Die Lufthansa Group sieht die Kerosinversorgung an ihren Drehkreuzen bis Ende Juni gesichert. "Derzeit sehen wir keine Engpässe", sagte Finanzchef Till Streichert am Mittwoch.
Die Versorgung sei sechs Wochen im Voraus bis Mitte Juni sichergestellt, ergänzte Vorstandschef Carsten Spohr. Danach sinke die Sichtbarkeit, er gehe aber davon aus, dass entstandene Versorgungslücken geschlossen werden könnten.
Rund ein Viertel des in Europa benötigten Kerosins sei bis zur Sperrung der Straße von Hormus vom Persischen Golf gekommen.
Derzeit werde davon etwa die Hälfte durch Ersatzlieferungen aus den USA, Nigeria und anderen Ländern ausgeglichen, die andere Hälfte stamme aus kommerziellen Reserven. Die nationalen Lager der EU-Staaten würden bislang nicht beansprucht.
Politische Maßnahmen gefordert
Spohr sprach sich für frühzeitige Vorkehrungen aus. "Wir sind recht zuversichtlich, dass diese Maßnahmen nicht erforderlich sein werden. Doch es ist besser, vorbereitet zu sein", sagte er.
Er forderte die EU auf, das in den USA übliche Kerosin der Sorte Jet-A zuzulassen. Dieses muss derzeit in europäischen Raffinerien nachbearbeitet werden, da in der EU nur Jet-A1 mit einem niedrigeren Gefrierpunkt erlaubt ist. Im Sommer spiele der unterschiedliche Gefrierpunkt jedoch keine Rolle.
Zudem sollte die EU Langstreckenflügen erlauben, mehr Treibstoff für Rückflüge an Bord zu nehmen. Auf Langstrecken nach Asien und Afrika prüft die Lufthansa bereits Zwischenstopps zum Nachtanken.
Ein Rückflug aus Kapstadt habe bereits in Windhoek nachgetankt werden müssen. Spohr sprach sich außerdem dafür aus, die Regel auszusetzen, nach der Airlines ihre Start-Slots verlieren, wenn sie Flüge wegen fehlenden Treibstoffs streichen.
Prognose-Puffer aufgebraucht
Trotz des optimistischen Ausblicks haben Streiks und gestiegene Kerosinkosten die Gewinnerwartungen des Konzerns gedämpft. Das Ergebnis werde "vermutlich geringer ausfallen als ursprünglich gedacht", räumte Streichert ein.
Die Kerosinrechnung soll im laufenden Jahr mit 8,9 Milliarden Euro rund 1,7 Milliarden Euro höher ausfallen als geplant. An der Prognose, den Vorjahreswert von knapp zwei Milliarden Euro beim bereinigten Ebit um mindestens zehn Prozent zu übertreffen, hält der Konzern dennoch fest.
Die aktuellen Umstände hätten den in der Prognose eingebauten Puffer weitgehend aufgebraucht. Durch Streiks des fliegenden Personals bis einschließlich April sind nach Angaben Streicherts rund 200 Millionen Euro Schaden entstanden.
Hedging und Netzoptimierung als Puffer
Die Lufthansa ist nach eigenen Angaben besser gegen Kerosinpreisschwankungen abgesichert als viele Wettbewerber. Mehr als 80 Prozent des Kerosinbedarfs der Passagierfluggesellschaften für das laufende Jahr sind preislich abgesichert, für 2027 bereits 40 Prozent.
Die Passagierkapazität soll nur noch um maximal zwei statt vier Prozent wachsen. Im Europaverkehr werden unrentable Strecken auch durch die Einstellung der Regionaltochter Cityline gestrichen. "Wir mussten nur vier Destinationen von 300 aus dem Netz nehmen", sagte Spohr.
Im ersten Quartal hatte der Konzern von den kriegsbedingten Einschränkungen der Golfcarrier Emirates, Qatar Airways und Etihad profitiert: Der saisontypische bereinigte operative Verlust sank um 15 Prozent auf 612 Millionen Euro, der Umsatz stieg um acht Prozent auf 8,75 Milliarden Euro.