Mehr als zwei Dutzend Mitglieder des US-Kongresses haben die US-Luftfahrtbehörde FAA aufgefordert, den Einsatz eines neuen KI-Werkzeugs zur Unterstützung der Fluglotsen im Raum Washington auszusetzen. Sie begründeten dies mit Sicherheitsbedenken. In einem Brief verlangen sie bis zum 19. Oktober eine Antwort der Behörde.
Die Unterzeichner zeigten sich besorgt über das Pilotprojekt der FAA, "da wir keine Berichte über Sicherheitsbewertungen und Tests gesehen haben und uns auch keine Bemühungen bekannt sind, das Flugsicherheitspersonal im bestmöglichen Umgang mit dem Werkzeug zu schulen".
"Wir sind zutiefst besorgt über die Einbindung jeglicher KI-gestützter Systeme in die Flugsicherung, wo es bei Entscheidungen buchstäblich um Leben und Tod geht", heißt es in dem Brief. "Die Flugsicherung lässt keinerlei Spielraum für Fehler", sagte Alexandria Ocasio-Cortez am Dienstag. Die Demokratin ist Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und hat den Brief mitunterzeichnet.
Verkehrsminister sieht Lotsen weiter in der Verantwortung
US-Verkehrsminister Sean Duffy bezeichnete das Werkzeug am Dienstag in der Sendung "Big Money in the Morning" des Senders Fox Business im Wesentlichen als "dumme KI". Er sagte, die Fluglotsen und nicht die Software hätten weiterhin das Kommando. "Fluglotsen werden immer den Luftraum kontrollieren", sagte Duffy. Das System gebe ihnen lediglich zusätzliche Werkzeuge an die Hand, um etwa mit Wetterlagen besser umzugehen.
Nach Angaben des US-Verkehrsministeriums (DOT) greift das System auf mehr als 200 Datenströme zurück, erstellt Datenvisualisierungen und erarbeitet Planungsempfehlungen. Fachleute für den Betrieb könnten diese prüfen und gegebenenfalls weitergeben. In die aktive Steuerung von Flugzeugen in der Luft greife das System nicht ein.
Der Leiter der FAA, Bryan Bedford, hatte zuvor gesagt: "Es wird transformativ sein. Wir werden viel bessere Entscheidungen treffen, wenn wir bessere Werkzeuge zur Entscheidungsfindung haben."
Auftrag über 875 Millionen US-Dollar
Die FAA hatte im Juni einen Auftrag über 875 Millionen US-Dollar (rund 782 Millionen Euro) mit einer Laufzeit von zwölf Jahren an das Unternehmen Air Space Intelligence vergeben. Das System trägt den Namen Strategic Management of Airspace, Routes, and Trajectories, kurz SMART. Es wertet Flugpläne der Airlines, Wetterdaten, Flughafenkapazitäten, Luftraumbedingungen und betriebliche Einschränkungen aus. Daraus soll es Verkehrsflüsse vorhersagen und mögliche Konflikte erkennen, bevor sie entstehen.
Die FAA setzt die Software seit September ein – zunächst im Luftraum um Washington. Schrittweise soll sie auf weitere Teile der USA ausgeweitet werden. Anfangs nutzt die Behörde das Werkzeug, um wetterbedingt annullierte Flüge effizienter neu einzuplanen. Später sollen weitere Aufgaben hinzukommen, etwa die strategische Abstimmung von Flugplänen und Flugbahnen vor dem Abflug.
