Da ist es also: Starlink für Flugzeuge. Am vergangenen Samstag hatte ich erstmals die Gelegenheit, das System auszuprobieren, und das völlig unerwartet. Denn die Maschine, die Air France von Paris-Charles de Gaulle einsetzte, war jetzt nicht unbedingt der Typ, bei dem ich schnelles Internet erwarte – wenn überhaupt.
Ich stieg also im Terminal 2F ohne jede Erwartung in einen Airbus A220-300.
Flugzeit ist in den letzten Jahren irgendwie Offlinezeit geworden. Auf der Langstrecke bin ich meist zu geizig für den Service und auf der eng bestuhlten Kurz- und Mittelstrecke macht das Arbeiten auch nur bedingt Spaß. Einer von vielen Gründen, warum ich recht viel auf die Bahn verlagert habe.
Das könnte sich aber vielleicht ändern. Denn der Internetzugang in dem Flugzeug war ziemlich gut. Alles fing mit einer seltsamen Ansage an. Es gibt superschnelles Internet (wie oft habe ich das schon gehört), aber wenn das jemand nutzt, dann bitte diskret. Diskret? Ähm, bitte?
Achja, außerdem ist der Service für Flying-Blue-Mitglieder kostenlos. Wenn ich das richtig gesehen habe, ist es auch die einzige Möglichkeit, um Zugang zu bekommen. Einen Kaufprozess gab es nicht. Die Crew wies auch darauf hin: Die Anmeldung reicht, um den Internetzugang zu nutzen.
Ich wurde also neugierig, denn: Erstens war es die falsche Maschine für einen Internetzugang, ich wusste also überhaupt nicht, was technisch im Einsatz war, und zweitens irritierte mich der Satz mit der diskreten Nutzung.
Air France rüstet bis Ende 2026 alle Flugzeuge auf Starlink um. Die F-HZUR mit herkömmlichem Satelliten-Internet (oben) und seit Anfang Januar mit Starlink-Antenne (unten). Die Starlink-Antenne ist deutlich kompakter. : Zweiteilige Aufnahme des Air France Airbus A220 (Reg. F-HZUR). Oben eine Nachtaufnahme mit klassischer Satelliten-Internet-Kuppel, unten eine Tagesaufnahme mit deutlich kompakterer Starlink-Antenne. Weiße Maschine, Tricolore-Heck, Rollbahnbeleuchtung sichtbar. © airliners.de (Basis: Air Team Images) / Jonas Evrard (oben), Santi Lorenzo (unten)
Starlink funktioniert schon am Boden
Neugierig, wie ich bin, fing ich schon beim Rollen an, mich ins Air-France-Wifi einzubuchen. Die WLAN-SSID ist mir nämlich schon kurz nach dem Einstieg aufgefallen, da ich noch mit Hotspots rumhantieren musste. Ich hatte ein bisschen das Bedürfnis, etwas zu zocken.
Nach der Einwahl erschien dann auch ziemlich schnell das Captive Portal des WLAN-Zugangs, das mich aufforderte, meinen Flying-Blue-Zugang zu verwenden. Gefragt, getan, und nach einer etwas längeren Wartezeit, die mich an andere Internet-Lösungen in Flugzeugen erinnerte, war ich dann auch schon online.
Erster Benchmark mit fast.com am Boden: Niedrige Latenz, hoher Download und Upload : Screenshot der Fast.com-Oberfläche auf weißem Hintergrund. Große Anzeige 150 Mbps (Download) oben, rechts Upload 70 Mbps. Links Latenzwerte: Unloaded 24 ms, Loaded 32 ms. Kleiner grüner Aktualisierungs-Button, Client-Standort Paris, FR unten sichtbar. © airliners.de / Screenshot
Aber Moment, ich bin doch noch am Rollen? Das störte den Netzzugang aber nicht. Starlink hat offenbar eine Gate-2-Gate-Zertifizierung. Also fing ich auf dem iPhone an, etwas rumzusurfen. Was mir sofort auffiel: Der Zugang war erstaunlich "snappy". Wartezeiten waren minimal und Seitenaufbau im Expresstempo gehörten dazu und widersprachen komplett dem Erlebnis bei der Anmeldung an den Dienst. Da ist wohl das Flying-Blue-System ziemlich lahm.
Der erste Test mit fast.com, dem Benchmark von Netflix, zeigte dann auch enorme Bandbreiten, die mir zur Verfügung standen.
150 MBit/s im Download? Das ist ziemlich viel. Die Latenzen? Phänomenal für eine Satellitenverbindung. Und der Upload: mehr als genug, damit ich als Journalist auch mal eben ein Video hochladen kann.
Bandbreiten, mit denen man arbeiten und streamen kann
Also dachte ich mir: Probiere ich doch mal ein Arbeitsszenario. Für meinen Zweitjob galt es noch ein paar Videos von einem Smartphone hochzuladen und etwas Recherche zu betreiben. Nebenbei konnte ich mir auf dem Terminal des Macs genauer anschauen, was im Netzwerk passierte.
Anmeldeprozess auf dem Desktop : Desktop-Bildschirm einer Anmeldeseite für Air France High‑Speed‑WLAN. Dunkelgrauer Hintergrund, weißer zentraler Text 'Connect to Air France’s high-speed wifi', ein angehaktes Zustimmungsfeld und ein hellblauer Primär‑Button. Air France‑Logo oben links, mehrere Links und Optionen für Flying Blue und La Première sichtbar. Kein Mensch oder Flugzeug im Bild. © airliners.de / Screenshot
Und das sah sehr gut aus. Pings zu unserer Webseite waren fast immer gut. Ich schickte 20 Pakete auf unseren Server und erreichte 20 ms im besten Fall und 110 ms im schlechtesten Fall. Da war ich übrigens schon in der Luft und die Anschnallzeichen waren erloschen, Voraussetzung, um vernünftig auf dem Tisch mit dem Notebook zu arbeiten.
Ping zur Airliners-Webseite: Gute Latenzen mit Starlink. : Screenshot eines schwarzen Terminal-Fensters mit Ping-Ausgabe zu www.airliners.de (IP 134.119.0.225). Mehrere Zeilen „64 bytes from ... time=xx ms“ zeigen Latenzen zwischen etwa 20 und 110 ms. Am Ende: Statistik mit 20 gesendeten Paketen und 0% Paketverlust. © airliners.de / Screenshot
Im Durchschnitt lag der Ping bei 40 ms. Das ist ziemlich nah an dem, was auch mit unserem DSL-Anschluss im Büro machbar ist. Oder bei mir zuhause. Es gab aber einen Unterschied: Während normales, asynchrones DSL auf große Uploads sehr empfindlich reagieren kann, zuckte der Starlink-Zugang nur minimal. Es könnte auch im Bereich der Messtoleranzen gewesen sein. Benchmarks in einem Flugzeug sind nicht so einfach, da ich keine kontrollierte Umgebung habe und immer damit rechnen muss, dass andere Fluggäste im selben WLAN die Messungen stören.