Das Management der Lufthansa-Gruppe stellt den Flugbetrieb von Lufthansa Cityline wegen der anhaltenden Streikwelle vorübergehend ein. "Wir mussten nach umfänglicher Prüfung den Beschluss fassen, den Cityline-Flugbetrieb vorerst bis auf Weiteres temporär stillzulegen", hieß es in einem internen Schreiben, über das das "Handelsblatt" (Freitagsausgabe) berichtete.
Ein Sprecher der Lufthansa bestätigte die Information. "Als erster unmittelbar wirksamer Schritt werden ab übermorgen zunächst die 27 operativen Flugzeuge von Lufthansa Cityline endgültig aus dem Programm genommen, um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren", erklärte die Lufthansa.
Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo reagierte entsetzt auf die umgehende Schließung der bestreikten Regionalairline Cityline. "Wir sind erschüttert und schockiert über soviel Skrupellosigkeit", sagte Tarifexperte Harry Jäger der Nachrichtenagentur "Reuters". "Das ist offener Krieg gegen die eigenen Leute."
Zum Ende des Sommerflugplanes werden außerdem vier ältere Langstreckenflugzeuge bei der Kernmarke Lufthansa ausgeflottet. Konkret geht es dabei um den Airbus A340-600 – die Ausflottung soll bis Oktober abgeschlossen sein, hieß es laut Mitteilung.
Zusätzlich sollen zwei Boeing 747-400 für den kommenden Winterflugplan stillgelegt werden – die gesamte Teilflotte soll die Airline im kommenden Jahr verlassen, so die Lufthansa. Ebenfalls im Winterflugprogramm werde das Angebot auf der Kurz- und Mittelstrecke um fünf Flugzeuge reduziert.
Zugleich soll die günstiger arbeitende Tochter Discover schneller mit neun weiteren Airbus A350 expandieren, hieß es weiter.
Hintergrund ist eine Entscheidung der Kernmarke Lufthansa, wegen der ständigen Streiks auf die Dienste von Cityline zu verzichten. Die Tochtergesellschaft übernimmt Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München.
Von der Maßnahme betroffen sind nahezu alle Mitarbeiter des Unternehmens. "Alle betroffenen Mitarbeiter im Cockpit und in der Kabine werden widerruflich – bis auf wenige Ausnahmen – freigestellt", hieß es in dem Schreiben weiter.
"Die Entscheidung der Lufthansa, erste Flugzeuge stillzulegen, zeigt, dass die steigenden Kerosinkosten und Versorgungsrisiken inzwischen direkte Auswirkungen auf den Flugbetrieb und die Kapazitäten im Luftverkehr haben", teilte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel mit.