Die Vereinigung Cockpit (VC) hat den geplanten Einstieg der Lufthansa bei Tap Air Portugal als Widerspruch zur Haltung des Konzerns gegenüber der eigenen Belegschaft kritisiert. Zugleich kündigte die Pilotengewerkschaft an, enger mit dem portugiesischen Pilotenverband SPAC und den Pilotenverbänden der Lufthansa-Group-Airlines in Europa zusammenzuarbeiten, wie die VC mitteilte.
Die Konzernführung begründe weitreichende Einschnitte bei den Beschäftigten seit Monaten mit Problemen bei der Profitabilität, erklärte die VC. Bei Zukäufen im Ausland beweise sie dagegen große Finanzkraft und nehme einen Spitzenpreis in Kauf.
"Wer in Lissabon mit finanzieller Stärke überzeugt und bereit ist, einen erheblichen Aufpreis für eine Minderheitsbeteiligung zu zahlen, kann gegenüber den eigenen Beschäftigten nicht gleichzeitig so tun, als seien harte Einschnitte alternativlos", sagte VC-Vizepräsident Oliver Löwe. Das Management müsse erklären, warum für Übernahmen offenbar andere wirtschaftliche Kriterien gälten als für die Belegschaft.
Die VC werde die Zusammenarbeit mit dem portugiesischen Verband SPAC weiter ausbauen, erklärte die Gewerkschaft. Zudem wolle sie den Austausch mit den Verbänden der Lufthansa-Group-Airlines in Europa intensivieren. Piloten stünden nicht nur in Deutschland wirtschaftlich und tarifpolitisch unter Druck. Auch bei weiteren Airlines des Konzerns wachse die Belastung für Arbeitsbedingungen, Tarifstandards und die Vertretung der Beschäftigten. "Wir erwarten, dass Lufthansa ihre wirtschaftliche Expansionsstrategie mit einer ebenso glaubwürdigen und nachhaltigen Sozialpartnerschaft verbindet", sagte Löwe.
Der portugiesische Verband SPAC, ein langjähriger Partner der VC, hatte nach deren Angaben schon vor einigen Monaten dargelegt, was er von der Privatisierung erwartet. Dabei habe er seine Sorge über die Entwicklung der Sozialpartnerschaft zwischen Lufthansa-Management und den deutschen Piloten geäußert. "Unsere portugiesischen Kolleginnen und Kollegen verfolgen sehr genau, wie Lufthansa mit ihren Pilotinnen und Piloten umgeht. Vertrauen lässt sich nicht durch Ankündigungen kaufen. Es entsteht durch Respekt, Verlässlichkeit und die Einhaltung von Vereinbarungen", sagte Löwe.
Zuschlag für Lufthansa, Gespräche über Restanteile
Die portugiesische Regierung hatte der Lufthansa am Mittwoch den Zuschlag für die Teilprivatisierung von Tap Air Portugal erteilt. Die Lufthansa soll mindestens 44,9 Prozent der Anteile übernehmen. Sie kann auf bis zu 49,9 Prozent aufstocken, falls die Beschäftigten ihr Erwerbsrecht für fünf Prozent nicht nutzen. Die Mehrheit bleibt zunächst beim Staat. Das Gebot der Lufthansa lag nach Angaben der Regierung 16 Prozent über dem von Air France-KLM.
Der Gesamtwert der Transaktion liegt einschließlich des Beschäftigtenanteils bei rund 1,2 Milliarden Euro. Für 44,9 Prozent hatte die Lufthansa nach eigenen Angaben gut eine Milliarde Euro geboten. Den größten Gewinn aus dem Verfahren zieht nach Ansicht der VC die portugiesische Regierung. Der Preis für den Minderheitsanteil falle außergewöhnlich hoch aus. Er sei um rund 46 Prozent höher als der anfangs erwartete Wert von rund 700 Millionen Euro.
Für die restlichen 50,1 Prozent verhandelt die Lufthansa gesondert mit der Regierung. Nach Angaben von Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento bietet sie dafür rund 1,4 Milliarden Euro, darunter einen Anteil von fünf Prozent an der Lufthansa Group. Die vollständige Privatisierung könnte Mitte 2028 erfolgen. Die Regierung braucht dafür erneut die Unterstützung der Opposition im Parlament. Die Sozialisten hielten die Debatte für verfrüht, die Partei Chega erklärte, sie wolle die Bedingungen zunächst prüfen.
