Bund lehnt Lufthansa-Vorschlag ab

Exklusiv 09.11.2018 - 08:02 0 Kommentare

Lufthansa-Chef Spohr drängt auf eine Begrenzung der stündlichen Starts und Landungen an deutschen Flughäfen. Die Bundesregierung lehnt dies nach airliners.de-Informationen ab.

Flugzeug der Lufthansa: Wie umgehen mit Kapazitätsengpässen? - © © PR -

Flugzeug der Lufthansa: Wie umgehen mit Kapazitätsengpässen? © PR

Die deutsche Bundesregierung hat der von Lufthansa-Chef Carsten Spohr geforderten Wachstumsbremse für deutsche Airports eine Absage erteilt. Anpassungen der Koordinierungseckwerte stellten "kein geeignetes Instrument zur Steuerung etwaiger Engpässe im deutschen Luftraum dar", heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der FDP, die airliners.de vorliegt.

Vor dem Hintergrund der vielen Flugverspätungen und -streichungen in diesem Sommer hatte Spohr eine Begrenzung der stündlichen Starts und Landungen an großen Airports als mögliche Lösung ins Spiel gebracht. Gleichzeitig soll der Kranich-Lenker in nicht öffentlichen Sitzungen des Koordinierungsausschusses beispielsweise für den Flughafen Frankfurt auf eine niedrigere Zahl von Slots gedrängt haben.

Das Gremium gibt dem hessischen Verkehrsministerium und dem Pendant auf Bundesebene zweimal jährlich eine Empfehlung ab, wie hoch die Eckwertbegrenzung sein sollte. Offiziell wollte der Konzern die "vertraulichen Gespräche" nicht kommentieren.

Schulte kritisierte Spohrs Idee

Der Chef des Flughafens Frankfurt und gleichzeitiger Präsident des Flughafenverbands ADV, Stefan Schulte, kritisierte den Vorstoß Spohrs scharf. Grundsätzlich sei es "kein Ausweg aus dem von Reisenden viel beklagten Flugchaos des Sommers, weniger Flugzeuge landen zu lassen", sagte er in einem Interview. "Eine Eckwertereduzierung wäre in Frankfurt nicht die richtige Antwort auf die Erfahrungen dieses Jahres."

Lufthansa verkündete kurz danach, weitere große Flugzeuge in Frankfurt abziehen und durch kleinere Regionaljets ersetzen zu wollen. Das Wachstum am Main - dem eigentlichen Heimatflughafen und Hauptsitz des Konzerns - solle .

Kranich macht nach Gipfel Tempo

Um die Performance der europäischen Luftfahrt langfristig zu verbessern, kamen Branchenvertreter wie Schulte und Spohr mit Politikern wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Anfang Oktober in Hamburg zusammen. Auf dem Luftverkehrsgipfel einigten sie sich auf 24 Maßnahmen als Konsequenz auf die massiven Flugausfälle und -streichungen des Sommers.

© airliners.de, Lesen Sie auch: Das wurde auf dem Luftfahrtgipfel beschlossen Überblick

Anschließend pochte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister auf eine schnelle Umsetzung der beschlossenen Punkte. Den allein die Airlines des Konzerns mussten in den Sommermonaten über 18.000 Verbindungen streichen: "Wir brauchen für den nächsten Sommer Lösungen. Und dabei wünschen wir uns auch die Unterstützung der Politik."

Gleichzeitig brachte Hohmeister den Begriff des "qualitativen Wachstums" in Umlauf: Die Planung der Airlines müsse immer die verfügbare Infrastruktur von Flughäfen und -sicherung berücksichtigen. "Wir brauchen zum Beispiel Terminalkapazität und Ordnung im oberen Luftraum."

Aufschub für Dritte Bahn

Kurze Zeit später gab Spohr der seit zwölf Jahren geplanten Dritten Bahn in München einen Aufschub: Man könne noch ein bisschen auf diese warten, so der Konzernchef: "Tendenziell brauchen wir diese etwas später." In der Vergangenheit hatte Lufthansa betont, die Bahn Mitte der 2020er nutzen zu wollen.

Nach der Landtagswahl in Bayern schrieb Koalitionspartner Freie Wähler Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein fünfjähriges Moratorium über die Entscheidung zum Ausbau ins Pflichtenheft. Branchenverbände kritisierten dies anschließend scharf.

© airliners.de, Benjamin Recklies Lesen Sie auch: "Es werden nur noch Knappheiten verwaltet" Interview mit München-Chef Kerkloh

Von: cs
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