flughafen halbiert sich dadurch im Winter. Die Flugzeuge wechseln an Flughäfen in anderen EU-Staaten, die nach Darstellung der Airline die Luftverkehrsteuer abgeschafft und ihre Gebühren gesenkt haben.
Zwölf Strecken ab Berlin entfallen. Betroffen sind Bologna, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Marseille, Palermo, Pisa, Reggio Calabria, Tallinn, Thessaloniki, Triest und Vilnius. Auf den übrigen Verbindungen sinken die Frequenzen. Im April hatte die Airline noch von zehn gestrichenen Strecken gesprochen, ohne diese zu nennen.
In Hamburg kürzt Ryanair das Angebot um fünf Prozent. Zulegen will die Airline dagegen in Memmingen um zwölf Prozent und in Köln um zehn Prozent. Beide Flughäfen arbeiten nach Darstellung der Airline aktiv daran, ihre Kosten zu senken.
Ryanair forderte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) auf, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen und die Zugangskosten für alle Airlines zu senken. Ryanair-Chef Eddie Wilson verlangte, die Kosten für Sicherheit und Flugsicherung ebenso zu halbieren wie die Zugangskosten der Flughäfen. "Ryanair ist bereit, Flugzeuge, Strecken, Verkehr und Arbeitsplätze in Deutschland hinzuzufügen – aber nur, wenn die Bundesregierung endlich handelt, um ihre Flughäfen wettbewerbsfähig zu machen", sagte er.
Streit um die Berliner Entgelte
Für Berlin nannte Ryanair gestiegene Entgelte als Hauptgrund. Der Flughafen habe seine Gebühren seit 2019 um mehr als 50 Prozent erhöht, erklärte die Airline. Das Passagieraufkommen sei von 36 Millionen im Jahr 2019 auf 26 Millionen im Jahr 2025 gefallen.
Die Betreibergesellschaft des Berliner Flughafens wies darauf hin, dass andere Fluggesellschaften am Standort wachsen. "Sechs der zwölf von Ryanair gestrichenen Verbindungen werden von anderen Airlines übernommen oder bereits bedient", teilte ein Sprecher mit. Reisende könnten im Winterflugplan aus mehr Airlines und Zielen auswählen als im Vorjahr. Die von Ryanair gekürzte Kapazität könne aber nicht vollständig ausgeglichen werden.
Ansonsten teile man die Einschätzung der gesamten Luftverkehrsbranche, dass die staatlich bedingten Standortkosten eine erhebliche Belastung darstellten. Man konzentriere sich darauf, die Kosten in den Bereichen zu senken, die man beeinflussen könne. Die angestrebte neue Vereinbarung mit den Airlines würde für Ryanair nicht zu höheren Flughafenentgelten führen, betonte der Sprecher.
Ende April hatte Ryanair die Schließung der Basis mit der angekündigten Erhöhung der Flughafenentgelte um weitere zehn Prozent von 2027 bis 2029 begründet. Der Flughafen widersprach. Man verhandle gerade neue Rahmenverträge mit allen Airlines, von einer Erhöhung der Kosten um zehn Prozent könne aber nicht gesprochen werden. BER-Chefin Aletta von Massenbach entgegnete damals, die Entgelte seien im Durchschnitt seit der Eröffnung unverändert geblieben.
Bremen, Leipzig/Halle, Dresden und Wien
Mitte dieser Woche war bereits bekannt geworden, dass Ryanair den Flugbetrieb in Bremen ab April 2027 einstellt. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) wirft der Airline überzogene Forderungen bei den Flughafengebühren vor. Ryanair wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Noch Mitte Januar hatte die Airline Bremen unter den Flughäfen mit niedrigen Gebühren genannt, an denen sie 300.000 zusätzliche Sitzplätze anbieten wollte.
Ebenfalls bestätigten Ryanair und die Betreibergesellschaft Mitteldeutsche Flughafen, dass die Airline im Sommer 2027 weder Leipzig/Halle noch Dresden anfliegen werde. Die Gespräche über eine Rückkehr blieben ohne Einigung, beide Seiten nannten vor allem die Standortkosten als Grund. Ob Ryanair im Winter 2027/28 zurückkehrt, ist offen.
In Wien zieht Ryanair zum Winterflugplan vier Flugzeuge ab und streicht zwölf Strecken, wie die Airline mitteilte. 80 Arbeitsplätze sind betroffen. Ryanair wirft der österreichischen Regierung vor, die Luftverkehrsteuer von zwölf Euro pro Ticket nicht abgeschafft zu haben.
Steuersenkung reicht der Airline nicht
Die Bundesregierung hatte die letzte Luftverkehrsteuererhöhung zum 1. Juli zurückgenommen.
Country Manager Marcel Pouchain Meyer erklärte Mitte Februar im Interview mit airliners.de, Ryanair kürze an teuren Standorten wie Berlin und Hamburg und wachse an Regionalflughäfen. Er erwarte weiterhin leichte Reduktionen in Deutschland, da die Kosten zu hoch seien und wohl hoch blieben. Zur Steuersenkung sagte er: "Wir haben die Steuersenkung wohlwollend akzeptiert, aber mehr auch nicht."