Der Flugzeugleasing-Anbieter Azorra sieht Anzeichen für eine Entspannung bei den Triebwerksproblemen von "Pratt & Whitney". Konzernchef Ron Baur rechnet trotz Branchenstörungen und gestiegener Kraftstoffkosten weiterhin mit einer starken Nachfrage nach kleineren, treibstoffsparenden Flugzeugen. Das sagte er am Rande einer Veranstaltung anlässlich der Auslieferung des 2000. E-Jets von Embraer.
"Pratt & Whitney", eine Tochtergesellschaft von RTX, kämpfte in den vergangenen Jahren mit Wartungsverzögerungen und Metallverunreinigungen in Bauteilen. Die Probleme trugen zu einer branchenweiten Krise durch Triebwerksengpässe bei, in deren Folge Hunderte Flugzeuge am Boden blieben. Die Getriebefan-Triebwerke (GTF) des Herstellers treiben die E2-Familie von Embraer sowie die Airbus-Modelle A220 und A320 Neo an.
"Pratt & Whitney" erklärte im Juli, die Wartungsstörungen hätten sich entspannt und seien bei den kleineren Mustern A220 und E2 praktisch verschwunden. Nach Angaben von Brancheninsidern ist der Triebwerkshersteller mit Airbus jedoch weiterhin uneins über die Störungen bei den Triebwerken für die größeren A320-Neo-Jets.
"Wir denken, dass sich die Lage bei Pratt definitiv verbessert hat", sagte Baur. "Wir sehen ein klares Licht am Ende des Tunnels bei den Triebwerken." Baur verglich die Probleme mit den "Kinderkrankheiten", die neue Flugzeugtechnologien häufig mit sich bringen würden. Flugzeug- und Triebwerkshersteller würden solche Herausforderungen üblicherweise im Laufe der Zeit lösen, fügte er hinzu.
Krise durch Treibstoffpreise gilt als beherrschbar
Weltweit kämpfen Fluggesellschaften mit höheren Treibstoffpreisen, seit die Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gestört haben. Baur bezeichnete die Krise dennoch als beherrschbar. Sie habe die Nachfrage nach Flugzeugen nicht wesentlich geschwächt.
"Unsicherheit verlangsamt Flottenentscheidungen immer, das sehen wir auch hier ein Stück weit. Aber größtenteils sehen wir die Nachfrage nach Flugzeugen nach wie vor als sehr stark an", sagte Baur. Fluggesellschaften sei es gelungen, einen Teil der höheren Treibstoffkosten an die Passagiere weiterzugeben, ergänzte er.
Ein weltweiter Mangel an Flugzeugen stütze weiterhin die Nachfrage nach Leasingflugzeugen, erklärte Baur, vor allem bei kleineren Jets wie bei der E2. Dieser Jet biete Platz für bis zu etwa 150 Passagiere und verbrauche weniger Treibstoff als ältere, größere Baumuster.
Die E2-Baureihe verkaufte sich 2025 dreimal so oft wie die A220. Airbus erhielt zuletzt jedoch einen Großauftrag von Air Asia. Azorra hat nach eigenen Angaben Verpflichtungen für Flugzeuge beider Schmalrumpf-Familien in seinem Portfolio. "Ich denke, beide sind sehr gute Flugzeuge. Embraer hatte im vergangenen Jahr sicherlich ein wirklich gutes Jahr. Wir erwarten, dass sich das fortsetzt", sagte Baur.
Der Azorra-Chef bekräftigte zudem sein Interesse an einer gestreckten Version des Airbus A220, die oft als A220-500 bezeichnet wird. Airbus hat das Muster geprüft, aber bislang nicht auf den Markt gebracht. "Ich denke, eine gestreckte Version – die 500 – wäre sehr wettbewerbsfähig", sagte Baur.