Die Vereinigung Cockpit (VC) hat eine generelle Videoüberwachung im Cockpit abgelehnt. Die Pilotengewerkschaft begründet ihre Position mit Sorgen vor missbräuchlicher Verwendung sensibler Daten und dem begrenzten Mehrwert für die Flugsicherheit, wie sie auf Anfrage von airliners.de mitteilte.
Bereits bei der Einführung des Cockpit Voice Recorders habe es erhebliche Vorbehalte in der Pilotenschaft gegeben. Die Sorge vor Missbrauch bewahrheitete sich laut VC: Mittlerweile kursierten im Internet Webseiten, auf denen Tonaufnahmen aus dem Cockpit öffentlich zugänglich seien.
Eine Studie der britischen Luftfahrtbehörde aus dem Jahr 2006 zeige zudem den begrenzten Nutzen visueller Aufzeichnungssysteme, hieß es weiter. Visuelle Daten würden häufig falsch interpretiert und könnten eine Unfalluntersuchung eher erschweren als erleichtern.
Videoaufnahmen seien keine objektive Wahrheit, sondern kontextabhängig, betonte die Vereinigung Cockpit. Sie könnten nur von speziell geschulten Experten korrekt eingeordnet werden.
Solange keine international verbindlichen Regelungen zum Schutz vor unbefugter Veröffentlichung und Verwendung solcher Daten bestünden, bleibe die Vereinigung Cockpit bei ihrer klaren Ablehnung. Dies gelte insbesondere, wenn auch Piloten sichtbar aufgezeichnet würden.
VC sieht Anwendungsbereich
Dennoch sieht die Gewerkschaft durchaus Anwendungsmöglichkeiten für Videotechnik im Cockpit. Bildübertragungen – nicht zwingend mit Aufzeichnung – könnten die Entscheidungsqualität in besonderen Situationen erhöhen. Beispiele seien die Sichtkontrolle bei Eisbildung an Tragflächen, die Bestätigung von Feuerwarnungen in Frachträumen oder die Visualisierung von Fahrwerksschäden.
Solche Systeme seien bereits heute beim Airbus A380 oder A340-600 im Einsatz, etwa zur Darstellung des Hauptfahrwerks auf Cockpitbildschirmen, teilte eine VC-Sprecherin gegenüber airliners.de mit. Eine gezielte, kontextspezifische Nutzung visueller Informationen ohne Speicherung personenbezogener Daten könne einen sinnvollen Beitrag leisten, so die Vereinigung Cockpit.
Vereinigung Cockpit warnt vor Spekulationen zu Air India Absturz
Die Vereinigung Cockpit warnte zudem vor vorschnellen Bewertungen zum Absturz einer Air-India-Maschine im vergangenen Monat. In mehreren Medienberichten sei nach Veröffentlichung des vorläufigen Untersuchungsberichts durch die indische Flugunfalluntersuchungsbehörde die Vermutung geäußert worden, es handele sich um einen Suizid eines der beiden Piloten.
Der bisher vorgelegte Bericht lasse jedoch keinen eindeutigen Schluss auf eine absichtliche Handlung zu, teilte die Organisation mit. Wichtige technische und systemische Aspekte seien nach wie vor ungeklärt, hieß es weiter von VC.
"Die Aufgabe der Flugunfalluntersuchung ist es, unabhängig sämtliche Faktoren eines Unfalls zu beleuchten – technischer, organisatorischer und menschlicher Art", sagte Vivianne Rehaag, Vorstandsmitglied bei der Vereinigung Cockpit. Die Ursachen eines Flugunfalls seien häufig komplex und multifaktoriell und verdienten eine differenzierte, sachliche Aufarbeitung im Sinne der Flugsicherheit.