Die internationale Luftfahrtbranche hat ihre Gewinnprognose für 2026 fast halbiert. Der Weltluftfahrtverband IATA rechnet nun mit einem Nettogewinn von 23 Milliarden US-Dollar (rund 20 Milliarden Euro) – nach einer ursprünglichen Prognose von rund 41 Milliarden Dollar.
Hauptursachen sind gestiegene Treibstoffkosten und gestörte Flugkorridore infolge des Iran-Kriegs, wie die IATA am Rande seiner Jahrestagung in Rio de Janeiro mitteilte.
Die globale Treibstoffrechnung der Airlines dürfte 2026 auf rund 350 Milliarden Dollar steigen – gegenüber 252 Milliarden im Vorjahr. Damit macht Kerosin nahezu ein Drittel der Betriebskosten aus.
Der Gewinn pro Passagier dürfte sich auf etwa 4,50 Dollar halbieren. IATA-Generaldirektor Willie Walsh erwartet, dass kleinere Fluggesellschaften wegen der Treibstoffkosten in die Insolvenz geraten werden. Spirit Airlines hatte den Betrieb im vergangenen Monat eingestellt.
Golfcarrier besonders betroffen
Airlines aus der Golfregion wie Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways dürften laut IATA wegen des Konflikts und geschwächter Nachfrage in die Verlustzone rutschen. Längere Umwege, um gesperrte Lufträume zu umfliegen, erhöhen Kerosinverbrauch und Betriebskosten.
Gleichzeitig profitieren Carrier mit direkten Verbindungen zwischen Asien und Europa – darunter Lufthansa Group, Air France-KLM, Singapore Airlines und Cathay Pacific.
Höhere Ticketpreise, aber begrenzte Spielräume
Die Branche hat den Kostendruck bislang teilweise über höhere Ticketpreise weitergegeben. In den USA lagen veröffentlichte Inlandspreise Ende Mai um 35 bis 39 Prozent über dem Vorjahreswert.
Die Nachfrage hat sich in mehreren Märkten – vor allem im Premium- und Geschäftsreisesegment – als robust erwiesen. Da die Kapazitäten sinken, dürften die Preise hoch bleiben, sagte Walsh.
Airlines in Märkten mit schwachen Währungen oder begrenzter Preismacht haben jedoch weniger Spielraum.
Lieferengpässe verschärfen den Druck
Verzögerte Lieferungen von Boeing und Airbus zwingen Airlines, ältere und weniger effiziente Maschinen länger im Betrieb zu halten – was Wartungs- und Treibstoffkosten zusätzlich steigen lässt.
United-Airlines-Chef Scott Kirby schätzt, dass weltweit 800 bis 900 Flugzeuge wegen Triebwerksproblemen am Boden stehen. Trotz des schwierigen Umfelds wollen einige Airlines ihre Flotten wachsen lassen.
Singapore Airlines verhandelt über mindestens 50 Großraumjets, Qantas erwägt eine Bestellung von rund 20 Maschinen, und Philippine Airlines will in den nächsten Monaten neue Flugzeuge bestellen.
IATA erwartet für 2026 einen Branchenumsatz von rund 1,16 Billionen Dollar, wasn einem Anstieg von 9,4 Prozent entspricht.