Robotik hebt ab – als Nächstes ist die Bodenabfertigung an Flughäfen dran, © airliners.de/KI
Ground Handling Robotik © airliners.de / KI
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Ohne reibungslose Abfertigung am Vorfeld funktioniert kein Flugplan. In einem Umfeld, das von fortschreitender Automatisierung, wachsendem Kosten- und Wettbewerbsdruck, neuen EU-Sicherheitsvorgaben und akutem Fachkräftemangel geprägt ist, geraten etablierte Abläufe, Zuständigkeiten und Geschäftsmodelle zunehmend unter Druck. Die airliners.de-Serie "Ground Handling" widmet sich diesen Fragen. Hier zeigt Siddhant Mehra, Senior Research & Intelligence Analyst beim Lufthansa Innovation Hub, warum Robotik in der Bodenabfertigung noch eine Randrolle spielt, und stellt mit den "Ground Operations Robotics Hot 25" Unternehmen vor, die Terminal, Vorfeld und Flugzeugabfertigung verändern könnten.

Wenn es in diesem Jahr eine Technologie gibt, die die Debatte dominiert hat, dann ist es Künstliche Intelligenz.

Von generativer KI bis zu autonomen Agenten: Scheinbar jede Branche versucht herauszufinden, wie KI ihr Geschäft verändern wird. Und das aus gutem Grund. Nur wenige Technologien haben in so kurzer Zeit so viel Kapital, so viel Aufmerksamkeit der Führungsetagen und so viel öffentliche Begeisterung auf sich gezogen.

Doch während alle über KI sprechen, gewinnt eine andere Technologiebewegung leise, aber deutlich an Fahrt.

Die Rede ist von Robotik. Von echten Maschinen, die sich bewegen, mit ihrer physischen Umgebung interagieren und zunehmend Aufgaben übernehmen, die bislang Menschen erledigt haben.

Denken Sie einen Moment an Ihr eigenes Zuhause.

Haben Sie kürzlich darüber nachgedacht, sich einen dieser Saugroboter anzuschaffen, die inzwischen sogar wischen können – am liebsten, während Sie selbst unterwegs sind und etwas Angenehmeres tun?

Dann sind Sie damit sicher nicht allein.

Ein interessanter Indikator zeigt, wie sich das Interesse der Verbraucher an Robotik entwickelt. Werfen Sie einen Blick auf die folgenden Google-Trends-Daten, die die Suchanfragen nach der Wortfolge "robot how much" über die vergangenen fünf Jahre abbilden.

Anders als allgemeine Suchanfragen nach Robotern deuten diese preisbezogenen Anfragen auf etwas kommerziell Relevanteres hin: Die Menschen sind nicht mehr nur neugierig auf Roboter. Sie fragen zunehmend, was es kosten würde, einen zu besitzen.

Die eigentliche Robotik-Revolution findet in den Fabrikhallen statt

Einen Roboter zu haben, der die Wohnung putzt, ist sicher bequem. Die weitaus größere Robotik-Geschichte spielt sich jedoch seit vielen Jahren in der Industrie ab.

In der modernen Fertigung sind Roboter praktisch unverzichtbar geworden.

Ob sie Karosserien schweißen, Elektronik montieren oder schwere Bauteile entlang der Fertigungslinien bewegen: Industrieroboter haben viele der repetitiven, körperlich anstrengenden und präzisionsintensiven Aufgaben übernommen, für die früher menschliche Arbeitskraft nötig war.

Und ihre Verbreitung hat eine beachtliche Größenordnung erreicht.

Nach Daten der International Federation of Robotics (IFR) hat sich die Zahl der weltweit eingesetzten Industrieroboter in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht und Ende vergangenen Jahres die Marke von fünf Millionen Einheiten überschritten.

Die Erkenntnis daraus: Während Verbraucher den Komfort von Robotern im Alltag gerade erst entdecken, haben ganze Industrien sie längst zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeitsweise gemacht.

Transport führt bei der Robotik – aber anders als gedacht

Wo also entfaltet Robotik jenseits der Fabrikhallen bereits die größte Wirkung?

Die International Federation of Robotics liefert dazu eine interessante Aufschlüsselung. Und auf den ersten Blick sehen die Zahlen für unsere Reise- und Mobilitätsbranche sehr vielversprechend aus.

Wie sich zeigt, entfällt auf "Transport und Logistik" fast die Hälfte aller weltweit verkauften professionellen Serviceroboter. Das ist mit Abstand das größte Anwendungsfeld.

Doch bevor wir feiern, gilt es, eine wichtige Unterscheidung zu treffen.

Ein Großteil dieser Nachfrage stammt aus Logistikumgebungen, in denen autonome Maschinen Waren transportieren, Material bewegen und Lagerprozesse automatisieren. Auch die Automobilfertigung ist eine wichtige Hochburg der Robotik.

Wird der Blick auf die eigentliche Reisebranche verengt, insbesondere auf Airlines und Flughäfen, sieht das Bild ganz anders aus.

Leider gibt es keine umfassenden Zahlen dazu, wie viele Roboter im Ökosystem von Airlines und Flughäfen bereits im Einsatz sind.

Wir können aber einen anderen Indikator heranziehen: wohin die etablierten Akteure der Branche ihr Investitionskapital lenken.

Unsere Analyse von mehr als 1900 Investitionsdeals etablierter Reise- und Mobilitätsunternehmen, darunter Airlines und Flughäfen, zeigt: Weniger als vier Prozent dieser Investitionen der vergangenen Jahre flossen in Robotikunternehmen.

Natürlich sind Unternehmensinvestitionen nicht gleichbedeutend mit dem tatsächlichen Einsatz einer Technologie. Flughäfen und Airlines können Roboter einsetzen, ohne direkt in die Unternehmen zu investieren, die sie bauen.

Dennoch deuten die Zahlen darauf hin, dass Robotik auf der Innovations- und Investitionsagenda der Branche bislang eine vergleichsweise kleine Rolle spielt.

Daraus ergibt sich ein interessanter Kontrast.

Während Robotik in Fertigung und Logistik längst zum Standard gehört, scheinen Airlines und Flughäfen erst an der Oberfläche dessen zu kratzen, was physische Automatisierung für ihre Bodenabfertigung leisten könnte.

Die "Ground Operations Robotics Hot 25"

Damit kommen wir zum Kern dieser Analyse.

In den vergangenen Monaten haben wir die Robotiklandschaft gesichtet, mit Unternehmen gesprochen, die diese Technologien entwickeln, und Bodenabfertigungsbetriebe von Airlines besucht. Ziel war es, besser zu verstehen, wo physische Automatisierung den größten Unterschied machen könnte.

Das Ergebnis sind unsere "Ground Operations Robotics Hot 25": eine Auswahl von 25 Unternehmen, die nach unserer Einschätzung einige der vielversprechendsten Robotiklösungen für die Airline- und Flughafenbranche entwickeln.

Um diese entstehende Landschaft greifbar zu machen, haben wir die Unternehmen in fünf Kategorien eingeteilt. Sie reichen von Robotik für Passagiere im Terminal bis industrielle Automatisierung rund um das Flugzeug.

Zusammen ergeben diese fünf Bereiche ein umfassendes Bild davon, wo Robotik den Flughafenbetrieb in den kommenden Jahren verändern könnte.

Doch wir haben es nicht bei der Bestandsaufnahme belassen.

Wir sind noch einen Schritt weiter gegangen und stellen in jeder der fünf Kategorien einen Akteur genauer vor. Es geht um Lösungen, die aus unserer Sicht mehr Aufmerksamkeit der Branche verdienen.

Neugierig, welche fünf Unternehmen das sind? Schauen wir sie uns genauer an.

1) Terminal und Passagiere

Roboter, die dem Terminal dienen statt dem Flugzeug. Dazu zählen autonome Rollstühle und Pods für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität, Lieferungen an Gate und Lounge, Bodenreinigung und Sicherheitspatrouillen.

"A&K Robotics", Alba Robot, DAAV, Whill, Avidbots

Ein Akteur im Detail: "A&K Robotics"

"A&K Robotics" aus Vancouver baut Cruz, einen selbstfahrenden Pod, der Passagiere mit eingeschränkter Mobilität vom Check-in bis zum Gate bringt. Der Passagier wählt auf einem Bildschirm ein Ziel aus, der Pod navigiert selbstständig durch die Menschenmenge.

Das Unternehmen war 2024 an einem Pilotprojekt am Flughafen Vancouver beteiligt. Im Oktober 2025 vereinbarte Aena ein Pilotprojekt am Flughafen Madrid-Barajas.

Im April gab das Unternehmen eine Series-A-Finanzierungsrunde über acht Millionen Kanadische Dollar bekannt, die gemeinsam von BDC Capital und Vantage Futures angeführt wurde.

2) Gepäck- und Frachtbewegung

Fahrerloser Transport von Gepäck und Fracht zwischen Terminal und Flugzeug. Dazu zählen selbstfahrende Gepäckschlepper, Transporter für Dollys und ULD sowie Frachtschlepper.

Aerovect, Pattern Labs, UISEE, Tracteasy (inzwischen Teil von TLD Robotics), Aurrigo

Ein Akteur im Detail: Pattern Labs

Pattern Labs aus Colorado baut den kompletten Technologie-Stack für ein fahrerloses Vorfeld. Pulse OS plant und simuliert die Flotte, ein Co-Pilot gibt menschlichen Schlepperfahrern Abbiegehinweise Schritt für Schritt, und Pathfinder, autonomer Schlepper und Gepäckwagen in einem, erledigt Einsätze selbstständig, überwacht von einem Remote-Operator.

Am Flughafen der Purdue University testen Pattern Labs und Ericsson gemeinsam die flugzeugnahe Gepäckabfertigung für kommerzielle Flüge im realen Einsatz. Damit wollen sie zugleich die Grundlage für eine Zertifizierung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA und für die betriebliche Validierung schaffen.

Pattern Labs wurde 2021 gegründet und hat bislang rund 10,8 Millionen US-Dollar eingesammelt, darunter eine Series-A-Runde über neun Millionen US-Dollar im April 2025.

3) Beladen und Heben

Das Heben und Platzieren von Gepäckstücken und Paletten. Dazu zählen Zellen zur Containerbeladung in der Gepäckhalle, mobile Roboterarme für Gepäckwagen und Frachtraum sowie Exoskelette, die die Crews körperlich entlasten.

Azalea Robotics, Verve Motion, Journey Robotics, Dexterity, Cobot Lift

Ein Akteur im Detail: Verve Motion

Verve Motion aus Massachusetts stellt den Exosuit Safelift her, eine weiche, motorisierte Weste. Ihre Sensoren erkennen, wenn sich der Träger hebt, bückt oder dreht. Ein Band aus künstlicher Muskulatur liefert bis zu 240 Newton Unterstützung und arbeitet dabei mit der Bewegung des Körpers.

Im Juli investierte IAG über "IAGi Ventures" in das Unternehmen. Damit stieg die Gesamtfinanzierung auf mehr als 55 Millionen US-Dollar. Verbunden ist die Beteiligung mit einem Pilotprojekt für einen luftfahrtspezifischen Exosuit, der zunächst die Schultern von Gepäckabfertigern unterstützen soll. Nach Angaben von Verve nimmt der Anzug Rücken und Hüften rund 40 Prozent der Belastung ab. In Lagerumgebungen habe er Verletzungen um bis zu 85 Prozent reduziert, so das Unternehmen.

4) Arbeiten am Flugzeug

Arbeiten an der Flugzeugzelle selbst, während das Flugzeug abgestellt ist. Dazu zählen Enteisung, Außenwäsche, Triebwerkswäsche, Inspektion und das Anschließen der Bodenstromversorgung (GPU).

Aerowash, Avinxt, Neura Robotics, Donecle, Nordic Dino

Ein Akteur im Detail: Neura Robotics

Das deutsche Unternehmen Neura Robotics baut kognitive Roboter. Gemeinsam mit KLM und dem Flughafen Schiphol hat es im Rahmen der Smart-Ramp-Initiative von Future Travel Experience A.R.C. entwickelt, den "Autonomous Robot for GPU Connection". Der Roboter zieht das Bodenstromkabel zum Flugzeug, navigiert über die Abstellposition, findet und öffnet mit einem kameragesteuerten Greifer die Zugangsklappe und steckt das Kabel ein. Das Anschließen der Bodenstromversorgung gehört zu den körperlich anstrengendsten und repetitivsten Tätigkeiten auf dem Vorfeld.

Im Juni kündigte Neura eine Series-C-Finanzierung über bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar an. Angeführt wird sie von Tether, beteiligt sind außerdem Nvidia, Amazon, Qualcomm, Bosch und die Europäische Investitionsbank. Berichten zufolge liegt die Bewertung bei rund sieben Milliarden US-Dollar.

5) Flugfeld und Sicherheit

Start- und Landebahnen, Rollwege und Vorfelder sicher nutzbar halten. Dazu zählen das Erkennen und Einsammeln von Fremdkörpern, die Inspektion von Oberflächen und Befeuerung, Schneeräumung und Wildtierabwehr.

Airtrek Robotics, Essential Aero, Guimu Robot, Roboxi, Yeti Move

Ein Akteur im Detail: Roboxi

Roboxi wurde 2018 gegründet und entwickelt KI-gestützte Technologie zur Flughafenautomatisierung, die vier Aufgaben auf dem Flugfeld gleichzeitig übernimmt: Sie erkennt Fremdkörper (Foreign Object Debris, FOD) und sammelt sie physisch ein, scannt die Oberflächen von Start- und Landebahnen sowie Rollwegen per Laser in 3D, meldet defekte Befeuerung und erkennt und vertreibt Vögel.

Die Technologie wurde gemeinsam mit dem norwegischen Flughafenbetreiber Avinor und der norwegischen Luftfahrtbehörde entwickelt. Inzwischen liegt die Genehmigung für den Betrieb der multifunktionalen Flugfeldtechnologie vor. Im Mai schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 13 Millionen Euro ab.

Der Beitrag wurde von der Redaktion aus dem Englischen übersetzt.

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