Airbus bereitet sich weiterhin auf eine Entscheidung über den Bau der gestreckten A220-500 vor, ohne dass ein Zeitpunkt feststeht. Das sagte Airbus-Canada-Chef Guillaume Chevasson. Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough Ende Juli blieb eine Ankündigung erneut aus.
Nach Angaben von "Leeham News" plant Airbus für die A220-500 eine einfache Rumpfstreckung mit zwei zusätzlichen Segmenten vor und hinter der Tragfläche. Die Kapazität solle in dichter Bestuhlung auf bis zu 185 Sitze steigen, die Triebwerke des Typs PW1500G von "Pratt & Whitney" blieben dabei technisch unverändert. Ein Programmstart könne demnach im vierten Quartal erfolgen, die Auslieferung des ersten Flugzeugs sei aber erst um das Jahr 2032 zu erwarten.
Rückenwind erhält Airbus dabei von Air Asia: Der malaysische Billigflieger hatte im Mai 150 A220-300 bestellt, die bislang größte Einzelbestellung für den Flugzeugtyp. Air-Asia-Gründer Tony Fernandes kündigte bei der Auftragsvergabe an, bei einem Marktstart der A220-500 sofort 150 weitere Maschinen zu ordern.
Neben der gestreckten Version bringt Airbus auch eine ganz andere Einsatzrolle für die A220 ins Gespräch: eine Langstreckenversion für den Nordatlantik mit reiner Business-Class-Kabine und 38 bis 40 Sitzen. "Wir sehen eine größere Nachfrage nach flachen Liegesitzen in der A220 und es gibt definitiv einen Markt für eine Transatlantik-Premiumvariante, das kann das Flugzeug", sagte Chevasson gegenüber airliners.de. Priorität habe dieses Vorhaben aber derzeit nicht.
Vorgeschichte und Hintergrund
Airbus hatte bereits im Januar angekündigt, sich auf einen Launch der A220-500 vorzubereiten und nach Großkunden zu suchen. Im Juni bestätigte der Hersteller dann, weiterhin mit einer Entscheidung zu zögern, auch weil in Mirabel bei Montreal zusätzliche Werksgebäude für die Fertigung nötig wären.
Die Provinz Québec zeigte sich unterdessen offen, sich an einer möglichen A220-Ausweitung finanziell zu beteiligen.
Die A220 feierte im Juli ihr zehnjähriges Jubiläum als Linienflugzeug: Am 16. Juli 2016 absolvierte der damals noch als Bombardier CS100 bezeichnete Jet seinen ersten Liniendienst bei Swiss. Airbus übernahm das Programm 2018 für einen symbolischen Euro. Seither wurden weltweit mehr als 510 Maschinen ausgeliefert, der Auftragsbestand umfasst nach Angaben von Airbus 1109 Festbestellungen. Das Werk in Mirabel bei Montreal soll die Produktion bis 2028 auf eine Rate von 13 Flugzeugen im Monat steigern.