Die Lufthansa verhandelt gesondert darüber, künftig auch die restlichen 50,1 Prozent an der portugiesischen Fluggesellschaft Tap von der Regierung zu übernehmen. Das sagte Finanzchef Till Streichert. Der portugiesische Staat könnte dabei mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent Aktionär der Lufthansa werden.
Die Regierung in Lissabon hatte der Lufthansa am Mittwoch den Zuschlag für eine Beteiligung von bis zu 49,9 Prozent an Tap Air Portugal gegeben. Der Preis liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Die Lufthansa setzte sich damit gegen Air France-KLM durch. Streichert rechnet damit, dass die Transaktion im ersten Halbjahr 2028 abgeschlossen wird und Synergien von 450 Millionen Euro bringt.
Konzernchef Carsten Spohr sagte, Tap passe perfekt zur Lufthansa. Die Transaktion sei für die EU leichter zu genehmigen als die Übernahme von Ita Airways, deren Sanierung noch laufe. Der Grund sei, dass sich der Flugbetrieb von Lufthansa und Tap weniger überschneide.
Zweite Phase soll die Privatisierung abschließen
Für die restlichen Anteile hat die Lufthansa nach Angaben von Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento 1,351 Milliarden Euro geboten. Davon entfallen 863 Millionen Euro auf eine Barzahlung. Hinzu kommt ein Anteil von fünf Prozent an der Lufthansa Group, den die Regierung mit 488 Millionen Euro bewertet. Mit diesem Schritt wäre die Privatisierung von Tap abgeschlossen.
Nach einer Präsentation der Regierung könnte die zweite Phase bis Mitte 2028 erfolgen. Portugal würde mit fünf Prozent nach Angaben von Sarmento zweitgrößter Aktionär der Lufthansa Group. Der Minister äußerte sich im staatlichen Sender "RTP".
Die Minderheitsregierung aus dem Mitte-rechts-Lager unterstützt das Lufthansa-Angebot. Sie braucht jedoch erneut die Unterstützung der Opposition im Parlament, wie schon beim Deal dieser Woche. Sarmento sagte, die Regierung werde die zweite Phase prüfen. Das Angebot sei eine außergewöhnliche Gelegenheit für das Unternehmen und für das Land, die Portugal sich nicht entgehen lassen dürfe.
Opposition zurückhaltend
Die oppositionellen Sozialisten hielten es für verfrüht, dass die Regierung bereits über eine vollständige Privatisierung von Tap spreche. Die ultrarechte Partei Chega erklärte, sie wolle die Bedingungen eines möglichen Verkaufs der Restanteile zunächst prüfen.
Sarmento sagte, die Wachstumspläne der Lufthansa für Tap brächten "viel mehr Beschäftigte, viel mehr Aktivität und viel höhere Einnahmen" für die portugiesische Wirtschaft. Die Transaktion wirke sich direkt auf Investitionen, Beschäftigung, Produktivität und Wirtschaftswachstum aus.
Der Verkauf von Tap zog sich über Jahre hin und wurde mehrfach verzögert. Er gilt als nächster Schritt bei der Konsolidierung der europäischen Airlinebranche. Zur Lufthansa Group gehören bereits unter anderem Austrian Airlines, Ita Airways und Swiss.
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