Lufthansa wagt nach Gewinnrückgang und Corona keine Prognose

Teures Kerosin und Überkapazitäten in Europa haben der Lufthansa Group im vergangenen Jahr einen herben Gewinnrückgang beschert. Nun nimmt der Konzern wegen Corona weitere Kredite auf und streicht das Flugangebot auf ein absolutes Minimum.

Leitwerke von Austrian Airlines, Lufthansa und Swiss. © Lufthansa Group

Die Lufthansa Group muss für das abgelaufene Jahr wegen einer Preisschlacht im Europageschäft und gestiegener Kerosinpreise einen herben Gewinnrückgang hinnehmen. Während der Umsatz um 2,5 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro stieg, sackte der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) um 29 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro zusammen. Der Nettogewinn brach sogar um 44 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein.

Umsatz und Gewinn 2019
Bereich Umsatz Veränderung % adjusted EBIT Veränderung %
Konzern 36424 2 2026 -29
Lufthansa 16119 2 1225 -30
Swiss 5144 6 558 -6
Austrian 2108 -2 19 -77
Eurowings 4123 1 -166 28
Logistik 2478 -9 1 -100
Technik 6921 13 493 11
Catering 3360 4 128 36
Lufthansa-Group-Kennzahlen 2019 (in Mio. Euro) nach Bereichen Download: Lufthansa-Geschäftsbericht 2019

Lufthansa Passage

Im Geschäftsbericht unter "Lufthansa German Airlines" aufgeführt, legte die wichtigste Airline im Konzern 2019 bei den Umsatz- und Passagierzahlen ein solides Jahr mit einem leichten Wachstum um zwei Prozent hin - 71 Millionen Passagiere konnten an Bord begrüßt werden. Der bereinigte operative Gewinn (Adjusted Ebit) gab jedoch deutlich um 30 Prozent nach. Neben den gestiegenen Treibstoffkosten führt die Airline dafür auch einen Anstieg der Aufwendungen für Technikleistungen um 11 Prozent an.

Die Investitionen in die Flottenmodernisierung gingen unterdessen unverändert weiter, betont Lufthansa. 20 neue Flugzeuge, darunter drei A350 und fünf A321 Neo seien 2019 in Dienst gestellt worden.

Die Entwicklung des Streckennetzes wird derzeit von der 2019 beschlossenen Übernahme der kommerziellen Verantwortung der Eurowings-Langstrecke durch die Network-Airlines bestimmt. Die Aktivitäten im "strategisch wichtigen touristischen Bereich" sollen gestärkt werden, sowohl auf der Kurz- wie auf der Langstrecke. Im Sommerflugplan 2020 sollen neue Ziele ab Frankfurt, München und Düsseldorf hinzukommen. Um den Passagieren im innerdeutschen Verkehr umweltfreundliche Alternativen anbieten zu können, habe man die Kooperation mit der Bahn gestärkt, schreibt Lufthansa.

© AirTeamImages.com, Jan Severijns Lesen Sie auch: Lufthansa könnte 2020 neue Make für touristische Langstrecke einführen

Auch künftig will die Airline den Fokus auf eine Reduzierung der Stückkosten legen, was 2019 gelungen sei. Zu den wesentlichen Themenfeldern zählten die voranschreitende Flottenmodernisierung und die damit einhergehende Reduktion des Treibstoffverbrauchs, die Optimierung des Streckennetzes sowie die Anpassung der Serviceabläufe an Bord.

Eurowings / Brussels Airlines

Das Geschäftsfeld Eurowings, zu dem neben der Kernmarke auch Brussels Airlines, Germanwings und die Beteiligung an Sunexpress gehören, bleibt das Sorgenkind in der Bilanz, auch wenn es 2019 etwas besser lief als 2018. Bei einem knappen Umsatzplus von einem Prozent auf 4,1 Milliarden Euro sinkt der Verlust auf 166 Millionen Euro (2018: - 231 Euro). Wie im Vorjahr flogen rund 38,2 Millionen Passagiere mit einem der Flugbetriebe.

Im Sommer 2019 verkündete Carsten Spohr eine strategische Neuausrichtung für die Low-Cost-Tochter. Durch ein umfassendes Maßnahmenpaket solle bis zum Jahr 2021 der wirtschaftliche Turn-Around geschafft werden. Neben der Übergabe des Langstreckengeschäfts an die Network-Airlines wurde die vollständige Integration von Brussels in Eurowings gestoppt. Mittelfristig soll Eurowings als reine Point-To-Point-Airline im europäischen Kurz- und Mittelstreckenbereich mit einer harmonisierten Airbus-Flotte fliegen.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Eurowings gibt Langstrecken-Verantwortung ab und fliegt nur noch A320

Die noch 2018 auffällige Instabilität im Eurowings-Flugbetrieb habe sich 2019 durch unterschiedliche Maßnahmen deutlich verbessert, sagt der Konzern. Man habe im vergangenen Jahr zu pünktlichsten und zuverlässigsten Fluggesellschaften in Europa gehört.

Auch der belgischen Tochter Brussels Airlines hat Lufthansa im vergangenen Jahr einen Turn-Around-Plan verschrieben. Damit sollten die Kosten deutlich verringert, das Streckennetz neu ausgerichtet, die Flotte standardisiert und die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit verbessert werden, so der Geschäftsbericht. Brussels werde dabei von der engen Kooperation mit den Network Airlines profitieren.

Austrian Airlines

Die österreichische Konzerntochter muss im vergangenen Jahr einen deutlichen operativen Gewinneinbruch um 83 Prozent auf nur noch 15 Millionen Euro hinnehmen. Zwar legte die Zahl der Fluggäste um fünf Prozent auf 14,6 Millionen zu, der Umsatz sank jedoch um zwei Prozent.

Vor allem die durch das Wachstum von Lauda verschärfte Konkurrenzsituation in Wien setzt Austrian zu. Die Airline will mit dem "Strategieprogramm #DriveTo25" darauf antworten. So sollen alle verbliebenen Turboprop-Flugzeuge ausgemustert werden und das Streckennetz angepasst, unter anderem mit mehr Verbindungen nach Nordamerika.

© AirTeamImages.com, Chris Jilli Lesen Sie auch: Austrian unter Druck - Großes Sparpaket soll Wende bringen

Vor allem aber sollen die Kosten deutlich sinken. Ab Ende 2021 sollen sie um 90 Millionen euro jährlich gesunken sein, 700 bis 800 Abreitsplätze sollen abgebaut werden. Der dezentrale Verkehr zwischen Deutschland und Österreich soll zudem neu organisiert werden. Eurowings übernimmt Strecken beispielsweise ab Salzburg und baut dafür in Wien ab. Auch soll es keine Crew-Bases außerhalb von Wien mehr geben.

Swiss

Swiss zeigte sich im vergangenen Jahr stabiler als die anderen Konzern-Airlines, musste jedoch auch einen Gewinnrückgang (Adjusted Ebit) um 17 Prozent auf 558 Millionen euro gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Die Zahl der Fluggäste stieg dabei um sechs Prozent auf 21,5 Millionen, auch der Umsatz legte um sechs Prozent zu.

Lufthansa betont auch im Geschäftsbericht die Positionierung der Swiss als Premium-Produkt. Man wolle weiter in ein "hochwertiges Reiseerlebnis" investieren. So habe man bis Januar die Modernisierung der fünf A340 abgeschlossen und im Züricher Terminal 1 seien neue Check-In-Bereiche und Lounges eröffnet worden.

Effizienzgewinne sollen bei Swiss 2020 unter anderem durch die laufende Einflottung der A320 Neo erreicht werden.

Lufthansa Cargo

In einem weltweit schwierigen Frachtjahr 2019 hat Lufthansa Cargo ihren Gewinn fast vollständig eingebüßt. Eine Millionen Euro weist der Adjusted Ebit aus, nach einem Gewinn von 268 Millionen Euro 2018.

Als Gründe für das schwache Jahr nennt der Konzern vor allem die politischen Rahmenbedingungen. Sowohl die unterschiedlichen Handelskonflikte als auch die Unsicherheiten rund um den Brexit hätten das Geschäft erschwert.

© AirTeamImages.com, Yochai Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo will MD-11 schneller ausmustern

Mit der beschleunigten Ausmusterung der MD-11-Maschinen sollte die Flotte eigentlich bis Ende 2020 auf neun Boeing 777 vereinheitlicht werden. Angesichts des derzeitigen sprunghaften Anstiegs der Frachtnachfrage aufgrund der Corona-Krise könnte sich die Planung jedoch wieder ändern.

Insgesamt soll das Geschäft der LH Cargo weiter vernetzt und digitalisiert werden. das E-Commerce-Geschäft steht ebenso im Fokus. Auch das Frachtzentrum in Frankfurt werde weiter modernisiert.

Lufthansa Technik

Das Geschäftsfeld Technik der Gruppe steigerte den operativen Gewinn 2019 um sechs Prozent auf 493 Millionen Euro, der Umsatz legte um 11 Prozent auf 6,9 Milliarden zu.

Lufthansa Technik sei der weltweit führende MRO-Anbieter, verkündet der Dax-Konzern im Geschäftsbericht. 38 Betriebe gehörten zur Unternehmensgruppe und das internationale Wachstum sei weiter vorangetrieben worden. Dazu gehörten neue Joint-Ventures für die Triebwerkwartung und mit LG Electronics wie auch eine Ausweitung der eigenen Kapazitäten.

LSG Group

Die Catering-Tochter der Lufthansa konnte einen operativen Gewinn von 128 Millionen Euro zum Konzernergebnis beisteuern, elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Vorbehaltlich der ausstehenden Zustimmung von Kartellbehörden wird Lufthansa das Europageschäft der LSG Sky Chefs, das rund ein Drittel des Gesamtumsatzes von 3,4 Milliarden Euro ausmacht, an die schweizerische Gategroup verkauft.

© airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: Lufthansa und Gategroup schließen LSG-Verkauf ab

Das außereuropäische Geschäft soll vorerst im Lufthansa-Besitz verbleiben. Auch 2019 habe man das Portofolio erweitert, erklärt Lufthansa. Auch seien neue Standorte in Phoenix, Nairobi und Novosibirsk eröffnet worden. Papierlose Produktionspozesse, fahrerlose Gabelstapler und kooperative Roboter sollen für Innovationen im Geschäft sorgen.

Die Corona-Krise lässt einen längerfristigen Ausblick nicht zu

Zu einer Prognose für die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr sah sich Vorstandschef Carsten Spohr weiterhin nicht in der Lage. "Die Verbreitung des Coronavirus hat die gesamte Weltwirtschaft und auch unser Unternehmen in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt." Die Folgen könne derzeit niemand absehen. "Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann."

© dpa, Daniel Bockwoldt Lesen Sie auch: Spohr sieht Zukunft der Luftfahrt gefährdet

Um die Krise zu überstehen, versucht die Lufthansa nun, ihr Geld so weit wie möglich zusammenzuhalten. Die Aktionäre sollen - wie bereits bekannt - auf die Dividende für 2019 verzichten. Außerdem hat sich der Konzern neue Kredite in Höhe von rund 600 Millionen Euro aufgenommen. Aktuell verfüge der Konzern damit über liquide Mittel von rund 4,3 Milliarden Euro. Hinzu kämen ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro. Weitere Mittelaufnahmen befinden sich laut Konzern in Umsetzung. Dazu will Lufthansa seine Flugzeugflotte als Sicherheit nutzen.

Für die Mitarbeiter in den Heimatmärkten beantrage das Unternehmen Kurzarbeit, sagte Finanzvorstand Ulrik Svensson. Der gesamte Vorstand erklärte zudem, in diesem Geschäftsjahr auf 20 Prozent seines Grundgehalts zu verzichten.

© dpa, Daniel Bockwoldt Lesen Sie auch: Lufthansa lotet finanzielle Spielräume aus

Von: dh mit dpa, dk

Lesen Sie jetzt
Themen
Fluggesellschaften Lufthansa Lufthansa Group Eurowings Swiss Austrian Airlines Corona-Virus Kennzahlen Wirtschaft