Die Anzahl der Flugbewegungen nähert sich dem pessimistischen Vorhersageszenario von Eurocontrol. Verglichen mit dem Januar 2019 wurden letzten Monat nur noch 69 Prozent des ursprünglichen Verkehrsaufkommens im ECAC-Raum, für den Eurocontrol zuständig ist, gemessen - ein deutlicher Einbruch zu den 78 Prozent, die im Dezember-Vergleich erreicht wurden.
Die Zahlen sind nur noch wenig besser als das Worst-Case-Szenario, welches 65 Prozent als Basis voraussagte. Ein paar Monate zuvor sah es besser aus. Die Flugbewegungen lagen noch oberhalb des Basiserholungsszenarios. Mit einer Reduktion rechnete Eurocontrol im Januar, jedoch nicht mit einer so deutlichen.
Anhand der Zahlen werden die Auswirkungen der letzten Corona-Infektionswelle deutlich sichtbar. Die stark ansteckende Omikron-Variante von Sars-Cov-2 lässt die Inzidenzen steigen und die Reisetätigkeit fallen.
Die Flugbewegungen nähern sich dem schlechten Prognose-Szenario © Eurocontrol
Die allgemeine Reduktion der Flugbewegungen betrifft aber nicht alle Bereiche der Luftfahrt. Der Frachtflugverkehr wie auch Business Aviation sind acht beziehungsweise sieben Prozent häufiger unterwegs als noch im Jahr 2019. Besonders stark zugenommen hat der Charter-Verkehr.
Die Pandemie trifft also vor allem Passagierfluggesellschaften. Full-Service-Carrier haben ein Minus von 43 Prozent zu verzeichnen. Besonders hart traf es die Low-Cost-Carrier, die in den letzten Monaten eigentlich besser aufgestellt waren. Aktuell ist das Minus jedoch bei 53 Prozent.
Einzelne Airlines konnten die Anzahl der Flugbewegungen immerhin leicht steigern. Ryanair erhöhte die Anzahl der durchschnittlichen täglichen Flüge um ein Prozent auf 1222. Betrachtet wurde der Zeitraum zwischen dem 20. und 26. Januar im Vergleich zur Vorwoche. Das Gesamtminus zum Jahr 2019 liegt dennoch auch für Ryanair bei 36 Prozent.
Daten von CH-Aviation zeigen nur leichte Abnahme der Flottenstärke in Europa
Während der Flugverkehr in Europa (ECAC-Raum) nach Eurocontrol-Daten recht deutlich abnahm, hat dies offenbar wenige Auswirkungen auf die Flottenstärke der Airlines allgemein. Einer Erhebung von CH-Aviation zufolge gibt es nur eine leichte Reduktion der Flotten in Europa. Da CH-Aviation Kontinentaleuropa erfasst, sind hier leichte Abweichungen zu erwarten.
Die Anzahl der aktiven Flugzeuge sank von Dezember 2021 auf Januar 2022 von 5407 auf 5383 Maschinen. Global betrachtet nahm die Anzahl hingegen leicht zu. Neben Europa hat auch Afrika leicht abgenommen. Dort sind es allerdings nur drei von 855 Flugzeugen, die nun nicht mehr als aktiv gelten. Zumindest bei der Reaktivierung der Flotten bleibt der Trend zu einer Verbesserung der Gesamtsituation erhalten.
Global sind vor allem Regionalflugzeuge noch am Boden, wie CH-Aviation zeigt. Bei Turboprops betrifft das 42 Prozent der Flotte. Regionaljets liegen bei 38 Prozent. Erst danach folgen Großraumflugzeuge mit 37 Prozent. Bei den Schmalrumpfflugzeugen sind hingegen nur 28 Prozent im Januar am Boden geblieben.
Insgesamt sind von den 28.289 Flugzeugen, die CH-Aviation zählt, 5.490 im Januar 2022 nicht flugbereit gewesen. Im Jahresvergleich hat die aktive Flotte um 13 Prozent zugenommen.