Ursachensuche nach Bugfahrwerk-Kollaps: Verletzte aus Krankenhaus entlassen, © DPA/Mike Seeboth
Eine Lufthansa-Maschine liegt auf dem Bug vor einem Terminal am Frankfurter Flughafen auf der Nase, nachdem das Bugfahrwerk eingeknickt war. : Eine Lufthansa-Maschine steht am Frankfurter Flughafen mit abgesenktem Bug auf dem Vorfeld, offenbar nach einem Bugfahrwerkschaden. Mehrere Einsatz- und Servicefahrzeuge sind daneben zu sehen, im Hintergrund das Terminal. © DPA / Mike Seeboth
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Nach dem Einbruch des Bugfahrwerks einer Boeing 787-9 von Lufthansa am Frankfurter Flughafen sind die verletzten Besatzungsmitglieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das teilte die Fluggesellschaft mit.

Zwei Kabinencrew-Mitarbeitende und einige Beschäftigte von Dienstleistungsunternehmen waren zuvor zur ärztlichen Versorgung in eine Klinik gebracht worden. Alle anderen Mitglieder der insgesamt 13-köpfigen Lufthansa-Crew seien betreut worden, ihre Heimreise sei organisiert worden.

Die Boeing 787-9 sei in der Nacht enttankt und angehoben worden, teilte die Lufthansa mit. "Nach dem Anheben wurde das Fahrwerk ausgefahren und das Flugzeug auf eigenen Rädern zum Technik-Gelände geschleppt."

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung habe die Untersuchung des Vorfalls bereits am Donnerstag aufgenommen, hieß es weiter. "Lufthansa unterstützt die Untersuchungen." Nach Abschluss der Untersuchungen soll die Boeing 787 demnach repariert werden.

Vorfall ereignete sich kurz vor dem Boarding

Der Zwischenfall hatte sich am Donnerstagmittag gegen 12:45 Uhr am Gate A15 vor dem Terminal 1 ereignet. Die Maschine mit der Flugnummer LH450 war für den Flug nach Los Angeles vorgesehen. "Auf einer Parkposition klappte unerwartet das Bugfahrwerk des Flugzeugs ein", erklärte Lufthansa. Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich ausschließlich Mitarbeitende an Bord: die 13-köpfige Crew sowie Beschäftigte von Partnerfirmen. Die Fluggäste warteten noch auf das Boarding.

Besonders gravierend ist der Schaden mit Blick auf das Alter der betroffenen Maschine: Die Boeing 787-9 mit dem Taufnamen "Herne" war erst im Januar ausgeliefert worden. Fotos zeigen erhebliche Schäden am vorderen Rumpf, auch die Triebwerke berührten den Boden. Die Klappen des Bugfahrwerks, die kurz zuvor noch ausgefahren wurden, wurden nach außen gedrückt; zudem kollidierte ein Highloader, der die Maschine gerade belud, mit dem absinkenden Flugzeug.

Die genauen Umstände des Vorfalls werden gemeinsam mit den zuständigen Behörden geprüft. Techniker und Experten sind laut Lufthansa vor Ort. Aktuell hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 17 "Dreamliner" in der Flotte. Lufthansa leidet schon länger unter einem Mangel an Langstreckenflugzeugen – Lieferverzögerungen der Hersteller hatten bereits mehrfach die Flottenplanung durcheinandergebracht.

Vergleichbarer Vorfall bei British Airways 2021

Für die Ermittler könnte ein ähnlicher Zwischenfall bei British Airways aus dem Jahr 2021 als Referenz dienen – als mögliche Erklärung dafür, wie es zum Einbruch des Bugfahrwerks in Frankfurt gekommen sein könnte. Am 18. Juni 2021 war eine Boeing 787-8 der britischen Airline mit dem Kennzeichen G-ZBJB auf dem Flughafen London Heathrow mit dem Bug auf den Boden aufgeschlagen. Die Maschine befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Vorbereitung auf einen Frachtflug nach Frankfurt – mitten in der Corona-Pandemie.

Techniker hatten zuvor Fehlermeldungen für die Bugfahrwerksklappen behoben. Um ein versehentliches Einfahren des Fahrwerks während der Wartungsarbeiten zu verhindern, setzten sie einen sogenannten NLG Downlock Pin in die Fahrwerksverriegelung. Die anschließende Unfalluntersuchung ergab jedoch, dass dieser Pin in die falsche Öse gesteckt worden war. Als ein Techniker den Fahrwerkshebel zu Testzwecken in die Stellung "Up" legte, fuhr das Bugfahrwerk daraufhin ein.

Zuvor eigneten sich bereits ähnliche Vorfälle bei Ethiopian Airlines und Korean Air.

Konstruktionsbedingt liegen die beiden relevanten Bohrungen in der Fahrwerksverriegelung sehr nah beieinander – eine Verwechslung ist damit leicht möglich. Boeing empfiehlt Betreibern seither, die zweite, nicht vorgesehene Bohrung vorsorglich zu verschließen. Bei neueren Boeing 787 ist das Problem werkseitig behoben. Eine rote Kapsel schließt das "falsche" Loch und verhindert so, dass der Pin falsch gesteckt wird.

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