Am Rande der ILA Berlin haben wir uns mit Arndt Schoenemann unterhalten, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Deutschen Flugsicherung. Im Gespräch geht es um die Rolle der Flugsicherung als kritische Infrastruktur, um die Diskussion über Gebühren und Einsparziele, die zukünftige Rolle von Fluglotsen und um die Frage, wie Flugsicherung in Deutschland und Europa technologisch weltweit dasteht.
airliners.de: Die Bundesregierung hat die neue Luftverkehrsstrategie beschlossen. Wie bewerten Sie das Ergebnis aus Sicht der DFS?
Arndt Schoenemann: Aus unserer Sicht sind wir in der Strategie gut vertreten. Jetzt ist wichtig, in den Dialog mit der Politik zu gehen und konkrete Schritte zur Umsetzung zu vereinbaren.
Wir blicken dabei nicht nur auf Kostenentwicklungen. Für uns ist auch die gesellschaftliche Bedeutung wichtig: dass die kritische Infrastruktur, die wir sind, mehr wahrgenommen wird. Das ist übrigens auch einer der wesentlichen Gründe, warum wir uns in diesem Jahr auf der ILA präsentiert haben: Die gesellschaftliche Rolle der Flugsicherung ist oft nicht in dem Maße bekannt, wie wir finden, dass sie es sein sollte.
Wir arbeiten zu hundert Prozent zivil-militärisch integriert. Ein Flughafen kann durch Sabotage oder Krieg ausfallen, dann gibt es Ausweichmöglichkeiten. Eine Airline kann insolvent gehen, dann übernehmen andere die Dienste. Bei der Flugsicherung gibt es keine Alternative. Dieser gesellschaftliche Nutzen muss klar sein. In der Luftverkehrsstrategie ist das jetzt auch so abgebildet.
Sie haben gesagt, die DFS sei zu hundert Prozent zivil-militärisch integriert – was bedeutet das konkret?
Das Verteidigungsministerium und das Verkehrsministerium haben eine Ressortvereinbarung geschlossen, die festschreibt, dass die vorhandenen Strukturen auch im Verteidigungsfall genutzt werden. Wir sind mit Deutschland zudem Logistikdrehscheibe im NATO-Bündnisfall. Mit beiden Ministerien haben wir jetzt einen Anforderungskatalog erarbeitet und setzen ihn um.
Wir gehen nicht davon aus, dass bei einer militärischen Eskalation der zivile Luftverkehr sofort zum Erliegen kommt. Zwar würden wir eine Reduzierung des Zivilverkehrs erleben, gleichzeitig aber einen Anstieg des militärischen Verkehrs. Beides muss geleistet werden und es gibt kaum Flugsicherungen weltweit, die beides zusammen in dieser Form leisten, wie die DFS.
Hintergrund ist, dass wir bis 2011 gemeinsam mit der Luftwaffe überörtliche militärische Fluglotsen ausgebildet haben. In Summe waren das rund 400 Lotsen. Sie wurden von der Bundeswehr beurlaubt und haben in unseren Kontrollzentralen mit den zivilen Lotsen mitgearbeitet, um im Training zu bleiben und den militärischen Verkehr zu begleiten. Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht ab 2011 wurde dieses System nicht weitergeführt. Von diesen 400 militärischen Center-Lotsen sind aber noch immer rund 60 übrig.
