Verdi wirft dem AHS Düsseldorf vor, Beschäftigten zustehende Zeitguthaben nicht fristgerecht auszuzahlen. Betroffen sind nach Angaben von Verdi-Gewerkschaftssekretär Andrej Bill fast 100 Mitarbeiter, deren Jahresarbeitszeitkonten Ende März beziehungsweise Ende April genullt worden sind. Die daraus entstandenen Guthaben hätten spätestens Ende April ausgezahlt werden müssen. Auf Anfrage von airliners.de äußerte sich AHS Düsseldorf zu den Vorwürfen und widersprach in wesentlichen Punkten.
Laut Bill hat es zum Zeitpunkt seiner Stellungnahme Anfang Mai noch keine entsprechenden Zahlungen an die betroffenen Beschäftigten gegeben. Das Unternehmen sei damit seit mehr als einer Woche im Zahlungsverzug gewesen. Zudem habe die Unternehmensleitung die Belegschaft nicht über die Verzögerung informiert. Es sei bereits das zweite Mal innerhalb von zwei Monaten, dass Entgelte von Teilen der Düsseldorfer Belegschaft nicht oder verspätet ausgezahlt worden seien: Bereits im März seien einzelne Monatslöhne zu spät überwiesen worden.
AHS Düsseldorf erklärte dazu, die von Verdi am Anfang Mai geschilderte Situation habe sich auf die Abwicklung von Arbeitszeitguthaben im Zusammenhang mit dem Übergang ehemaliger Beschäftigter des Vorgänger-Dienstleisters Acciona bezogen. Die betroffenen Arbeitszeitkonten seien zu den genannten Stichtagen genullt worden, die Berücksichtigung und Auszahlung der Guthaben sei jeweils zeitversetzt im Folgemonat erfolgt. In einzelnen Fällen sei die vorherige Zugehörigkeit zu Acciona in den Personaldaten nicht eindeutig erkennbar gewesen. Diese Ansprüche seien nach Prüfung nachträglich berücksichtigt worden.
Bei anderen Beschäftigten, die bereits Ende 2025 oder Anfang 2026 reguläre AHS-Verträge erhalten hatten, sei der Ausgleich des Arbeitszeitkontos schon zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt, hieß es weiter.
Die Aussage, dass die Ende April fälligen Guthaben weiterhin nicht ausgezahlt seien, treffe aus aktueller Sicht nicht zu, so AHS Düsseldorf weiter. Die erforderlichen Prüfungen und Auszahlungen seien vorgenommen worden. Lediglich die Bearbeitung von Verzugszinsen, die im Zusammenhang mit den verspäteten Lohnzahlungen entstanden seien, nehme in manchen Fällen noch zusätzliche Zeit in Anspruch.
AHS räumt Unstimmigkeiten bei Arbeitszeitkonten ein
Das Unternehmen bestätigte, dass bei der Prüfung von Arbeitszeitkonten vereinzelt Unstimmigkeiten festgestellt worden seien, etwa bei der Zuordnung von Urlaubs- und Krankheitszeiten sowie bei der Übertragung von Stunden auf das Jahresarbeitszeit- oder Freizeitkonto. Diese Fälle würden von der Personalabteilung gemeinsam mit HR Services und der Stationsleitung geprüft und bereinigt. Von einer bewussten oder systematischen Benachteiligung von Beschäftigten könne dabei nach eigener Bewertung keine Rede sein.
Nach Angaben von AHS Düsseldorf hatten die Rückfragen aus der Belegschaft aber gezeigt, dass die Regelungen zum Jahresarbeitszeit- und Freizeitkonto verständlicher erläutert und interne Abläufe verbessert werden müssten. Das Unternehmen arbeite deshalb in internen Projektgruppen daran, Fehlerquellen zu identifizieren und dauerhaft abzustellen. Man habe während des gesamten Prozesses im Austausch mit dem Betriebsrat sowie, bei konkreten Anfragen, auch mit Verdi gestanden; die verspäteten Lohnzahlungen seien zudem im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung erörtert worden.
Verdi rät betroffenen Beschäftigten unterdessen, ihre Lohnabrechnungen und Arbeitszeitkonten monatlich zu prüfen und im Zweifelsfall zeitnah rechtliche Ansprüche zu sichern.