Das Grounding der Boeing 737 Max wird in Europa nicht vor Januar aufgehoben. Das sagte der Chef der europäischen Flugsicherheitsagentur Easa, Patrick Ky, gegenüber "Reuters". Mitte Dezember seien Flugtests seiner Behörde geplant, eine Entscheidung über die Wiederzulassung des Musters könne dann im Januar folgen.
Laut Easa-Chef muss die Sicherheit der Flugzeuge auf ein akzeptables Level gebracht werden, wobei offenbar technische ebenso wie betriebsspezifische Optionen denkbar sind.
Die Easa halte ihren Vorschlag zwar aufrecht, dass Boeing einen dritten Anstellwinkelsensor installieren könnte, um das Flugsteuerungssystem zu verbessern, berichtet "Reuters". Die Behörde sei allerdings bereit, auch andere Lösungen zu akzeptieren.
Beispielsweise könnten die Arbeitsprozesse der Piloten verbessert werden oder ein künstlicher Sensor per Computer simuliert werden, dessen virtuelle Daten in die Flugsteuerung eingespeist werden.
Die Boeing 737 verfügt über zwei Anstellwinkelsensoren, bislang hatte der Flugsteuerungscomputer allerdings immer nur jeweils die Daten eines Sensors verarbeitet. Boeing hatte bereits angekündigt, dass künftig permanent die Daten beider Anstellwinkelsensoren genutzt werden sollen.
Easa-Chef: Kritische Phase
Der Easa-Chef sagte, man trete nun in eine kritische Phase ein und widme sich den menschlichen Faktoren. Dabei solle geprüft werden, wie viel Workload die Piloten verarbeiten könnten, wenn es zu Alarmen kommt.
Für die Wiederzulassung in Europa rechnet Ky mit einer zeitlichen Nähe zum Ende des Grounding in den USA. Wenn seine US-amerikanischen Kollegen von der FAA die 737 Max in den USA wieder fliegen lassen, werde die Lücke zwischen den beiden Behörden eher Wochen als Monate betragen, so der Easa-Chef. Man habe leicht unterschiedliche Prozesse, werde sich aber so eng wie möglich abstimmen.
Die kürzlich veröffentlichten Nachrichten eines technischen Piloten von Boeing werden laut "Reuters"-Quellen keinen Einfluss auf den weiteren Prozess der Zulassung haben. Es sei weiterhin ein FAA-Testflug für Anfang November vorgesehen, die Behörde brauche ab diesem Zeitpunkt mindestens 30 Tage für eine Wiederzulassung.
In den Kurzbotschaften von 2016 soll sich der technische Boeing-Chefpilot der 737, Mark Forkner, über die "ungeheuerliche" Fehlleistung des speziell für die Boeing 737 Max entwickelten Stabilisierungssystem MCAS bei Simulator-Tests beschwert haben.
Das Flugverbot der 737 Max wird Boeing nach eigenen Angaben mindestens acht Milliarden US-Dollar kosten, hatte die "New York Times" kürzlich berichtet. Boeings Kunden seien außerdem zunehmend frustriert über das Verhalten des Flugzeugbauers.
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Boeing selbst gab eine Erklärung zum Stand der Dinge rund um die 737 Max ab. In diesem wird auf die technischen Updates am Flugzeugmuster eingegangen. Auch die Unterstützung sowohl der Opferfamilien der beiden Abstürze als auch der betroffenen Fluggesellschaften rund um den Globus wird hervorgehoben.
Zudem wolle man interne Abläufe und Strukturen verändern, um "den Fokus für Produkt- und Service-Sichereit wieder zu stärken", so der US-Flugzeugbauer. Ein extra ernannter, unabhängiger Verwaltungsratsausschuss habe eine strenge, fünfmonatige Überprüfung der Richtlinien und Prozesse des Unternehmens durchgeführt und Empfehlungen abgegeben, die nun umgesetzt würden. Darunter gehöre auch der Rückzug des CEO Dennis Muilenberg aus dem Verwaltungsrat.