Die stark gestiegenen Kerosinpreise infolge des Iran-Kriegs werden nach Einschätzung von IATA-Generaldirektor Willie Walsh weitere Airlines in die Insolvenz treiben.
"Ich fürchte leider, dass einige Fluggesellschaften mit diesen hohen Treibstoffpreisen nur sehr schwer zurechtkommen werden", sagte Walsh am Rande der IATA-Jahrestagung in Rio de Janeiro.
Er erwarte, dass einige Fluggesellschaften insolvent gehen und andere von größeren Konkurrenten übernommen würden. Spirit Airlines habe den Betrieb im vergangenen Monat eingestellt und werde nicht die letzte sein.
Besonders gefährdet seien Billigflieger, denen margenträchtige Einnahmequellen wie Premiumklassen und Vielfliegerprogramme fehlten. Das Geschäftsmodell der Low-Cost-Carrier sei aber grundsätzlich nicht gescheitert, betonte Walsh.
Außerhalb der USA – wo United, Delta und American ihre günstigeren Konkurrenten zunehmend verdrängten – floriere es weiterhin. Als Beispiel nannte Walsh Ryanair in Europa.
Golfhubs unter Druck
Der Iran-Konflikt hat die Verkehrsströme durch die Golfhubs Dubai, Doha und Abu Dhabi empfindlich gestört. Walsh erwartet dennoch keinen dauerhaften Schaden.
Die Kapazität der Golfcarrier, die 14 Prozent des weltweiten Angebots ausmachen, könne nicht durch andere Regionen ersetzt werden. "Ich gehe davon aus, dass die Golfcarrier nach einer Normalisierung ihre wichtige Marktposition zurückgewinnen werden."
Kirby: Keine große Fusion
United-Airlines-Chef Scott Kirby schloss eine erneute große Fusionsofferte aus. Nach dem gescheiterten Annäherungsversuch an American Airlines sei eine Konsolidierung für United unwahrscheinlich.
"Das bedeutet nicht, dass wir nicht weiterhin Assets kaufen werden – aber eine große Fusion hat geringe Wahrscheinlichkeit", sagte Kirby.
Offen bleibe United für den Kauf von Slots, Gates oder anderen Vermögenswerten, falls der Kostendruck schwächere Konkurrenten unter Druck setze.
Walsh schloss seinerseits aus, dass die von Kirby angestrebte Übernahme von American realisiert wird: Die regulatorischen Hürden seien zu groß.
Frust über Hersteller
Walsh äußerte sich enttäuscht über das schleppende Tempo bei Flugzeugauslieferungen von Boeing und Airbus sowie über Triebwerksengpässe bei GE Aerospace und "Pratt & Whitney".
Lieferkettenprobleme hätten die Airlines 2025 rund elf Milliarden Dollar (rund 9,5 Milliarden Euro) gekostet. "Wir sind enttäuscht, dass sie die Lasten der Branche nicht mittragen."
Trotz zunehmender Skepsis hält IATA am Ziel der Klimaneutralität bis 2050 fest, räumte aber ein, dass das Vorhaben schwieriger werde als erwartet – vor allem weil die Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe hinter den Erwartungen zurückbleibe.