Die indische Fluggesellschaft Indigo hat auf der Farnborough Airshow eine Grundsatzvereinbarung (Memorandum of Understanding) mit dem Triebwerkshersteller CFM International unterzeichnet. Sie sieht den Kauf von mehr als 1000 Leap-1A-Triebwerken vor und ist der größte Auftrag in der Firmengeschichte des französisch-US-amerikanischen Herstellers, der sich gerade von einer branchenweiten Reparaturkrise erholt.
Die Triebwerke sind für die 500 Flugzeuge der Airbus-A320-Neo-Familie bestimmt, die Indigo bereits 2023 auf der Pariser Luftfahrtschau bestellt hatte. Farnborough und Paris wechseln sich als jährliche Leitmessen der Luftfahrtindustrie ab.
Die Vereinbarung umfasst zudem Pläne für ein eigenes Wartungs-, Reparatur- und Überholungszentrum der Fluggesellschaft sowie einen Ersatzteil-Liefervertrag. Damit folgt Indigo einem ähnlichen Schritt der irischen Fluggesellschaft Ryanair.
CFM baut unter anderem Triebwerke für die Boeing 737 Max und konkurriert bei der Airbus A320 Neo mit "Pratt & Whitney". Das Unternehmen ist nach Stückzahlen der weltweit größte Triebwerkshersteller und gehört zu gleichen Teilen GE Aerospace und dem französischen Konzern Safran.
Reparaturkrise trifft die ganze Branche
Die Triebwerksindustrie kämpft seit Jahren mit langen Wartungszeiten und Ersatzteilmangel. Viele Fluggesellschaften mussten deshalb Flugzeuge zeitweise am Boden lassen.
CFM erklärte, die Zahl der wegen Leap-Triebwerken am Boden stehenden Flugzeuge sei mittlerweile "nahe null".
Auch der Konkurrent "Pratt & Whitney", der wegen Wartungskapazitätsmangel und Problemen mit Metallverunreinigungen besonders stark von Startverboten betroffen war, meldete Verbesserungen.
Die Entscheidung zweier der weltweit größten Billigfluggesellschaften, eigene Reparaturwerkstätten aufzubauen, gilt laut Branchenkreisen auch als Vorsichtsmaßnahme, um sich Zugang zu knappen Reparaturkapazitäten zu sichern. Beide Airlines wollen dabei ausschließlich eigene Triebwerke warten, statt ihre Kapazitäten auch anderen Fluggesellschaften anzubieten.
Boeing warnt vor jahrelanger Anspannung
Auch wenn die Triebwerkshersteller die Verzögerungen allmählich abbauen, dürfte der Zugang zu Reparaturkapazitäten angesichts stark steigender Flugzeugproduktion künftig ein strategisches Thema für Fluggesellschaften bleiben.
Boeing warnte vergangene Woche, dass Reparaturzeiten, ein schrumpfender Bestand erfahrener Techniker und Probleme in der Lieferkette die Triebwerkswartung "weite Teile des Jahrzehnts" belasten würden. Der US-Flugzeugbauer rechnet bis 2045 mit einem Anstieg der jährlichen weltweiten Wartungsnachfrage um 88 Prozent auf 215 Milliarden Dollar (rund 188 Milliarden Euro).