Portugal sucht erneut einen strategischen Partner für Tap. Verkauft wird nur ein Minderheitsanteil von maximal 49,9 Prozent, die Mehrheit bleibt beim Staat. Nach dem Rückzug der IAG im April stehen sich mit der Lufthansa Group und Air France-KLM zwei Konzerne gegenüber, deren Integrationspraxis auf den ersten Blick gegensätzlich wirkt. Johannes Reinmüller ordnet die bewegte Vorgeschichte der Airline ein, vergleicht Netzwerke, Allianzen und Integrationsmodelle der beiden Bieter und zeichnet das Stimmungsbild in Portugal nach.
Es ist ein heißer Wahlherbst – nicht nur in der deutschen Landespolitik, sondern auch in der europäischen Luftfahrtpolitik. Mitte Oktober will die portugiesische Regierung bekanntgeben, welcher Bieter den Zuschlag für die Nationalairline Tap erhält.
Übrig geblieben im monatelangen Rennen sind zwei Schwergewichte: die Lufthansa Group und Air France-KLM. Die International Airlines Group (IAG), Mutterkonzern von British Airways und Iberia, hatte sich bereits im April aus dem Verfahren zurückgezogen.
Ein Konsolidierungsprozess mit Ansage
Wer die Entwicklung der europäischen Luftfahrtbranche seit den neunziger Jahren verfolgt, kennt das Muster. Damals schon sagten Branchenkenner voraus, dass am Ende nur eine Handvoll großer Konzerne übrig bleiben würde.
Manche Fluggesellschaften verschwanden komplett vom Markt – Namen wie Malév, Air Malta, Olympic Airways, CSA, Swissair, Alitalia oder Sabena gehören heute der Geschichte an. Andere wurden Schritt für Schritt in größere Gruppen eingegliedert, etwa Aer Lingus, SAS, Austrian Airlines, Swiss oder Ita Airways.