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Fluggastbrücken am Airport Tegel. © dpa - Bildfunk / Paul Zinken

Die Corona-Pandemie trifft auch die Vorfelddienstleister immer schwerer. So sieht Bodenabfertiger Wisag keinen anderen Ausweg, als rund 200 Mitarbeiter am Standort Frankfurt betriebsbedingt zu kündigen, teilte eine Sprecherin gegenüber airliners.de mit. Die massiv gestrichenen Flugverbindungen führten zu einem stark verminderten Bedarf an Bodendienstleistungen aller Art, so die Sprecherin weiter.

Betroffen seien Mitarbeiter bei den Töchtern Ground Service Frankfurt sowie Passage Service Frankfurt. Beide Gesellschaften Beschäftigen rund 850 Mitarbeiter am Airport. Zudem können weitere rund 60 Mitarbeiter laut Wisag zwar ihren Job behalten, allerdings nur zu veränderten Bedingungen, wie diese konkret Aussehen ließ das Unternehmen offen.

Kritik kommt von der IGL

Kritik an den betriebsbedingten Kündigungen kommt von der Industriegewerkschaft Luftfahrt IGL. Diese wirft dem Arbeitgeber "fehlende Verantwortung" vor und spricht davon, dass einigen Mitarbeiter sogar mit einem Hungerstreik drohen würden. Zudem appelliert die Gewerkschaft an die Politik zu ihrem Wort zu stehen und den Beschäftigten eine Perspektive zu bieten. Auch weil sich der Luftverkehr wieder erholen werde und die Mitarbeiter dann gebraucht würden.

Wisag teilt gegenüber airliners.de mit, dass man den betroffenen Mitarbeitern einen umfangreichen Sozialplan angeboten habe. "Neben Abfindungszahlungen sollte eine Transfergesellschaft den Mitarbeitern die Möglichkeit eröffnen, in neue Arbeitsverhältnisse zu wechseln". Der Betriebsrat habe den Vorschlag aus den Augen des Wisag-Managements "überraschend" abgelehnt und die Verhandlungen damit scheitern lassen.

Auch die IGL bestätigt, dass sich Arbeitgeber und Betriebsrat nicht auf ein Sozialplan einigen konnten. Daraufhin wurde eine Einigungsstelle hinzugezogen, die am 7. Dezember mit zu einem Einigungsstellenspruch die gescheiterte Einigung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeberseite ersetzt. Demnach wird es keine Transfergesellschaft geben und laut IGL muss Wisag rund 800.000 Euro Abfindungen an die entlassenen Mitarbeiter leisten, was pro Person rund 3.500 Euro entsprechen würde.

Die IGL kritisiert, dass 3500 Euro für einige Mitarbeiter, die schon seit mehr als 20 Jahren tätig sind, keiner sozialen Verantwortung entsprächen. Wisag hatte 2018 die Dienste in Frankfurt von Acciona übernommen. Michael Dietrich, Geschäftsführer Wisag Ground Service Frankfurt teilt gegenüber airliners.de mit, dass man keine Alternative hätte, wenn "wir noch weitergehende Entlassungen vermeiden wollen". Zudem wolle man das Möglichste tun, um den Betroffenen zu helfen.

Busfahrer werden entlassen

Neben den 200 Mitarbeitern hat sich Wisag bereits von ihren 31 Vorfeld-Busfahrern getrennt. Der Dienstleister teilt mit, die Abteilung "Vorfeld Busverkehr" in Frankfurt bereits zum 1. Oktober an einen Dienstleister übergeben zu haben. Konkret handelt sich dabei um die Sky City Bus GmbH, die auch im Umfeld des Flughafens im öffentlichen Nahverkehr tätig ist.

Wisag erklärt, dass man dadurch den Mitarbeitern, die Möglichkeit geben wollte, auch während der Corona-Krise einen sicheren Arbeitsplatz zu haben und von Kurzarbeit verschont zu werden. Jedoch hätten viele Busfahrer dem Betriebsübergang widersprochen. In der Folge hat Wisag den Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. Sie bekommen auch keine Abfindung.

Arbeitsplatzabbau auch in Berlin

Mitte Juli wurde bekannt, dass Wisag in Berlin den Rotstift ansetzen wird. Der Bodenverkehrsdienstleister teilte mit, dass er an den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel rund die Hälfte der Arbeitsplätze streichen wird. Wisag ist in Berlin unter anderem für die Abfertigung von Easyjet verantwortlich.

Spekuliert wurde damals von einem Arbeitsplatzabbau von rund 800 der 1500 Stellen. Aber auch hin Berlin, könne man derzeit nur "flexibel und auf Sicht handeln", so die Sprecherin weiter. Wisag ist in Frankfurt unter anderem für die Abfertigung von Delta Air Lines, Saudi Arabian Airlines und Air-France-KLM verantwortlich.