Liebe Leserinnen und Leser,
Mitte Oktober will die portugiesische Regierung verkünden, wer bei Tap Air Portugal als Partner einsteigen soll. Übrig geblieben sind zwei Schwergewichte, die Lufthansa Group und Air France-KLM, nachdem sich die IAG bereits im April aus dem Verfahren zurückgezogen hat. Verkauft wird nur ein Minderheitsanteil von maximal 49,9 Prozent.
Den Zuschlag soll interessanterweise nicht automatisch das höchste Gebot erhalten, sondern "die überzeugendste Strategie für alle zehn Flughäfen des Landes". Johannes Reinmüller hat sich das Bieterrennen für uns genau angesehen. Er räumt mit dem bequemen Bild auf, hier trete ein rücksichtsvoller Investor gegen einen zentralistischen an. Beide Konzerne haben je nach Fall schon beide Integrationsmodelle praktiziert.
Wie sehr die Branche gerade in Bewegung ist, zeigen auch die weiteren Beiträge dieser Ausgabe. Andreas Sebayang war für uns im polnischen Świebodzin, wo Recaro die Erweiterung seines Sitzwerks eröffnet hat. Die Halle wächst von 10.500 auf 22.000 Quadratmeter, künftig sollen dort bis zu 100.000 Sitze pro Jahr entstehen. Damit wird der Standort zum größten der Recaro-Gruppe.
Ein ganz anderes Kaliber von Aufgabe erwartet Tewolde Gebremariam, den wir im Porträt vorstellen. Der langjährige Chef von Ethiopian Airlines soll Air India nach dem tödlichen Absturz von 2025 und Verlusten von mehr als zwei Milliarden US-Dollar wieder auf Kurs bringen.
Besonders freue ich mich, dass wir in dieser Ausgabe gleich zwei Beiträge aus unserer Kooperation mit der German Aviation Research Society (GARS) präsentieren können. In der Reihe "GARS Nachwuchsforschung" zeigt Jolien Pauwels von der Universität Antwerpen, warum Regionalflughäfen keine homogene Gruppe sind und jeder Flughafentyp vor seinem eigenen Trilemma aus gesellschaftlichem Nutzen, Finanzkraft und Umweltverantwortung steht.
Und im dritten Teil unserer Serie "Ground Handling im Wandel" ordnen Katharina Fromen von Wisag Aviation und Sven Maertens vom DLR im Interview ein, was die inzwischen finale EASA-Verordnung, die ab März 2028 greift, für Bodenverkehrsdienstleister bedeutet. In meinen Gedankenflügen lege ich derweil einige Meldungen der vergangenen Woche nebeneinander, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheint.
Ich danke Ihnen, dass Sie airliners+ abonniert haben und uns damit unterstützen, diese Themen fundiert aufzubereiten – und wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.
Ihr
David Haße
Herausgeber airliners.de