Lufthansa wird voraussichtlich bis Ende April 2026 mit gesperrten Business-Class-Sitzen in ihren neuen Boeing 787 mit Allegris-Kabine fliegen müssen. Das berichtete das "Handelsblatt". Wie Konzernchef Carsten Spohr bei einer internen Mitarbeiterveranstaltung mitteilte, werden die Sitze bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin blockiert bleiben. Ab Mai 2026 sollen dann alle Business-Class-Sitze in der 787 im Buchungssystem verfügbar sein.
Der Grund für die Einschränkung liegt in der fehlenden Zulassung der neuen Premium-Sitze vom Typ Allegris durch die US-Luftfahrtbehörde FAA. Die Airline wartet seit Monaten auf die Freigabe eines Großteils der neuen Sitze im "Dreamliner". Aktuell kann Lufthansa nur vier der insgesamt 28 Premium-Sitze in den Langstrecken-Jets vermarkten, alle anderen bleiben geblockt.
Die FAA hat vor allem die Befestigung eines großen Teils der Sitze noch nicht genehmigt. Zwar sind identische Sitze im Airbus A350 bereits zugelassen und im Einsatz, jedoch stammen diese von einem anderen Hersteller und die Flugzeugstruktur unterscheidet sich.
Spohr räumt Fehler ein
Spohr äußerte deutliche Kritik an der Situation und räumte gleichzeitig Managementfehler ein. Die Pandemie sei eine extreme Situation gewesen, in der man radikal auf die Kostenbremse gedrückt habe. "Wir haben auch die Allegris-Entwicklung gestoppt. Das spüren wir bis heute", erklärte der Konzernchef. Bei einer Fortsetzung der Entwicklung hätte es die Zertifizierungsprobleme zwar wohl trotzdem gegeben, möglicherweise aber früher.
Der Lufthansa-Chef verteidigte die Entscheidung, über Jahre einen hochkomplexen Sitz selbst zu entwickeln statt einen vorgefertigten zu kaufen. Die Durchschnittserlöse unterschieden sich um bis zu zehn Prozent zwischen einem Standard-Business-Class-Sitz und einem Allegris-Modell.
Die Airline benötigt die "Dreamliner" in Frankfurt dringend, um die neue Allegris-Kabine nach München auch am größten Drehkreuz einzuführen. Bereits seit Herbst fliegen einzelne Boeing 787 mit den geblockten Business-Class-Sitzen.
Verkauf von zwei Boeing 747
Spohr äußerte sich auch zu einem weiteren aktuellen Thema: Lufthansa verkauft zwei Boeing 747-8 an die US Air Force. Die erste Maschine soll die Flotte im Januar 2026 verlassen, die zweite im Herbst 2026. Lufthansa erhält für beide Jets insgesamt 400 Millionen Dollar, umgerechnet 340 Millionen Euro.
"Das ist nicht nur mehr, als die Flugzeuge noch wert sind. Es ist auch deutlich mehr, als diese Flugzeuge jemals verdienen können", sagte Spohr. Mit dem Erlös will die Airline zwei neue Flugzeuge bestellen – entweder Boeing 777-9 oder Airbus A350-1000. Die fehlenden 747-8 könne das Unternehmen verkraften, unter anderem soll älteres Fluggerät vorübergehend länger im Einsatz bleiben.
Die US Air Force baut eine eigene 747-8-Flotte auf. Die Maschinen sollen einerseits zur Pilotenausbildung für das geplante neue Präsidenten-Flugzeug Air Force One genutzt werden, andererseits als Ersatzteillager dienen.
Verzögerungen bei Lieferungen
Lufthansa kämpft wie alle Airlines mit stockenden Flugzeuglieferungen. Die Lieferketten von Boeing und Airbus sind seit der Pandemie instabil. Die Boeing 777-9 wollte die Fluggesellschaft ursprünglich bereits im Jahr 2020 in Betrieb nehmen. Die ersten Flugzeuge dieses Musters werden nach aktuellem Stand voraussichtlich erst im Jahr 2027 ausgeliefert.
Die Airline ist aktuell mit deutlich mehr Vierstrahlern unterwegs als die meisten anderen Airlines. Modelle wie der Airbus A380 sind bei Passagieren zwar sehr beliebt, verbrauchen aber bis zu 30 Prozent mehr Kerosin als moderne Muster mit nur zwei Triebwerken. Zudem sind die neuen Flugzeuge weniger wartungsintensiv. Die älteren Flugzeuge in der Lufthansa-Flotte sind mittlerweile abgeschrieben, was ihre höheren Betriebskosten zumindest bilanziell kompensiert.