Qantas hat detaillierte Einblicke in die Kabinengestaltung und das Wissenschaftsprogramm für Project Sunrise gegeben – Nonstopflüge von Sydney nach London ab Oktober 2027. Gleichzeitig nannte Airline-Chefin Vanessa Hudson die zentrale Geschäftsmodell-Annahme: 20 Prozent mehr Stückerlös als auf Umsteigeverbindungen. Drei Passagiere, die „Reuters" befragte, lieferten dabei ungewollt die präziseste Marktforschung zu diesem Vorhaben – und zeigten, wo die Preisschwelle liegt.
Perth als Beweisstück
Das Fundament von Project Sunrise steht auf realen Daten. Auf der Strecke Perth–London erzielt Qantas nach eigenen Angaben einen Unit-Revenue-Aufschlag von 20 Prozent gegenüber Umsteige-Verbindungen via Singapur. Die Auslastung lag bei der Einführung 2018 bei 92 Prozent, ein Jahr später bei 94 Prozent. Qantas bezeichnet die Strecke als profitabelste im Netz – erstmals nach zehn Jahren im Plus.
Airline-International-Chef Cam Wallace legte beim Toulouse-Briefing Mitte Juni nach. Für Sydney–London erwartet er sogar bis zu 30 Prozent Aufschlag gegenüber Umsteige-Verbindungen. Die Logik dahinter: Sydney liegt vier Stunden näher an London als Perth. Vier Stunden weniger Reisezeit – das ist der Kern des Produktversprechens, auf dem das gesamte Geschäftsmodell aufbaut.
Doch die Perth-Daten haben eine Einschränkung. Über die Hälfte der Passagiere auf QF9/QF10 steigt in Perth aus Ostaustralien um. Dieser Feeder-Effekt trägt erheblich zur Auslastung bei. Für Sydney–London entfällt er strukturell – dort gibt es keinen analogen Zubringereffekt. Die 92-Prozent-Auslastung von Perth ist damit kein direkter Vergleichswert.
Ein weiteres Warnsignal: Im März musste Qantas QF9 wegen Luftraumsperrungen im Nahen Osten via Singapur umleiten. Die Umleitung ermöglichte laut Qantas mehr als 60 Zusatzpassagiere pro Flug. Das zeigt, wie gering die Payload-Reserve des Airbus A350-1000 ULR auf Ultralangstrecken ist – und wie empfindlich das Modell auf externe Störungen reagiert.
Drei Passagiere, drei Antworten
Drei Passagiere, drei Antworten – und zusammen ergeben sie die präziseste Marktforschung, die Qantas für Project Sunrise bisher bekommen hat.
Neue Economy Class im Airbus A350 von Qantas. : Neue Economy-Class-Sitze in der Kabine eines Airbus A350 von Qantas. Helles Tageslicht fällt durch die Fenster. Die Sitze sind in einer 3-3-3-Anordnung mit Bildschirmen an den Lehnen zu sehen. © Qantas
Sam Davies aus Paris, der bereits die Perth-Verbindung nutzt, ist grundsätzlich interessiert. Er nennt den Komfort aber als entscheidend: „Ich bin 1,93 Meter groß, der Economy-Sitz ist zu klein." Qantas plant für die Standardreihen einen Sitzabstand von 33 Zoll (84 Zentimeter), einzelne Reihen haben 32 Zoll. Ein „Economy Plus"-Segment bietet 34 Zoll. Ob das reicht, lässt Davies offen.
Nathalie Curtis aus London würde 20 Prozent mehr zahlen – aber nur, wenn die Versprechen eingelöst werden. Sie nennt konkret: Bewegungsfreiheit, Hygiene, Jetlag-Reduktion.