Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat am Montag vorübergehend eingehende Flüge nach Philadelphia sowie nach Newark Liberty und Teterboro in New Jersey gestoppt. Grund sind Probleme bei einigen Funkfrequenzen einer Flugsicherungsanlage in Philadelphia, dem sogenannten Philadelphia Tracon (Terminal Radar Approach Control), das den Anflugverkehr für die drei Flughäfen steuert.
Nach Angaben des Flugverfolgungsdienstes "FlightAware" waren am Philadelphia Tracon mehr als 600 Flüge in Newark und Philadelphia verspätet, das sind mehr als 20 Prozent des dortigen Verkehrs. Newark ist ein wichtiges Drehkreuz von United Airlines, Philadelphia ein Drehkreuz von American Airlines.
Die Störung erzwang zudem die Umleitung mehrerer Flüge zu anderen Flughäfen. Nach Angaben des Flugverfolgungsdienstes "Flightradar24" lag die durchschnittliche Verspätung in Newark bei 112 Minuten.
Bereits im Mai 2025 war es an der Anlage, die den Flugverkehr von und nach Newark steuert, zu einer Serie schwerer Kommunikationsausfälle gekommen. Die FAA hatte zudem im vergangenen Jahr mitgeteilt, ein Telekommunikationsausfall habe die Kommunikation und die Radaranzeigen am Philadelphia Tracon beeinträchtigt.
Der US-Kongress hatte im vergangenen Jahr 12,5 Milliarden US-Dollar bewilligt, um das veraltete Flugsicherungssystem zu modernisieren und mehr Fluglotsen einzustellen. Grund waren jahrzehntelange Klagen über überlastete Flughäfen, Verspätungen und wiederkehrende technische Probleme.
GAO-Bericht: Kommunikation mit Fluglotsen "unglaublich unsicher"
Ein Bericht des US-Rechnungshofs GAO (Government Accountability Office) attestiert der Kommunikation zwischen US-Fluglotsen und Verkehrsflugzeugen derweil erhebliche Sicherheitslücken. Die FAA hat laut GAO-Bericht noch keine vollständigen Risikobewertungen und aktualisierten Sicherheitsunterlagen zum Schutz vor Spoofing- und Störsenderangriffen (Jamming) vorgelegt und verfügt über keine Echtzeit-Erkennung für alle Bedrohungen im Frequenzspektrum.
Der US-Senator Ron Wyden (Demokraten) sagte dazu: "Dieser ernüchternde Bericht des Rechnungshofs zeigt, dass die Technik, mit der Fluglotsen mit Flugzeugen kommunizieren, unglaublich unsicher ist, abgefangen, vorgetäuscht und gestört werden kann und dass Hacker sowie ausländische Regierungen diese Schwachstellen ausnutzen können, um den Flugverkehr zu stören und sogar Passagiere zu gefährden."
Laut dem Bericht könnten Hacker gefälschte Freigaben oder Streichungen von Freigaben sowie andere Nachrichten an Flugzeuge senden und damit Verspätungen, Störungen im Luftraum oder Sicherheitsrisiken auslösen. Wyden ergänzte: "Das Versäumnis der FAA, verbindliche Vorgaben für eine sichere Kommunikationstechnik in der Luftfahrtbranche zu machen, ist eine erhebliche Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA, für die Wirtschaft und für die Sicherheit der Passagiere." Die FAA äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.
Zwei Systeme, über die Nachrichten an Flugzeuge übermittelt werden, stammen laut GAO aus einer Zeit vor modernen Cybersicherheitsstandards und verfügen nicht über gängige Verschlüsselung. Die FAA erklärte im Nachgang, sie stimme allen neun Empfehlungen des Rechnungshofs zu. "Da Flugzeuge und Flugbetrieb zunehmend vernetzt sind, steigen die Risiken durch Cyber- und elektromagnetische Bedrohungen für kritische Systeme, darunter die Flugsicherung, die Datenkommunikation und die Avionik", teilte die Behörde mit.
Störungen von Satellitennavigationssystemen durch Spoofing und Jamming sind in Europa bereits ein bekanntes Problem. Estland und das Nachbarland Finnland machen Russland für die Störung von GPS-Navigationsgeräten im Luftraum der Region verantwortlich, was Moskau bestreitet. 2025 war unter anderem ein spanischer Militärjet betroffen, an dessen Bord sich der spanische Verteidigungsminister befand.