Die Mitglieder der Boeing-Ingenieursgewerkschaft Society of Professional Engineering Employees in Aerospace (SPEEA) haben ein nachgebessertes Tarifangebot des Flugzeugbauers angenommen. Das teilte die größte Angestelltengewerkschaft bei Boeing am Donnerstag mit.
Beide Tarifeinheiten der SPEEA, die rund 17.000 Boeing-Beschäftigte vertritt, stimmten für den neuen Vierjahresvertrag. In der Einheit der Fachkräfte mit rund 13.000 Ingenieuren und Wissenschaftlern votierten etwa 68 Prozent dafür. In der technischen Einheit mit rund 4000 Konstrukteuren, Analysten und Technikern lag die Zustimmung bei mehr als 53 Prozent. Die beiden Einheiten verhandeln gemeinsam, stimmen aber getrennt ab.
Das Angebot sieht mit der Annahme des Vertrags eine garantierte Lohnerhöhung um zehn Prozent vor. Hinzu kommen jährliche Erhöhungen um vier Prozent sowie möglicherweise weitere zwei Prozent, die von der Leistung abhängen.
Gewerkschaft fordert Wiederaufbau von Vertrauen
"Wir haben viele Erfolge erzielt, die manche zu Beginn dieser Verhandlungsrunde für völlig unerreichbar hielten. All diese Fortschritte wären ohne euer individuelles Handeln und unsere gemeinsame Stärke nicht möglich gewesen", erklärte das SPEEA-Verhandlungsteam in einer öffentlichen Mitteilung an die Mitglieder.
Die Mitglieder müssten nun mit Boeing zusammenarbeiten und das Management bei Bedarf unter Druck setzen, hieß es weiter. Ziel sei es, das in den vergangenen Jahrzehnten geschwundene Vertrauen der Mitglieder wiederherzustellen. Die Fachkräfte und Techniker der Luftfahrt müssten wieder ins Zentrum von Boeing rücken.
"Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis der Abstimmung. Wir freuen uns darauf, mit unserem Team die weitere Erholung unseres Unternehmens zu unterstützen und unsere Zusagen gegenüber unseren Kunden jetzt und in Zukunft einzuhalten", sagte Ben Nimmergut, Vice President und Chefingenieur für Produktionstechnik bei Boeing.
Zulassung von 737 Max 10 und 777X steht aus
Für Boeing ist das Votum eine Erleichterung. Die geltenden Verträge laufen am 6. Oktober aus. Ein Streik wäre bereits ab dem 7. Oktober möglich gewesen.
Eine Arbeitsniederlegung hätte wichtige Zulassungsverfahren für das Schmalrumpfflugzeug Boeing 737 Max 10 und das Großraumflugzeug Boeing 777X verzögern können. Zudem hätte sie die Pläne des Herstellers gestört, die Produktion zu erhöhen und die Auslieferungen zu beschleunigen.
Die Mitglieder beider Einheiten hatten zuvor ein erstes Angebot von Boeing abgelehnt. Es hatte garantierte Lohnerhöhungen an die Inflation gekoppelt und auf drei Prozent begrenzt. Leistungsabhängig waren bis zu 2,5 Prozent zusätzlich vorgesehen.
Ihren bislang letzten Streik bei Boeing hatte die SPEEA im Jahr 2000 geführt. Damals hatten Ingenieure und technische Beschäftigte im Streit um Löhne und Sozialleistungen 40 Tage lang die Arbeit niedergelegt. Der Ausstand traf Produktion und Auslieferungen von Verkehrsflugzeugen und zählte zu den größten Streiks von Angestellten in der Geschichte der USA.