US-Verkehrsminister Sean Duffy will den Kongress um weitere 30 Milliarden US-Dollar ([Euro-Umrechnung ergänzen]) für Kontrolltürme, Software und digitale Technik der Flugsicherung sowie für die Flughäfen bitten. Das kündigte er am Dienstag bei einer Rede in Washington an. Der Vorstoß folgt auf einen Ausfall am Montag, der den Luftverkehr an der Ostküste stundenlang lahmlegte und tausende Flüge verspätete oder ausfallen ließ.
Rund zehn Milliarden US-Dollar sollen in den Ersatz veralteter Kontrolltürme fließen, weitere zehn Milliarden in Telekommunikation und andere Technik der Flugsicherung. Für die Flughäfen forderte Duffy am Dienstag zusätzlich zehn Milliarden US-Dollar. Ein Teil der Mittel soll zudem in den Ausbau eines neuen softwarebasierten Systems gehen, das die US-Luftfahrtbehörde FAA seit Montag einsetzt. Es soll mithilfe von Predictive Analytics die Verkehrssteuerung verbessern. "Wir müssen uns ansehen, wie sich das Land verändert hat und was an den Flughäfen gebraucht wird", sagte Duffy.
Der Kongress hatte im Juni 2025 bereits 12,5 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre für die Modernisierung der Flugsicherung bewilligt. Ein Regierungsbericht kam in der vergangenen Woche zu dem Schluss, dass das Parlament mehr Geld freigeben müsse, allein um die erste Phase des Programms abzuschließen. Die FAA brauche zudem eine bessere Schätzung der Betriebskosten des neuen Systems. Die Kosten für die Erneuerung der Telekommunikation sind dem Bericht zufolge auf 5,9 Milliarden US-Dollar gestiegen.
FAA beschafft Ersatzteile über Ebay
FAA-Chef Bryan Bedford kündigte an, die veralteten Kupferleitungen bis September 2027 vollständig zu ersetzen. Ende 2027 soll die Kommunikation der Flugsicherung von analog auf digital umgestellt werden, später will die FAA alle Einrichtungen von Einzelrechnern in die Cloud verlagern. Die mehr als 300 Flugsicherungseinrichtungen können bislang nicht miteinander kommunizieren und laufen auf einzelnen analogen Computern. "Jede Einrichtung ist ein Silo", sagte Bedford. "Wir sind 20 Jahre im Rückstand."
Die Tower arbeiten nach Bedfords Worten faktisch mit einzelnen Computern der Marke Compaq, die inzwischen zu HP gehört und seit 2013 keine Rechner mehr herstellt. Hinzu kommen drei Telekommunikationssysteme, die nicht miteinander kompatibel sind. Für manche Anlagen beschafft die FAA Ersatzteile über Ebay, für andere gibt es keine mehr. Der US-Rechnungshof GAO hatte 2024 ein Drittel der Flugsicherungssysteme als nicht mehr zukunftsfähig eingestuft. Gleichzeitig fehlen in den USA mehrere tausend Fluglotsen.
Die FAA versucht seit Jahrzehnten, die Flugsicherung zu modernisieren. Ein erster umfassender Plan aus dem Jahr 1982 veranschlagte bis Ende der 1990er-Jahre rund zehn Milliarden US-Dollar, 1995 bezifferte der GAO die Kosten bereits auf mindestens 36 Milliarden US-Dollar. Das 2004 gestartete Programm Nextgen war mit 15 Milliarden US-Dollar angesetzt. Nach Einschätzung des Generalinspekteurs des US-Verkehrsministeriums lieferte die FAA es verspätet, teurer und weniger umfassend als geplant ab.