Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat den Weg für die Verwendung des US-amerikanischen Flugzeugtreibstoffs Jet A in Europa geebnet.
"Eine mögliche Einführung von "Jet A" in Europa oder anderen Teilen der Welt würde keine Sicherheitsbedenken aufwerfen, sofern die Einführung ordnungsgemäß abgewickelt wird", erklärte die Behörde am Freitag.
Die Behörde mahnte Flughäfen und Airlines jedoch zur Vorsicht bei der Umstellung. "Eine potenzielle Einführung in Märkten, die traditionell "Jet A-1" verwenden, muss ordnungsgemäß abgewickelt werden", so die EASA.
In einer Sicherheitsmitteilung empfiehlt die Behörde, die Kraftstoffe nicht zu mischen und das Personal entsprechend zu schulen. Zudem kündigte die EASA an, die Luftfahrtakteure mit weiteren Sicherheitsinformationen zu versorgen.
Technischer Unterschied: Gefrierpunkt entscheidend
Auch die IATA hat Leitlinien für den Einsatz des Kraftstoffs in Märkten herausgegeben, die bislang ausschließlich "Jet A-1" verwenden.
Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Kraftstofftypen liege im Gefrierpunkt. "Jet A-1" darf bei maximal -47 Grad Celsius gefrieren, "Jet A" bei -40 Grad Celsius. Das macht "Jet A-1" besonders geeignet für Langstrecken-, Polarrouten- und Militärbetrieb.
IATA-Direktor Stuart Fox schreibt in einem Beitrag auf dem Blog der Organisation, beide Kraftstoffe seien "zugelassen und zweckgeeignet, sofern sie korrekt gehandhabt werden". Airlines in Nordamerika nutzten "Jet A" täglich – auch unter extremen Bedingungen wie in Fairbanks, Alaska, wo Bodentemperaturen von -30 Grad Celsius keine Seltenheit seien.
Für Fluggesellschaften bedeutet ein Umstieg laut Iata vor allem sorgfältige Streckenplanung unter Berücksichtigung des anderen Gefrierpunkts. Für Kraftstofflieferanten und Flughäfen seien strukturierte Änderungsprozesse nötig – inklusive aktualisierter Verfahren, eindeutiger Kennzeichnung und Qualitätskontrolle.
Auch Lieferverträge und Versicherungsdokumente müssten gegebenenfalls angepasst werden. "Nichts davon ist besonders komplex", so Fox. "Aber es erfordert Koordination über die gesamte Versorgungskette."
Straße von Hormus blockiert Versorgung
Hintergrund ist die seit Wochen anhaltende Blockade der Straße von Hormus, die zu einer Verknappung des Kerosinangebots geführt hat. Die Meerenge ist seit Beginn des Iran-Kriegs de facto gesperrt.
Nach Einschätzung der EU-Kommission gibt es aktuell zwar keine Engpässe, die Situation könnte sich in den kommenden Wochen und Monaten jedoch verschärfen.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hatte bereits Mitte April eine kurzfristige Zulassung von "Jet A" zusätzlich zum europäischen Standard "Jet A-1" gefordert. Die Airlines erhoffen sich davon mehr Importmöglichkeiten aus Übersee.